Homöopathie – Nichts ist teurer als weniger

Vor zwei Jahren machte eine Studie in den sozialen Netzwerken die Runde, die belegen sollte, dass Menschen die sich homöopathisch behandeln lassen, mehr Kosten verursachen als Menschen die sich nicht homöopathisch behandeln lassen. In einem Beobachtungszeitraum von 18 Monaten betrugen diese für Menschen in der Homöopathiegruppe ca. 7200 Euro, in der Kontrollgruppe ca. 5800 Euro. Damit widersprach das Ergebnis der Studie dem oft vorgebrachten Argument der Kosteneffizienz für die Nutzung von Homöopathie. Das Gegenargument der Studiengegner war, dass der Beobachtungszeitraum zu kurz sei. Homöopathie benötige einen langen Atem, anders als die „Schulmedizin“. Die AutorInnen haben auf diese Kritik reagiert und den Beobachtungszeitraum in einer neuen Studie auf 33 Monate erhöht.

Das Ergebnis bleibt im Kern gleich (ca. 12400 Euro vs ca. 10400 Euro).

Einmal ganz abgesehen davon, ob die Kosten bei einer spezifischen nicht wirksamen Therapie (es beeinflussen also lediglich Placeboeffekte und unspezifische Faktoren den Erkrankungsverlauf) eine relevante Diskussionsgrundlage sein können, gibt es ein paar bemerkenswerte Dinge an der Studie.

Eine der AutorInnen, Claudia Witt, forscht seit langem im Bereich Alternativmedizin und hat einiges an Kritik für ihre Arbeit einstecken müssen. Unter anderem von Menschen wie mir, die ihr einen unkritischen Ansatz vorwerfen…oder warfen. Einige Arbeiten von Frau Witt wurden in der Vergangenheit freudig von Homöopathieapologeten genutzt, um die angebliche wissenschaftliche Grundlage der Homöopathie zu belegen. In der Danksagung dieser Studie wird auch Curt Kösters gedankt, der mal 1. Vorsitzender des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) war. Diese Studie kommt somit nicht aus der Ecke der von Big Pharma finanzierten Skeptiker.

Es wurden Daten von Menschen genutzt, die an bestimmten Programmen der Krankenkassen teilnahmen, so dass sie „alternativmedizinische Angebote“ auf Kassenkosten nutzen konnten. Damit entspricht die Schnittgruppe wahrscheinlich nicht der Durchschnittsbevölkerung. Menschen denen solche Angebote wichtig sind, sind oft jünger, besser gebildet und haben ein höheres Einkommen als der Durchschnitt. Außerdem sind sie überzufällig häufig weiblich. Die Vergleichsgruppe wurde zwar gematcht, unklar ist mir, ob und welche sozioökonomischen Faktoren einbezogen werden.

Es wäre durchaus möglich, dass nicht die Homöopathie das kostentreibende Element war, sondern eine bestimmte Anspruchshaltung des Klientels.

Auch wurden nicht Patienten individuell verfolgt, sondern Daten der Kassen ausgewertet. Es ist also möglich, dass Menschen nur kurz in einem der Programme waren und diese dann wieder verlassen haben. Dann wären die Daten verzerrt. Das würde allerdings gegen die Zufriedenheit der Patienten sprechen und damit gegen eine Zufriedenheit mit Homöopathie.

Die Kritik an dieser Studie von Seiten der Homöopathen dürfte lauten, dass sie nicht lange genug gedauert habe. 33 Monate sind zwar eine lange Zeit, reichen aber nicht aus, um eine ganzheitliche Bewertung der Homöopathie vorzunehmen. Es wird somit auf eine Studie von 66 Monaten hinauslaufen, der eine Studie von 132 Monaten folgt, woraufhin eine Studie von 264 Monaten durchgeführt werden wird, deren Ergebnisse mithilfe einer 528 Monate langen Studie überprüft werden. Die Studie von 1056 Monaten wird beinahe ein endgültiges Ergebnis bringen, jedoch noch die Studie von 2112 Monaten notwendig machen. Deren Ergebnis wird zeigen, dass Patienten die homöopathisch behandelt werden, zwar mehr Kosten verursachen, was aber im Grunde egal ist, weil wir am Ende ohnehin alle sterben.

You know, you come from nothing, you’re going back to nothing. What have you lost? Nothing!

Das Leben des Brian

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2 Gedanken zu “Homöopathie – Nichts ist teurer als weniger

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