DZVHÄ rät von Impfungen ab

Zugegeben, die Überschrift stimmt nur indirekt. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte steht weiter zu seinen wachsweichen Äußerungen zum Impfen.

Auf dem diesjährigen Kongress des DZVhÄ darf jedoch ein Kinder- und Jugendpsychiater zwei Vorträge halten, in deren Ankündigung bereits eine Verbindung zwischen Impfungen und Autismus gezogen wird.

In der Ankündigung des Vortrags mit dem Titel

 ADHS, Autismus und Co. – Was ist was?
Diagnosen aus Sicht der Kinderpsychiatrie und der Homöopathie

ist unter anderem zu lesen:

Was der Kinderpsychiater Autismus nennt, mag vom homöopathischen Arzt als Impfschadensyndrom (…) bezeichnet werden.

Hier wird auf dem Kongress der Ärzteorganisation, die sich der Homöopathie verschrieben hat, ein Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus gesehen. Dieser Zusammenhang ist widerlegt. Ihn weiter zu verbreiten ist unverantwortlich.

Im Seminar „Aus der Praxis des Kinderpsychiaters“  soll es um verschiedene homöopathische Therapieansätze gehen. Unter anderem wird hier die „CEASE Therapie und Inspiring Homeopathy (T. Smits)“[1] genannt.

Smits hatte, neben der Nutzung von Nasenspray in der Schwangerschaft, auch Impfungen als angebliche Ursache von Autismus ausgemacht. Auch hier wird also der widerlegte Zusammenhang von Impfungen und Autismus wiederholt.

Der DZVhÄ gibt immer wieder an, für die Sicherheit von Patienten notwendig zu sein, weil nur ÄrztInnen sicherstellen könnten, dass Menschen einer angemessenen Behandlung zugeführt würden. Mit diesem Argument wird unter anderem der Aussage widersprochen, Menschen könnten aufgrund einer homöopathischen Behandlung bei gefährlichen oder akuten Erkrankungen zu spät eine wirksame Behandlung beginnen. Damit wiederholt sich das Spektakel, dass bereits im Jahr 2017 stattgefunden hatte. In Leipzig hatte der DZVhÄ einen internationalen Homöopathiekongress abgehalten und dort, neben Krebs, HIV u. v. m., auch die Behandlung von Autismus propagiert. Es wird Zeit, dass PolitikerInnen aufhören, diesem unverantwortlichen Treiben auch noch ihren Segen zu geben

 

[1] CEASE-Therapie

Mit CEASE hat uns der Homöopath und Arzt Tinus Smits die in ihrer komplexen Schlichtheit eleganteste Pseudotherapie für Autismus entwickelt. CEASE steht für „Complete Elimination of Autism Spectrum Effects“ ein ziemlich mutiger Name, denn hier wird Heilung versprochen, wo es keine gibt. Smits gibt in seinem Buch „Beyond Autism“ an, er habe bereits mehr als 300 Fälle von Autismus geheilt. Und das, obwohl er hohe Maßstäbe an sich setzt. In „Autism Beyond Despair“ (Smits 2010) erwähnt er an vielen Stellen, die Heilung eines Kindes sei ihm noch nicht vollständig gelungen, und er beschreibt, wie er auch noch die letzte Verhaltensauffälligkeit wegtherapiert.

Im Falle von CEASE dient Homöopathie nicht nur der Therapie, sondern auch der Diagnostik. Nach einer Anamnese von beliebigem Umfang beginnt Smits mit der „Entgiftung“ der von ihm für den größten Schaden verantwortlich gemachten Noxe (Schadstoff im weiteren Sinn).

Der Schaden besteht, wenig überraschend, in blockierter Energie. Smits hält ASS für das Resultat von Energieblockaden, welche auch aus einem Mangel an Inkarnation (!) resultieren können. Meist sind eine oder mehrere Impfungen verantwortlich, der Impfstoff wird homöopathisch potenziert und in steigender Potenz verabreicht. Dieses Verfahren nennt sich Isopathie, weil als Heilmittel der „Schadstoff“ selbst genommen wird. Stellt sich nach Wochen oder Monaten keine Besserung ein, war die potenzierte Noxe nicht der Auslöser, und der Therapeut nimmt sich der nächsten möglicherweise verantwortlichen Noxe an. Da es auch Fälle von ungeimpften Kindern gibt, geht Smits davon aus, dass Autismus durch mehrere Faktoren hervorgerufen wird. Stellt sich keine Besserung ein, war diese Noxe nicht der Auslöser und es wird das nächste Mittel probiert. An dieser Stelle spielen dem Therapeuten zwei Dinge in die Hand: Zum einen die Zeit. Viele Eltern gehen Monate und Jahre von Anlaufstelle zu Anlaufstelle, bevor die Diagnose gestellt wird. Je später man beim CEASE-Therapeuten landet, desto höher die Chance einer Besserung in der Zeit der Therapie. Kommt es nicht gleich zur Besserung, bleiben viele Noxen übrig, an denen man jahrelang herumprobieren kann. Smits hat mit dieser Methode u.a. folgende Stoffe ausgemacht, die Autismus (mit-)verursachen können:

  • Impfstoffe,
  • Antibiotika in der Schwangerschaft (eigentlich jedes Medikament in der Schwangerschaft),
  • Narkosemittel unter der Geburt,
  • Lokalanästhesie,
  • Nasentropfen,
  • Milch (in Plastikflaschen in der Mikrowelle erwärmt).

Wie mögen Eltern sich fühlen, wenn ihnen im Rahmen von CEASE eröffnet wird, durch welche Dinge sie ihrem Kind geschadet haben sollen?

Sollten nach der Isotherapie noch Symptome bleiben, die der CEASE-Therapeut für behandlungswürdig hält, geht er zur „Inspirational Homeopathy“ über. Auch diese Methode ist eine Erfindung von Smits. Der Mensch wird dabei gesehen wie eine Zwiebel, mit einzelnen Symptom-Schichten, die von bestimmten Homöopathika abgetragen werden, bis man an den Kern gelangt.Die Reihenfolge ist immer gleich. Nur die äußerste Symptomschicht ist der klassischen Homöopathie nach Hahnemann mit ihrer individuellen Mittelwahl zugänglich. Während der gesamten Therapie werden Vitamine und andere Substanzen der orthomolekularen Medizin, sogenannte Vitalstoffe (Vitamine, Mineralien und Omega-Fettsäuren), in recht hoher Dosierung angewendet, um die Heilung und Detoxifikation zu unterstützen. Kernthese der orthomolekularen Medizin ist die Schädlichkeit freier Radikaler, welche durch Radikalfänger (Antioxidantien) neutralisiert werden. Mittlerweile ist die Sicht auf freie Radikale jedoch deutlich differenzierter, als Vertreter der Methode es darstellen.4

Es gäbe durchaus einen Mechanismus, über den die CEASE-Therapie einen positiven Effekt für die Kinder haben könnte. Durch die regelmäßige Einnahme von verschiedenen Mittelchen könnten die Familien den Tagesablauf gut strukturieren. Menschen mit Autismus werden durch regelmäßig und verlässlich geschehende Dinge in einem Maße beruhigt, wie es für neurotypische Menschen schwer vorstellbar ist; jede Form von Ritual ist besser als Unsicherheit. Deshalb könnte allein schon die Tagesstruktur zu einer Besserung führen.

Smits arbeitet mit Potenzen weit jenseits von C30. Auch C1000 wird regelmäßig eingesetzt, eines seiner liebsten Mittel war seine eigene Idee: Saccharum officinale. Das ist nichts anderes als Haushaltszucker (Saccharose), der Grundstoff, aus dem heute die meisten Globuli hergestellt werden.

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