PEGIDA und die schützende Hand

Obwohl ich seit einige Monaten selbst nicht mehr auf der Gegendemo war, verfolge ich das Geschehen medial regelmäßig mit. Über den routiniert ablaufenden Marsch der Besorgten in Dresden lohnt es sich nicht wirklich, Worte zu verlieren. Abgesehen von bewährter verbaler Eskalation und erneutem Streit im PEGIDA Führungsteam (diesmal mit Frau Festreling – der Lutz und seine Damen, was läuft da nur falsch?), handelt es sich um rassistische Routine in Dresden.

Aber manchmal gibt es schon Vorkommnisse, die schön vor Augen führen, wie dünn der demokratische Putz ist, in den sich Institutionen in Sachsen hüllen. Am Montag war wieder die Polizei Sachsen an der Reihe das zu zeigen.

Dem Marsch der Besorgten stellten sich auf der Prager Straße (eine breite Einkaufsstraße) 26 Personen entgegen und hielten ein Plakat hoch auf dem „Rassismus tötet“ zu lesen war. Die Polizei war sofort zur Stelle und setzte die Störer fest. Dabei gingen die Beamten gewohnt sächsisch, handfest vor.

Nun könnte man einwenden, auch die Besorgten hätten ein Recht auf Versammlung und Demonstration und die Aufgabe der Polizei bestünde darin, dieses Recht durchzusetzen. Und diesem Einwand würde ich, zähneknirschend, nicht widersprechen.
Nur ist es, man sieht es auf den Videos, nicht so, als hätten die 26 Menschen an dieser Stelle, in dieser Formation, den Marsch der PEGDIA aufhalten können. Die Demo wäre gut an den Menschen vorbei gekommen. Ob es also notwendig war, die Gegendemonstranten derart anzugehen, bezweifle ich stark.

Allerdings begnügete sich die Einsatzleitung nicht damit, die Protestierenden rabiat aus dem Weg räumen zu lassen. Sie hielt es auch für notwendig, sie „erkennungsdienstlich“ zu behandeln.

So wird jungen Menschen klar gemacht, dass ihr Protest nicht nur nicht erwünscht ist, sie werden aktiv eingeschüchtert. Die Polizei Sachsen macht sich durch ihr Verhalten zum Büttel der PEGIDA, zum Erfüllungsgehilfen einer faschistisch, völkischen Protestbewegung. Die Polizei Sachsen schützt nicht unserer Demokratie, sie schaufelt ihr Grab.

Ich übertreibe? Ja, das würde ich selbst auch denken, wenn ich diesen Text bis hierhin gelesen hätte. Das Verhalten der Einsatzkräfte, beschränkt auf diesen Fall mag meine Bewertung nicht rechtfertigen. Der Vergleich des Verhaltens der Kommunal- und Landesbehörden gegenüber den PEGIDA und dem bürgerlichen Gegenprotest hingegen schon.

Da ist zum Beispiel der Herr, der versucht, den 26 Protestierenden ihr Plakat zu entreißen. Dieser Herr konnte in aller Seelenruhe an den Polizeibeamten, die die Demonstranten festgesetzt hatten, vorbeimarschieren und nach dem Plakat greifen. Als das misslang, ging er ungehindert wieder zurück, träge beobachtet von den Ordnungshütern. Stellen wir uns einmal vor, ähnliches wäre durch jüngere Menschen aus „dem linken Spektrum“ passiert. In Dresden wurden junge Menschen wegen geringerer Vergehen schikaniert. Wir können die Reaktionen mit der Reaktion in diesem Video vergleichen (zugegeben, es handelt sich nich um die Polizei Sachsen und die beiden jungen Herren gehen energischer vor und sind erfolgreich…zumindest kurz).

Die Beispiele für das unterschiedliche Verhalten von Polizei Sachsen gegenüber den PEGIDA und deren Gegendemonstranten sind zahlreich. Im Herbst letzten Jahres gab die Stadt ein „Vollzugsdefizit“ bei PEGIDA zu. Lakonisch wurde das mit der hohen Teilnehmerzahl begründet. Ein Zustand an dem sich bis heute nichts geändert hat. Ich selbst stand neben Menschen auf der PEGIDA-Demo, die, nachdem sie keine 10m von Polizisten entfernt waren, Teleskopfahnenstangen von 3m und mehr auszogen, während die Auflagen verlesen wurden, nach denen nur 1,5m erlaubt waren. Den Alkoholkonsum muss ich sicher nicht erwähnen. Das Bündnis Herz statt Hetze hat dutzende Vorfälle vom PEGIDA-Geburtstag dokumentiert und veröffentlicht.

Passiert ist nichts. Die kleine Gegenbewegung die sich in Dresden gegen PEGIDA auflehnt, wird von behördlicher Seite aktiv behindert und kriminalisiert, während bei den PEGIDA die Augen zugedrückt werden. So baut man eine Bewegung auf, die die eigene Abschaffung fordert. Das lässt den Eindruck zurück als verhülle der demokratische Putz der sächsischen Behörden ein Fundament, in dem der Rost den Stahlbeton langsam braun färbt. Doch die DresdnerInnen haben andere Probleme, sie sorgen sich um ihr Image. Die Stadt nutzt lieber Putz als am Fundament zu arbeiten, Hauptsache das sieht keiner.

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Das Menschenmaterial von Öderland

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Die Wölfe besuchen den Neumarkt

Ich hätte mehr Publikum erwartet, im Schauspielhaus Dresden. Unter anderem, weil das Stück „Graf Öderland – Wir sind das Volk“ nach dieser Vorstellung nur noch zweimal aufgeführt werden wird. Außerdem bietet das Stück die Gelegenheit, sich kritisch mit PEGIDA auseinanderzusetzen, ohne sich mit „den Linken“ gemein machen zu müssen. Eine Angst, die das demokratische Engagement vieler Dresdner zu behindern schein. Mit den bekannten Konsequenzen. Wen man in Sachsen mit „den Linken“ meint, ist mir bis heute nicht ganz klar. Die tiefe Aversion für alles, was irgendwie „links“ dünkt, scheint aber auch zu verhindern, sich für Menschenrechte einzusetzen. So ist jeder leere Stuhl an diesem Abend ein weiteres Symptom für die Trägheit der Dresdner Bürgergesellschaft.

Ich gehe nicht so gerne ins Theater, ich habe oft das Gefühl, nicht zu verstehen, was auf der Bühne passiert und oft (bezogen auf die wenigen Male, die ich das Theater besuchte) berührt es mich nicht. Das war bei Graf Öderland anders. Die SchauspielerInnen erweckten die Kommentarspalten zum Leben. Es wurde von Anfang an viel Geschrien auf der Bühne. So wird den, aus Facebookkommentaren, Reden und Interviews gesammelten, Absonderungen der PEGIDA in einem neuen Kontext der ganze Hass entzogen und dem Publikum entgegengeschleudert. Es war schwer, ruhig auf dem Sitz zu sitzen und diesen Hass zu ertragen. Wie muss es den Menschen gehen, für die der Hass ursprünglich gemeint war? Ich könnte mich dem Hass durch wohlfeiles Benehmen gegenüber den VolkgenossInnen entziehen. Vielen Menschen ist das nicht möglich, sie sind aufgrund des Phänotyps oder tief verwurzelter kultureller Merkmale Hassobjekte.

Als Ben Daniel Jöhnk und Lea Ruckpaul, vor dem Vorhang stehend, Lutz Bachmann und Tatjana Festerling zur Kenntlichkeit erstellt zum Leben erwachen ließen oder die Horde der Frustrierten mit Fackeln und Fahnen hysterisch ihrer Angst Luft machten, fühlte es sich an, wie auf dem Theaterplatz. Wenn dort aus 1000en Kehlen „Widerstand“ zur Elbe schallt. Nur die Intensitäten von Angst und Scham kehrten sich um. Das, was hier dargestellt wird, passiert wöchentlich in Dresden und anderen Orten in Sachsen. Nur in Echt. Der Bürgerkrieg, im Schauspielhaus von Max Frisch geborgt, wird von den Besorgten auf dem Theaterplatz erdacht, nein, herbeigesehnt. Über die Lust auf Gewalt können dort viele PEGIDA nur mühsam den Mantel der Zivilisation zerren.

Zu den Monologen der SchauspielerInnen, wurde an anderer Stelle bereits geschrieben, dass sie durch ihre Authentizität eine Kraft entwickeln, die einen umhaut. In manchen Momenten hatte ich jedoch den bedrückenden Eindruck, als sei das Schauspielhaus Dresden, der letzte Ort, an dem man demokratische, humanistische und aufklärerische Gedanken und Ideen noch offen ausgesprochen werden können. Zumindest, ohne sich als Gutmensch oder Zecke beschimpfen zu lassen. Im besseren Fall. Dabei sollten diese Gedanken und Ideen eigentlich selbstverständlich sein in Deutschland im Jahre 2016.

Sind sie aber nicht. Verantwortung dafür trägt unter anderem die CDU-Sachsen. Auch das hatte Platz auf der Bühne und was für einen! Annedore Bauer las der Politik in Sachsen die Leviten und machte dabei nicht bei den Besorgten halt, sondern zeichnete ein Bild des umfassenden Versagens. Man könnte ihre These vielleicht zusammenfassen in der Aussage, dass für die sächsische Regierung, die Bevölkerung nichts mehr ist als im Dienste des Wirtschaftswachstums eingesetztes Menschenmaterial. Was ich besonders interessant fand, war die Aussage zum „Burnout“ bei SchülerInnen, aufgrund des massiven Leistungsdrucks. Anekdotisch kann ich das aus meiner Arbeit bestätigen, wäre aber an empirischen Belegen interessiert. In der CDU-Sachsen hat man sich den Mantel der Demokratie umgeworfen um den autokratischen Stil der Vergangenheit in die Zukunft zu retten. Diesmal jedoch nicht im Dienst des Sozialismus sondern des Kapitalismus. Leider haben die Sachsen das noch nicht gemerkt. Oder es stört sie nicht.

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Wenn die Bühnenbesorgten sich im Zuschauerraum verteilen und die Hetze von allen Seiten kommt, wird im Theater das Lebensgefühl, welches jedeN DemokratIn in Dresden seit Oktober 2014 subtil begleitet, so greifbar, dass ich mich frage, wie wir das ertragen. Es ist schon komisch, warum nicht schon viel mehr Menschen dieser Stadt den Rücken gekehrt haben. Nicht, dass das nicht bei vielen bereits eine Option ist. Vielleicht bekommen die stolzen und furchtsamen Sachsen ja noch, was sie wollen und man lässt sie allein. Be careful what you wish for.

Weiterlesen:

PEGIDA auf diaphanoskopie.

PEGIDA, zieh Dich warm an auf nachtkritik.de

Brand-Sätze auf der Bühne auf zeit.de

Humorzone Dresden – Das weinende Auge

„Ich gebe zu, wir hatten auch unsere Vorurteile aber Ihr wart ein geiles Publikum!“
Khalid Bounouar

Viel zu Lachen gibt es in Dresden in den letzten eineinhalb Jahren nicht. PEGIDA hat, gemeinsam mit dem völkendenden Haufen von der AfD die braune Suppe in Sachsen, über dem von der Landes-CDU geschürten Feuer, richtig zum Kochen gebracht. Und so richtig schlimm scheint das hier niemand zu finden. Zumindest, wenn ich mir viele der Reaktionen im Alltag anschaue.

Darum habe ich mich auf die Humorzone Dresden gefreut. Ich hatte Tickets für vier Veranstaltungen gekauft, in der Erwartung, mich dort mit körpereigenen Endorphinen in den Pointen-Orbit schießen zu können und die Welt wieder etwas leichter zu nehmen. Pustekuchen.

Donnerstag begann das Festival für mich mit Kay Ray. Zu Kay Ray geht man eigentlich um Tabubrüche zu erleben, die auch den Rahmen „normaler“ Comedy sprengen. Weil er Witze erzählt, die sich sonst keiner zu erzählen traut. Gerne über Minderheiten. Kay Ray sagt, Minderheiten werden nur wirklich integriert, wenn sie ernst genommen werden. Dann macht man auch Witze über sie, wie über alle anderen Gruppen. Soweit so plausibel.
Nun scheint Kay Ray geläutert; kein Rauchen auf der Bühne, kein Alkohol auf der Bühne, keine Figuren mit dem Penis.

Dafür gab es intime Einsichten in die dunklen Zeiten eines Menschen. Und ein paar harte Wahrheiten über unser Gesundheitssystem und wie es Menschen behandelt. Kay Ray hatte einige Anekdoten aus der Kur mitgebracht und die Banalität des dortigen Alltags schmerzhaft zutage gefördert. Wird es eigentlich erst auf der Bühne deutlich, wie grotesk es ist, einem erwachsenen Menschen als Freizeitbeschäftigung „Stricken“ anzubieten? Wenn man in Bad Wildung die Patienten so ernst nehmen würde, wie Kay Ray Menschen mit Behinderung in seinen Witzen, wäre viel gewonnen.

„Die haben mich nicht entlassen, ich habe das Gefühl, ich bin entkommen“ Kay Ray

Leider hat sich Kay Ray in seiner Fundamentalopposition etwas verrannt. Nur weil er nicht in „die rechte Ecke“ gehört, wenn er „politisch unkorrekte“ Dinge sagt, heißt dass nicht, dass es nicht Menschen gibt, die politisch unkorrekte Dinge sagen, die dort hervorragend hinpassen. Und gerade Eva Herrmann als Kronzeugin heranzuziehen, wie fies der Mainstream mit Abweichlern umgeht, ist hoffentlich mangelnder Information über ihre völkischen Äußerungen geschuldet und nicht Überzeugung. Dann müsste ich den zweiten Satz in diesem Absatz nämlich nochmal überdenken.

Kay Ray mach Witze über den Islam aber nicht über Moslems. Mir ist unklar ob allen im Publikum der Unterschied klar ist. Das lässt jede Pointe bitter im Hals zurück. Wer sich als „Menschenrechtspopulist“ bezeichnet kann eigentlich von PEGIDA-Apologeten keinen Applaus bekommen wollen. Andererseits meint Kay Ray die Aussage, „wenn nichts mehr verboten wäre, hätte ich hier oben nichts mehr zu tun“ wahrscheinlich sehr ernst.
Brüche im Programm waren die Lieder. Keine Interpretationen bekannter Hits, sondern Lieder, die wie der Versuch klangen, einem Schmerz Ausdruck zu verleihen, der – ohne Alkohol, Zigaretten und Nacktheit – im Rest des Programms keinen Platz mehr findet.

Am Freitag Abend durfte Olaf Schubert, der Schirmherr der Veranstaltung, gemeinsam mit Klaus Weichelt „Eine ganz normale Freakshow“ in der Schauburg improvisierend moderieren. Untertitelt was das Ganze mit „The dark side of Olaf Schubert und Klaus Weichelt“. Dark side indeed!

Johnny Armstrong, Carl-Einar Häckner, Der Tod und Matthias Egersdörfer lieferten solide Comedy ab. Doch was für mich den Abend überschattete waren die sächsischen Verhältnisse.

Olaf Schubert zitierte in einem Witz die Zeichnung des ertrunkenen Jungen am Mittelmeerstrand in Charlie Hebdo. Er hatte ein Foto mit zwei dunkelhäutigen Kindern und sagte etwas in der Art: „Hier, das sind die Kanackenkinder, wenn die klein sind, sind die ja ganz süß…aber wenn die groß werden…“. Lachen im Publikum. Den beiden Herren vor mir gefiel dieser Scherz ganz besonders gut. Es waren dieselben Herren, die in der Pause die meiste Zeit damit verbrachten auf einer Bautzner Nazi-Seite auf Facebook zu surfen.

So wusste ich spätestens nach der Pause, wer da mit mir lachte. Wobei mein Lachen immer öfter auf dem Weg zum Kehlkopf stecken blieb. Spätestens als Olaf Schubert über die Herkunft von schlechten Zigaretten sinnierte, war klar, dass es sich bei ihm auch um ein sächsisches Urgestein handelt. Denn, so klärte er auf, Zigaretten gebe es bei den „Tschechenfidschis“, den „Polenfidschis“ und den „Rumänienfidschis“. Keine Pointe. Trotzdem ein brüllender Saal. Willkommen in Sachsen.

Dass „der Tod“ mit seinem Scherz, PEGIDA-Demonstranten gerne auf Arabisch begrüße, nur vereinzelten Applaus erntete, war da nur das i-Tüpfelchen dieses peinlichen Stelldicheins sächsischen Kleingeists.

Am Samstag war Zeit für Jochen Malmsheimer und Uwe Rössler, dem riskantesten Kartenkauf. Was soll ich sagen, „Zwei Füße für ein Halleluja – Mit einem Regenten unterwegs.“ war großartig! Malmsheimer hatte sichtlich Spaß am gemeinsamen Spiel mit Uwe Rössler, der musikalische Pointen setzte. Dabei schaffte es Malmsheimer, Heinrich IV. zum Leben zu erwecken, in die heutige Sprache zu überführen und meine Abdominalmuskulatur an ihre Kapazitätsgrenze zu bringen. Anschauen!

Am Sonntag sagte meine Begleitung „Nicht das typische Scheunenpublikum…“. Ja, das stimmte, so unkaukasisch wie am Sonntag Abend habe ich es in der Scheune, ja irgendwo in Dresden, noch nicht erlebt. Als wäre ich zurück in Aachen, herrlich!
Aus dem Saal drang lauter Bass. Dass ich nicht mehr zur „jungen Generation“ gehöre, wurde an der Entscheidung deutlich, vor „dem Lärm“ zu flüchten, bis die Show beginnt. In fünf Jahren gehe ich dann zum DJ und frage, ob das wirklich so laut sein muss?

Auf dem Programm stand „Rebell Comedy„! Und was in NRW vielleicht normaler Bühnenalltag ist, kam in Dresden einem Erdbeben gleich. Die Souveränität mit der die Künstler aus verschieden Kulturen schöpfend vor den Augen des Dresdner Publikums etwas Neues erschufen, war Balsam auf meine neusächsische Seele. Und dem Rest des Publikums schien es ähnlich zu gehen. Lachen und Applaus wirkten befreit: so also kann sich Normalität in Deutschland anfühlen. So ist das, wenn „die anderen“ zum „wir“ werden, weil wir alle gleich sind. So wie der 13 Jahre alte Junge, der bei seinem ersten Urlaub im Iran erfahren muss, dass er „deutscher“ ist, als er angenommen hatte. Oder der Sohn, der sich beim Elternsprechtag über die sprachlichen Unzulänglichkeiten seines Vaters lustig macht. Wie es sich für Jugendliche gehört, die Autonom werden. Gleichzeitig erklärt er jedoch etwas über die Unterschiede deutscher und arabischer Grammatik und plötzlich wird klar, warum „die“ so komisch sprechen.

Es ist nämlich gar nicht so, dass „man nichts mehr sagen darf“ oder „gleich in die Rechte Ecke“ gestellt wird, wenn man etwas „politisch nicht korrektes“ äußert. Nur wenn man etwas politisch unkorrektes sagt, weil man Rechts ist, passiert einem das. Der Unterschied liegt nicht immer in den Worten aber immer in der zu Haltung.

Mir haben Benaissa Lamroubal, Ususmango, Pu, Khalid Bounouar, Hany Siam, Alain Frei und Özcan Cosar (leider war die einzige auf dem Plakat sichtbare Dame, Anissa Amani, in Dresden nicht anwesend. Typisch Moslems!!!elf1!) neben vielem Lachen, ein paar Stunden mit dem Gefühl verschafft, wie schön das Zusammenleben in diesem Land sein kann. Rebell Comedy zeigte im Tal der Ahnungslosen das Potential der real existierenden Demokratie in Deutschland. Danke dafür!

Dresdner Frust

 

Blick von der Augustusbrücke auf das Terrassenufer

 
13 000 Menschen waren am 13.02.2016 bei der Menschenkette, welche die Dresdner Altstadt symbolisch schützen soll. 13 000 meiner MitbürgerInnen, die sonst jeden Montag zentrale Plätze ihrer Altstadt einem rassistischen Mob überlassen, haben sich an einem Samstag Abend im Februar an den Händen gehalten und durften sich dem warmen Gefühl hingeben…? Tja das weiß ich auch nicht, welches Gefühl da transportiert werden sollte. Im besten Fall eines, die offene Gesellschaft vor denen zu schützen, die sie bedrohen (in Sachsen wohl am ehesten „Linksfaschisten“). Im schlechtesten Fall ein Gefühl von, in lokaler Tradition verbundener, Gemeinschaft. Ein Gefühl, dass im sächsischen Alltag ohnehin schon aus jeder Pore trieft. Der Lokalpatriotismus in diesem Bundesland ist schwer zu ertragen, vor allem im Hinblick auf den Preis, den er mit sich bringt.

Ich weiß gar nicht, was mich seit Oktober 2014 mehr zermürbt hat. Zu demonstrieren, ohne einen relevanten Effekt zu sehen, mal davon abgesehen, dass viele der Forderungen von PEGIDA im politischen Mainstream angekommen sind. Oder von Gesellschaft und Politik in Dresden und Sachsen das Gefühl vermittelt zu bekommen, mit dem Protest gegen eine faschistische Bewegung, zu den eigentlichen Störern zu gehören.

Ich weiß nicht mehr, wie oft ich hörte oder las, dass demokratischer Gegenprotest in Sachsen mit Gewalt und Aggression gleichgesetzt wurde. Wie oft ich mich fragte, wieso die Dresdnerinnen und Dresdner solche Abneigung gegen die pflegen, die für Demokratie und humanistische Werte eintreten?

Mich hat das zermürbt und müde gemacht. Ich verlor die Lust am Schreiben und den Glauben an Dresden. Darum mache ich jetzt Pause. Der Täterspuren Mahngang wird für die nächste Zeit meine letzte Demo gewesen sein. Ich habe Lust, mich wieder mehr dem eigentlichen Thema dieses Blogs zu widmen. Mal schauen, ob das klappt 🙂

Es ist ein bisschen so, als würden die Emotionen, die besorgte Bürger bei PEGIDA vereint, aus mir herausgesaugt. Als am 06.02.16 PEGIDA am Königsufer brüllte und der beschämend kleine Rest der Dresdner Zivilgesellschaft demonstrierte, war ich vor allem resigniert. Das liegt auch daran, dass Gegenprotest in dieser Stadt einfach nicht willkommen ist, das sind alles Unruhestifter. Ich kann jetzt verstehen, wie man in dieser Stadt phlegmatisch wird und lange auch Horden von Nazis mit einem Schulterzucken hinnahm.

Es ist fast, als wäre der Lebenswille, Mut dieser Stadt am 13.02.1945, in den letzten Tagen des faschistischen Terrorregimes, verbrannt. Doch man hat nicht verstanden, dass man große Teile des Weges, der zur Katastrophe vom 13.2. geführt hat, mitgegagengen war. Das man, so wie man Opfer wurde auch Täter war. Anstatt aus der Asche zu steigen, geht man in ihr und begnügt sich darin, Opfer zu sein. Opfer der Stasi, Opfer der Wessis, Opfer der PEGIDA. Armes Dresden.

PEGIDAs Sorge um den Rotmilan

Michael Bittner dürfte einer der intimsten Kenner der Seele von PEGIDA sein. Regelmäßig veröffentlicht er „Fanpost“ von Menschen die zu den Veranstaltungen gehen. Dabei wird immer wieder deutlich, dass vielen TeilnehmerInnen gar nicht wichtig zu sein scheint, was man vorne auf der Bühne in den Abendhimmel ablässt. Einige sind angeblich nicht mal damit einverstanden. Einig sind sich jedoch alle darin, dass es falsch läuft in Deutschland. Alle wissen, dass sie unzufrieden sind und alle wissen, wer daran Schuld hat: die „Volksverräter“. Und so nutzen sie PEGIDA um dem eigenen Frust Ausdruck zu verleihen. Dabei übersehen sie, dass sie als Treibstoff für das Projekt einer neurechten Bewegung verfeuert werden.

So wie ein Teilnehmer, den ich darum bat ein Foto von seiner Fahne machen zu dürfen. Auf den ersten Blick sah es aus wie eine Friedenstaube, die in den Farben der Wirmer-Flagge auf weißem Grund flatterte. Doch ich würde aufgeklärt, es handele sich um einen Rotmilan. Dieser sei durch die „bescheuerte Energiewende“ mittlerweile gefährdet. Darum sei man nicht nur „gegen Ausländer“ sondern auch gegen die Energiewende. In der Nähe seines Wohnortes seien Windräder geplant. Das habe der Tillich im Wahlkampf noch anders versprochen, sei aber vor der „kleinen SPD“ eingeknickt. Umweltschutz ist Heimatschutz und Merkel killt den Rotmilan.

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Und so denkt jeder, sein oder ihr kleines Anliegen würde im Glanze von PEGIDA erstrahlen und Rückendeckung vom Volke erfahren. Doch die Führer des Volkes haben eigene Pläne. Ob der Rotmilan darin Platz hat, ist fraglich.

Im Zuge der Vorkommnisse der Silvesternacht in Köln wird nun versucht die komatöse „KÖGIDA“ unter dem Motto „PEGIDA schützt“ wiederzubeleben. Somit ist die Zivilgesellschaft in Köln gezwungen sich damit zu beschäftigen, einen rechten Aufmarsch zu verhindern, anstatt differenziert darüber zu diskutieren, welche Antwort wir als Gesellschaft geben wollen.

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So treiben uns die FaschistInnen vor sich her und bestimmen den Ton im Diskurs.

Die 'Besorgten' wollen's wissen

Nun legen sie es darauf an. Die Teilnehmerzahlen stagnieren und so langsam wird es, ‚Hymne‘ hin oder her, allmontäglichen etwas zäh auf dem Theaterplatz: Plärren, Fähnchen schwenken, schimpfen, nach Hause fahren. Darum besinnen sich die MacherInnen der neofaschistischen PEGIDABewegung auf das, was sie können und begeben sich auf den Weg in die Opferrolle. Das will gut vorbereitet sein. Erst der „vernünftige“ Verzicht auf den Theaterplatz. Dann die Anmeldung in der Neustadt, die, erwartbar, Widerstand hervorruft und nun das herbeireden „linker Gewalt“, damit man hinterher sagen kann: Wir haben es ja schon immer gesagt, alle wollen uns unterdrücken.

Nach den Erfahrungen der vergangenen und aktuellen PEGIDA-Saison wird sowohl das Verhalten der Stadt als auch der Polizei der „Bewegung“ in die Hände spielen. Die völkischen Freunde der verschiedenen Ebenen reichen sich die Hände und inszenieren gemeinsam ein vorhersehbares Schauspiel. Die  Stadt genehmigt den PEGIDA-Aufmarsch auf dem Schlesischen Platz. Die Polizei wird Protest in Hör- und Sichtweite mit massivem Aufgebot verhindern und so für Frust bei den GegendemonstrantInnen sorgen. Dann fehlt nur ein kleiner Funke zur Eskalation und der wird sich finden lassen.

Hinterher können sich die PEGIDA-Anhänger und die Dresdner Bürgerschaft über die „Linken Chaoten“ die „auch nicht besser sind als die Rechten“ aufregen und sich weiterhin vom Protest gegen PEGIDA fernhalten. Die Empörten aus dem gesamten Bundesgebiet werden sich den „linksgrünen Terror“ nicht gefallen lassen und wieder vermehrt nach Dresden reisen. Die Zahlen bei PEGIDA werden wieder steigen und Bachmann & Co freuen sich.

PEGIDA führt die Stadt am Nasenring durch die Manege und die zuckt dabei mit den Schultern. Das sind sächsische Verhältnisse.

PEGIDA – Dresden, selbst Schuld

Was mich wirklich nervt, sind Äußerungen von Menschen, die DresdnerInnen pauschal beschimpfen, weil sie nichts gegen die PEGIDA unternehmen würden. Mich macht das wütend, weil ich Dresdner bin und etwas dagegen unternehme, dagegen auf die Straße gehe. Doch dann kommt wieder irgendeiner der etablierten, satten, trägen und bürgerlichen DresdnerInner und macht den Mund auf. Und ich denke: OK, „wir“ haben diese Beschimpfungen verdient. Wer so wenig verstanden hat, muss sich nicht wundern, dass eine faschistische Bewegung vor der eigenen Haustür solche Erfolge feiert.

„Claudia Greifenhahn vom Café Aha an Oberbürgermeister Dirk Hilbert dem fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis nicht mehr so viel öffentlichen Raum einzuräumen.“

Das steht in den Dresdner Neuesten Nachrichten. Was die Dame von sich gibt, bestätigt wirklich jedes Vorurteil, das in den letzten Monaten über die Dresdner Zivilgesellschaft angeführt wurde. Anstatt selbst anzupacken, schaut man auf die Obrigkeit. 

Nun macht doch mal was! So kann ich doch nicht in Ruhe Kaffee und Kuchen verkaufen!“

Mal abgesehen davon, dass die Cafebetreiberin als Kritik an PEGIDA vor allem die damit verbundenen, allmontäglichen Unanehmlichkeiten anführt (die ganze Innenstadt ist verstopft, sowas aber auch!), schießt sie mit dieser Äußerung den Vogel ab:

„Sie beteilige sich bewusst nicht an den Gegendemonstrationen gegen Pegida, sondern setze auf eine friedliche Auseinandersetzung.“

Was zur Hölle soll das denn heißen? Was ist denn bitte an „den Gegendemonstrationen“ nicht friedlich? Und wie stellt sich Frau Greifenhahn eine „friedliche Auseinandersetzung“ vor; erst mal Eierschecke und dann reden wir bei einer Tasse „fairen Kaffee“ ein wenig über Rassismus? Eine „Menschenkette“? Und wieso hat sich noch nicht damit angefangen? Diese Aussage ist ein bodenlose Frechheit. Sie unterstellt all denjenigen, die seit über einem Jahr antifaschsistische Arbeit auf der Straße leisten, dabei Gewalt auszuüben. Die Berichte von Übergriffen AUF die Gegendemonstrationen sind zahlreich (einigen Aktivisten wurde die Schuld dafür gegeben, allein ihre Anwesenheit sei eine Provokation gewesen). Ich glaube es hackt!

Die Aussage erklärt auch, warum die BürgerInnen in Dresden den Hintern einfach nicht hochbekommen. Während rechte Gewalttaten verharmlost werden, wird das Ausmaß „linker Gewalt“ massiv aufgeblasen. Wenn Flüchtlingsheime brennen und Reporter geschupst werden, ist das nicht schön. Vor allem für das Bild dieser „weltoffenen Stadt“ nach außen. Wenn aber nach einer Großdemo, wie am 9.11.15, ein paar Schilder, Absperrgitter und Warnbaken auf der Straße liegen, bekommen die Dresdner BürgerInnen einen Herzkasper: „Die schlimmen Linken! Bitte nur „friedliche Auseinandersetzung“!“

Doch nicht nur, dass man es in Dresden als bürgerliche Mitte nicht schafft, mal selbst nachzuprüfen, wie das denn so ist, bei einer „linken“ Gegendemo (in erster Linie laut, Ohrensschutz ist empfehlenswert). Man möchte scheinbar auch Unanehmlichkeiten aus dem Weg gehen. Anfang des Jahres sagte Frau Greifenhahn im Focus:

„Normalerweise macht ihr hier niemand das Leben schwer, sagt sie im Gespräch mit FOCUS Online. Die Dresdner seien aufgeschlossen und tolerant. Doch seit einiger Zeit sei der Montag eine besondere Herausforderung, zumindest während der zwei Stunden, die die Pegida-Veranstaltung gewöhnlich dauert.

Direkt vor ihrer Tür laufen dann die Leute vorbei. „Wenn ich dort hindurch gehen muss, nimmt mir die Atmosphäre, vielleicht sogar Hass, den Atem. Man will dann Dinge tun oder sagen, die man sonst nicht täte“, sagt Greifenhahn. Sie habe beobachten können, wie Polizisten Pegida-Sympathisanten bevorzugten, wenn es darum ging, durch die Stadt gelassen zu werden. Aus den selben Gründen meidet sie aber auch die Gegendemonstrationen. Und so ergehe es vielen Dresdnern.“

Wer Kuchen backen will, muss auch ein paar Eier zerbrechen – damit meine ich lautstarken Protest. Ich weiß wirklich nicht, wie sich die DresdnerInnen diese „friedliche Auseinandersetzung“ im Rahmen von Demonstationen vorstellen. Was ist das überhaupt für ein Verständnis von Demokratie? „Von emotionalen Demonstrationen ist abzusehen„. Was wünscht sich Dresden? Eine Republik der Schweigemärsche?  Mehr Selbstvergewisserung bei Podiumsdiskussionen? Vielleicht hat man sich in der Stadt deswegen so lange mit Europas größtem Naziaufmarsch arrangiert? Die Damen und Herren hatten sich immer benommen und ihre Parkgebühren bezahlt.

„Nicht zu verbieten, aber umzulenken. Die Stadt wieder dem verbindenden und nachdenklichen Volk zurück zu geben, das nicht auf Konfrontation sondern auf Kommunikation ausgerichtet ist. Dem neugierigen und weltoffenen Volk, das vielleicht auch Ängste hat, mit diesen aber umzugehen lernt. Wir sind so viele, aber wir sind sprach- und fassungslos angesichts dieser großen dunklen Montagsmenge, die vielleicht nicht Dresden, aber sehr wohl einen Teil Sachsens widerspiegelt.“

Kommunikation und Konfrontation sind keine Gegensätze. Konfrontation ist eine Form von Kommunikation. Es ist anstrengend und wird von vielen Menschen als unangenehm empfunden. Trotzdem ist manchmal eine Konfrontation notwendig. Man kann sich natürlich wünschen, dass alle lieb zueinander sind, die Wirklichkeit sieht anders aus.

Wenn die Ansichten von Frau Greifenhahn tatsächlich in der Dresdner Bevölkerung mehrheitsfähig sind, ist diese Stadt an die Demokratiefeinde verloren. Wenn PEGIDA es jetzt nicht schaffen sollte und die DresdnerInnen in ihrer demokratischen  Unmündigkeit verharren, dann wird es die nächste völkische Bewegung schaffen. Dresden – auf ewig die Stadt der Bewegung.

Herr Bachmann, er zählt

Hallo Herr Bachmann,

auf ihrem Facebookprofil haben Sie ein Foto veröffentlicht, welches die von GEPIDA angemeldete Demonstration auf dem Weg in die Neustadt zeigt. Der Zeitpunkt der Aufnahme liegt damit nach dem, für den Montag Abend in Dresden wichtigen, lautstarken Widerspruch gegen die völkischen Ideen von Menschen im mittleren Alter. Auf dieses Foto reagieren sie mit Spott und machen sich über die Studentengruppe @durchgezählt lustig. Diese Studenten, so sind Sie der Ansicht, hätten von Mathe (und auch sonst) keine Ahnung, denn die von @durchgezählt veröffentlichten Zahlen (350 – 500  TeilnehmerInnen) würden sich nicht im Bild wiederspiegeln. Das ganze würzen Sie mit einer Prise Verschwörung (die Zahlen der PEGIDA werden kleingehalten). Und, das ist geschickt, Sie versuchen Glaubwürdigkeit zu erreichen, indem Sie „zugeben“, das schlechte Wetter (!) habe für geringere Teilnehmerzahlen bei Ihnen gesorgt. Das ist schön, dass Sie „zugeben“, dass bei schlechtem Wetter weniger Menschen draußen Zeit verbringen. Geben Sie demnächst auch zu, dass die TeilnehmerInnen bei Regen nass werden?

Interessant an Ihrem launigen Kommentar fand ich Anderes. Zum einen frage ich mich, ob Sie tatsächlich, also wirklich, wenn Sie ganz ehrlich zu sich sind, das gezeigte Bild ernsthaft als Beleg dafür sehen, dass die Zahlen von @durchgezählt nicht stimmen? Dann sind Sie entweder deutlich einfacher gestrickt, als ich bisher gedacht hatte oder leben fröhlich in Ihrer ganz eigenen Welt. Bisher hatte ich Ihnen durchaus einen durchschnittlichen IQ zugetraut. Menschen mit faschistischen Ideen sind nämlich nicht zwingend dumm, auch wenn dieses Narrativ von vielen Menschen verbreitet wird. Ich kann mich aber nicht entscheiden, ob Ihre Wahrnehmung stark eingeschränkt ist oder Sie tatsächlich nicht in der Lage sind, die Bräsigkeit Ihres Posts selbst zu verstehen. Ich sagen Ihnen mal warum.

Sie echauffieren sich über die Nennung von „Schätzung“ und „Zählung“ im selben Atemzug.

Schon der Wortlaut: „Erste Schätzung“ und dann „ermittelt per Demozugzählung“! Herrlich! Was denn nun, Schätzung oder Zählung?
Na eigentlich egal, die“ Studenten“ können offensichtlich Beides nicht!

Hätten Sie sich über die Methoden von @durchgezählt informiert, wüssten Sie, dass es eine Methode gibt, bei der in einer Demonstration jede x. Reihe gezählt und mit der Anzahl der Reihen multipliziert wird. Das ergibt eine erste Schätzung. Erst zählen, dann schätzen. Würden Sie die Methode nicht kenne, wären Sie einfach unterinformiert. Aber jedes Kind, dass schon mal die Anzahl von Erbsen (o. ä.) in einem Glas geschätzt hat, um einen tollen Preis zu Gewinnen (eine „Wirmer-Flagge“ z. B.) dürfte sich dieser Methode zumindest angenähert haben oder verstehen, dass es Sinn ergibt, zählen und schätzen zu kombinieren.

Abgesehen davon gehen Sie mit keiner Silbe auf die Möglichkeit ein, dass Menschen die Demonstration „vorzeitig“ verlassen haben könnten. Nämlich nachdem die GEPIDA-Kundgebung – in Hör- und Sichtweite einer Versammlung von, in Sprechchören vertieften, alten Menschen mit Deutschlandfahnen – beendet war. Dasselbe Phänomen war in den letzten Wochen zu beobachten, ist Demoalltag und auch die PEGIDA humpeln oft schon vor dem Ende der Veranstaltung Richtung HEIMAT. Vielleicht haben Sie noch nicht davon gehört, aber zumindest den rudimentären Kontext von Bilder oder Nachrichten in deren Bewertung mit einzubeziehen ist notwendig, um überhaupt die Chance zu haben, intellektuell Aufrichtig zu sein.

Sie machen, entweder aus Unfähigkeit (das wäre traurig für Sie) oder aus Berechnung (das wäre traurig für uns und eine Beleidigung des Intellekts Ihrer Anhänger), das Gegenteil. Sie perpetuieren genau die Geschichte, die dazu dient, am nächsten Montag ein paar wütende alte Menschen auf den Theaterplatz zu locken und gemeinsam ergriffen der PEGIDA-Hymne zu lauschen. In der Medizin nennt man sowas einen Scharlatan.

Apropos Anhänger. Wissen Sie, was mir an den „linksversifften Gutmenschen“ richtig gut gefällt? Wenn einer von denen sich so ein durchsichtiges Manöver wie Sie leisten würde, nur um das eigene Klientel glücklich zu machen, hätten viele Mitglieder genau dieses Klientels dieses Manöver als solches deutlich gemacht. Wenn es Ihnen natürlich gefällt, sich mit devoten Claqueuren zu umgeben, sind Sie an der richtigen Stelle. Weiter so.

Lieber Herr Bachmann, das war jetzt ganz schön viel Text und ich habe den Verdacht, das eine oder andere Wort mussten Sie vielleicht nachschauen („Claqueur“ muss ich auch immer erst googeln). Aber der Herr Pirinci hilft Ihnen bestimmt gerne, der hat ja jetzt mehr Zeit. In diesem Sinne, geben Sie sich doch bitte in Zukunft etwas Mühe und machen es uns Gutmenschen nicht ganz so einfach, Ihre Anliegen zu durchschauen. In diesem Sinne einen schönen Tag.

 

Weiterlesen:

Mehr lustige Aussagen von PEGIDA auf Diaphanoskopie: „PEGIDA – Back to the roots

Mehr Texte zu PEGIDA auf Diaphanoskopie.

 

Dokumentation:

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PEGIDA – Back to the roots

Seit über einem Jahr besetzen die PEGIDA beinahe jeden Montag-Abend die Stadt. Nachdem ich im letzten Jahr einiges dazu geschrieben hatte, fällt mir in letzter Zeit nicht viel Neues ein. Das wundert mich insofern, als dass mich die PEGIDA weiterhin beschäftigen. Immerhin bestimmen sie oft meine Abendgestaltung am Montag. Doch auf den Demonstrationen passiert nichts neues. Es gibt mittlerweile eine gefühlte Protestroutine. Die Positionen sind klar, die PEGIDA radikalisieren sich zunehmend und weisen diese Radikalisierung immer vehementer von sich.

Diese Scheindistanzierung von Rechtsextremismus und Gewalt dient einzig und allein dazu, den Menschen mit gefühlter politisch gemässigter Einstellung die Teilnahme unter Gesichtswahrung zu ermöglichen. Denn ohne die Mitläufer, Opportunisten und besorgten BürgerInnen, wäre das Häuflein jeden Montag sehr klein.

Ich selbst habe ein eher naives Naturell und neige deswegen immer erstmal dazu, Menschen das zu glauben, was sie sagen. So auch Herrn Bachmann. Und Herr Bachmann jammert jeden Montag über das verzerrte Bild, welches in den Medien (aka „Lügenpresse“) von den PEGIDA gezeichnet werde. Als PEGIDA noch ein neues Phänomen war, habe ich ihn selbst sagen hören, man habe nichts gegen „Moslems“ an sich. Gut Integrierte seien willkommen bei den PEGIDA. PEGIDA habe nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun, äußerte Bachmann wiederholt. Ob der Bachmann Lutz einfach nicht merkt, dass er damit Bullshit erzählt oder uns bewusst hinters Licht führen will, weiß ich nicht. Aber, dass es Bullshit ist, weiß ich. Denn, um meine Ansicht zu überprüfen bin ich zu den Wurzeln der PEGIDA zurückgekehrt; der Facebookgruppe. Dort wurde ein TV-Beitrag über einen Dresdner Bürger mit Migrationshintergrund verlinkt und differenziert* besprochen. In diesem beschreibt er, wie sich die Stimmung verändert habe, seit PEGIDA sich der Stadt aufgedrängt hat und dass er sie als feindselig erlebt. In den Kommentaren geben die Anhänger diverse rassistische Entgleisungen von sich.

Klar ist vielen: Das hat der für Geld gemacht. Wer es sich so weit in seinem Opferstatus und seiner Verschwörungsideologie zurückgezogen hat, denkt, er sei umgeben von Feinden. Und wenn man auf dem Theaterplatz in völkischen Gesängen schwelgte, kann man sich nicht vorstellen, dass jemand eine andere Meinung hat als man selbst.

BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.04.26 BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.05.21

BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.05.39

Ärgerlich, in diesem Staat werden nur Moslemschauspieler und die Antifa ordentlich bezahlt.

BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.14.28 BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.15.01 BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.15.08SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.05.05

Es sind allerdings nicht alle im Folg so gemein und haben „den Migranten“ im Verdacht bösartig zu handeln. Vielen ist klar, dass die Systempresse nichts unversucht lassen wird um den PEGIDA zu schaden. Denn deren Schreiberlinge werden gesteuert von der NWO und warten nur auf den Bevölkerungsaustausch.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.01.55

Bestechende Logik: Wenn ich es nicht gesehen, gelesen oder gehört habe, ist es auch nicht passiert. Das ist die Weltsicht einer Dreijährigen.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 19.56.22

Glücklicherweise ist der subtile Hinweis zum Ausländerbeirat diesem Herren aufgefallen. So konnte er den Beitrag entlarven. Gute Arbeit Folgsgenosse.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.02.32

Nicht das Individuum entscheidet, wo seine Heimat ist, sondern die Volksgemeinschaft.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.08.34

Ob der Autorin die Ironie ihres Kommentars bewusst ist? Sie war selbst nicht da, glaubt aber den Informationsquellen die über Übergriffe durch PEGIDA berichten nicht (wg. Lügenpresse), darum kann der Bericht von jemandem, der in Dresden lebt nicht stimmen.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.15.26

Tja…wer könnte in Ostdeutschland relativ sicher davor sein, „Gewalt gegen Ausländer auf offener Straße“ zu erleben?

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.02.08 LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.07.55 LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.12.51 LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.15.41 LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.16.08

Was sich durchzieht ist eine Art subjektiver Objektivismus. Ähnliches sieht man bei Esoterikgläubigen. Nur ist es dort umgekehrt. Die Interpretation der eigenen Erfahrung ist durch nichts zu widerlegen. Wenn die PEGIDA etwas nicht selbst erfahren haben, ist es nicht zu belegen. Außer es passt zu der bereits vorher gefassten Meinung. Dann empören sie sich bis hin zu Gewaltphantasien.

Ein ebenfalls oft gehörtes Lied der PEGIDA ist, „Wir sind keine Rassisten aber…“ (als Rassisten im Sinne dieses Textes gelten Menschen, die offensichtlich rassistische Aussagen machen). Bachmann und andere Redner betonen immer wieder, sie hätten nichts gegen „Moslems“, nur gegen „Islamisten“. Wenn das so wäre, müsste sich diese Meinung in den Kommentaren widerspiegeln. Zum Beispiel indem Menschen, die diesen Konsens verlassen widersprochen wird.

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.02.21

Wer aussieht (!) wie jemand, der einen „Kinderficker“ anbetet, dem steht man feindlich gegenüber. Hipster zieht Euch warm an. Aber kein Rassismus!!!

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.11.23

Wer Ideen anhängt, die nicht mit dem GG vereinbar sind, darf kein öffentliches Amt bekleiden! Wenn das mal nicht zum Bumerang wird…

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.05.33

Wahrscheinlich weil alle anderen Kandidaten beim Ehrenamtsdshihad geköpft werden (Sharia!!!11elf!!).

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.03.17

Die Möglichkeit zur Differenzierung der PEGIDA ist ausbaufähig.

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.06.13

Die Anschlagswelle muslimischer Inder in Sachsen hat mich auch geschockt!

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.10.13

Wieso ist denn das klar, die PEGIDA haben doch nichts gegen Muslime. Ich bin verwirrt

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.13.27

Denn bevor nicht alle Menschen akzentfrei Deutsch sprechen, ist Deutschland nicht frei. Gut, dass man „die Sachsen“ immer so gut versteht.

RassismusPEGIDA 2015-11-29 um 13.26.02

Alle Menschen muslimischen Glaubens kommen aus dem Nahen Osten und sind Ratten. Und wir sind keine Nazis, denn Nazis haben Glatzen.

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.02.59

What does the Fox say?

OK, wir dürfen nicht vergessen, die PEGIDA haben nichts gegen gut integrierte „Ausländer“, wenn sie sich an unsere Regeln halten und unsere Sprache sprechen. Dieser „Migrant“ stellt sich ganz klar gegen die Folgsgemeinschaft und kann nicht ausreichend gut Deutsch für die Zeit, die er in Dresden verbracht hat. Das haben die PEGIDA klar herausargumentiert. Und was soll man nun mit einem Menschen machen, der das Recht auf freie Meinungsäußerung für sich in Anspruch nimmt? Ein Recht, das den PEGIDA ja sehr wichtig ist.

RausPEGIDA 2015-11-28 um 19.54.17

Der Altruismus ist die Motivation vieler PEGIDA.

RausPEGIDA 2015-11-28 um 19.54.50 RausPEGIDA 2015-11-28 um 19.57.42 RausPEGIDA 2015-11-28 um 19.58.54 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.04.14RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.00.56RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.03.40RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.04.14 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.06.20 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.09.50 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.11.51 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.14.10SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.11.41

Warum setzen sich eigentlich immer (!) alle (!) für die „Ausländer“ ein? Wirklich arm dran in diesem Land sind doch die Deutschen! Die verhungern vor ihren Flachbildschirmen. Werden unterdrückt und vom „Ethnozid“ bedroht.

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 19.57.21

Echt mal. Wir werden doch wohl in unserem EIGENEN Land so einem „Moslem“ mit einem zünftigen Genozid drohen dürfen!

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 20.00.46

Die „eigenen Leute“. Ich hoffe ich bin aus dieser Gruppe ausgenommen.

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 20.09.12

Tja, und jetzt lachen wir Dich aus. Haha!

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 20.11.12

Stimmt, was soll man auch machen, wenn so ein „Moslem“ in die Bahn einsteigt. Eine Drohung ist die einzig mögliche Reaktion. Wird schon den Richtigen treffen.

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 20.15.58

WTF? „1000ende Jahre“? Der Verfasser muss tatsächlich der Ansicht sein, seit 1000en Jahren habe es keine Migrationsbewegungen nach und aus Deutschland gegeben. Nach „Neu Köln“ würde ich allerdings gerne mal fahren. Ist bestimmt schön da…in Berlin war ich ja schon mal.

Was sonst noch? Vielleicht diese Schmuckstücke:

DieseARtI

No one is save! Wer nicht ordentlich ranschafft, fliegt raus! Wie man das mit einer offenen Gesellschaft vereint (die die PEGIDA ja ganz toll finden), ist mir ein Rätsel. Vielleicht wird das auch „falsch rübergebracht“.

DieseArtII

Wahrscheinlich ist diese, immerhin 23 Stunden unmoderierte, Antwort auf den gemäßigten Kommentar auch „falsch rübergebracht“.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 19.59.50

Was soll uns das sagen? Alle krank?

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.03.29

Nö, „die Linken“ in Dresden rufen: „PEGIDA verpisst Euch! Keiner vermisst Euch!“ (u. a.)

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.03.59

Demonstrierst Du noch oder drohst Du schon?

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.04.55

Wow! Echt? Voll krass! Noch nie von gehört.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.05.55

Unheimlich? Na dann! Unheimliche wollen wir hier nicht.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.07.30

Meinungsfreiheit gilt bei PEGIDA für die, die zahlen. Je mehr man zahlt, desto mehr Meinung hat man. Voll demokratisch!

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.08.57

Popcorn!

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.09.27

Der Einzige, der interviewt wird? Der Einzige, der beschimpft wird? Der Einzige der Angst hat? Hauptsache „!!!“

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.09.39

Klassische christlich abendländische Werte, vermittelt durch die PEGIDA-Akademie.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.10.46

Das Problem haben auch einige, die hier geboren wurden. Habschghört! Nu!

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.12.32

Wow! Einfach Wow! Wer kennt sie nicht, die vielen Berichte über Rassisten, die nur „Ausländer“ verprügeln, die Arschlöcher sind.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.13.40

Weil er gut ausgebildet ist und mit einem Vokabular widerspricht, dass vielen PEGIDA fremd ist?

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.13.53

Hübsch. Im selben Satz Unmut über den Beitrag äußern und seine Berechtigung belegen. Nicht schlecht.

SonstigePEGIDA 2015-11-29 um 13.26.42

Zwei Worten würde ich zustimmen.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.09.58

Eine Phobie wäre es nur, wenn es unberechtigte Ängste wären…

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.12.02

Super! Meins auch, sagen wir doch einfach „Mensch“.

Ein mässigende Stimme gab es dann doch noch:

Mäßigung

Hoffnung macht mir das aber auch irgendwie nicht.

Zu guter Letzt noch etwas aufrichtige Empörung:

LügnerPegida 2015-11-29 um 19.49.37

Leider Nein! Dazu zwei Tweets. Als ich am 9.11.15 auf dem Weg zur Gegendemo den Theaterplatz überquerte hört ich ein Gespräch:

Schaut man sich also dort um, wo PEGIDA seine Wurzeln hat, auf Facebook und dem Theaterplatz in Dresden, wird klar, dass die Distanzierung von Rassismus und Gewalt, von Faschismus und „Nazis“ nur Lippenbekenntnisse sind. Eine Marketingstrategie um die „besorgten Bürger“ nicht zu vertreiben. Und im Moment läuft es gut, leider.

*kleiner Scherz

 

Mehr Texte zu den PEGIDA auf „Diaphanoskopie“.

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Verwirrung über Pirinccis Rede

Mittlerweile ist sicher allgemein bekannt, dass Akif Pirinçci gestern bei PEGIDA eine Rede gehalten hatte, die ihm heute bereits erste Schwierigkeiten bereitete. Lutz Bachmann hat sich auf der Facebook-Seite von PEGIDA (‚Ami Go Home‘) mittlerweile für die Rede entschuldigt. Beziehungsweise dafür, nicht früher eingeschritten zu sein. Er schreibt:

Einen gravierenden Fehler habe ich gestern begangen, als unser Gastredner Akif Pirinçci ans Mikrofon trat und seine ersten Sätze verlas, dass er eigentlich aus seinem Buch „Umvolkung“ lesen wollte, auf einmal aber stattdessen eine eigene Rede für den besonderen Anlass ankündigte.

Dies geschah ohne Absprache mit uns und wir waren völlig überrumpelt. Ich hätte in diesem Moment die einzig richtige Entscheidung treffen müssen und sofort das Mikro abschalten. Im Regelfall lesen wir die Vorträge unserer Gäste quer, um derartige Vorfälle zu verhindern. Das von Herrn Pirinçci Vorgetragene lag uns so nicht vor, sonst hätten wir von vornherein abgesagt.

Ich nehme diese Entschuldigung nicht an.

Er hat also von nichts gewusst. Das hat in Deutschland Tradition, hinterher „von nichts gewusst“ zu haben. Dabei hätte beispielsweise Frau Festerling Herrn Pirincci ja einfach mal fragen können, was er denn so erzählen wird? Kaum vorstellbar, dass sich die beiden RednerInnen nicht im Vorfeld über ihre Reden ausgetauscht haben. Sie scheinen sich ja gut zu verstehen, wenn man Pirinccis Twitter-Account glauben darf. Doch bereits am Tag vorher hätte Bachmann einfach mal auf die Website seines Redners (mittlerweile offline*) schauen müssen. Der schrieb da bereits:

Morgen, also Montag (19. 10. 2015), werde ich anläßlich des einjährigen Bestehens von PEGIDA in Dresden auftreten und einen hübschen Text vorlesen, der in Sachen Wutrede in diesem Lande Maßstäbe setzen wird. Es wird um die Verbrechen gehen, die man diesem Volk gegenwärtig antut. Man erwartet bis zu 30.000 Leute, ich glaube, daß es mehr werden. Ach, Herr Staatsanwalt…

Gruß und Kuß!

Euer kleiner Akif

Das klingt nicht nach Buchlesung. Das klingt nach eigens geschriebener „Wutrede“. Eine „Wutrede“ auf die Lutz Bachmann seinen Redner im Vorfeld hätte ansprechen können. Entweder wusste also Bachmann Bescheid, dann lügt er. Oder er war tatsächlich ahnungslos, dann ist er unfähig. Ich denke, er hatte nichts konkretes abgesprochen und damit gerechnet, dass der kleine Akif das Ding sauber über die Bühne bringt. Der hat nun leider über das Ziel hinausgeschossen. Allerdings anders als die PEGIDA jetzt glauben machen wollen. Er hat einfach zu lange gebraucht und ist kein guter Redner. Die Masse auf dem Theaterplatz war nicht empört. Sie war gelangweilt. Deswegen wird nächsten Montag frische Hetze geliefert.

Ergänzung:

Am Anfang seiner Rede sagt Herr Pirincci, er habe eigentlich aus seinem Buch „Umvolkung“ lesen wollen. Der Teil der Aussage Bachmanns scheint also wahr zu sein. Bleibt, die öffentliche Ankündigung Pirinccis und die Vermutung, dass Frau Festerling Bescheid wusste. Vielleicht zeigen sich hier erste Risse in der aktuellen PEGIDA-Führung?

*Teilweise im Google-Cache einsehbar.

Update 21.10.15 13 Uhr:

Auf Freitag.de ergänzt Magda:

„Es ist in der Tat so, dass Pirincci nicht intendiert hat, dass man Flüchtlinge ins KZ’s stecken sollte, sondern dem Landrat Lübcke ironisch untestellt, er könne ja leider die KZ’s – gegen Deutsche – nicht in Betrieb nehmen.“

Das macht die Rede von ihm nicht weniger übelkeiterregend, soll aber der Vollständigkeit halber erwähnt werden.

Auf Dame von Welt hat sich ein paar Gedanken zum „kleinen Akif“ gemacht.