Homöopathie – Nichts ist teurer als weniger

Vor zwei Jahren machte eine Studie in den sozialen Netzwerken die Runde, die belegen sollte, dass Menschen die sich homöopathisch behandeln lassen, mehr Kosten verursachen als Menschen die sich nicht homöopathisch behandeln lassen. In einem Beobachtungszeitraum von 18 Monaten betrugen diese für Menschen in der Homöopathiegruppe ca. 7200 Euro, in der Kontrollgruppe ca. 5800 Euro. Damit widersprach das Ergebnis der Studie dem oft vorgebrachten Argument der Kosteneffizienz für die Nutzung von Homöopathie. Das Gegenargument der Studiengegner war, dass der Beobachtungszeitraum zu kurz sei. Homöopathie benötige einen langen Atem, anders als die „Schulmedizin“. Die AutorInnen haben auf diese Kritik reagiert und den Beobachtungszeitraum in einer neuen Studie auf 33 Monate erhöht.

Das Ergebnis bleibt im Kern gleich (ca. 12400 Euro vs ca. 10400 Euro).

Einmal ganz abgesehen davon, ob die Kosten bei einer spezifischen nicht wirksamen Therapie (es beeinflussen also lediglich Placeboeffekte und unspezifische Faktoren den Erkrankungsverlauf) eine relevante Diskussionsgrundlage sein können, gibt es ein paar bemerkenswerte Dinge an der Studie.

Eine der AutorInnen, Claudia Witt, forscht seit langem im Bereich Alternativmedizin und hat einiges an Kritik für ihre Arbeit einstecken müssen. Unter anderem von Menschen wie mir, die ihr einen unkritischen Ansatz vorwerfen…oder warfen. Einige Arbeiten von Frau Witt wurden in der Vergangenheit freudig von Homöopathieapologeten genutzt, um die angebliche wissenschaftliche Grundlage der Homöopathie zu belegen. In der Danksagung dieser Studie wird auch Curt Kösters gedankt, der mal 1. Vorsitzender des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) war. Diese Studie kommt somit nicht aus der Ecke der von Big Pharma finanzierten Skeptiker.

Es wurden Daten von Menschen genutzt, die an bestimmten Programmen der Krankenkassen teilnahmen, so dass sie „alternativmedizinische Angebote“ auf Kassenkosten nutzen konnten. Damit entspricht die Schnittgruppe wahrscheinlich nicht der Durchschnittsbevölkerung. Menschen denen solche Angebote wichtig sind, sind oft jünger, besser gebildet und haben ein höheres Einkommen als der Durchschnitt. Außerdem sind sie überzufällig häufig weiblich. Die Vergleichsgruppe wurde zwar gematcht, unklar ist mir, ob und welche sozioökonomischen Faktoren einbezogen werden.

Es wäre durchaus möglich, dass nicht die Homöopathie das kostentreibende Element war, sondern eine bestimmte Anspruchshaltung des Klientels.

Auch wurden nicht Patienten individuell verfolgt, sondern Daten der Kassen ausgewertet. Es ist also möglich, dass Menschen nur kurz in einem der Programme waren und diese dann wieder verlassen haben. Dann wären die Daten verzerrt. Das würde allerdings gegen die Zufriedenheit der Patienten sprechen und damit gegen eine Zufriedenheit mit Homöopathie.

Die Kritik an dieser Studie von Seiten der Homöopathen dürfte lauten, dass sie nicht lange genug gedauert habe. 33 Monate sind zwar eine lange Zeit, reichen aber nicht aus, um eine ganzheitliche Bewertung der Homöopathie vorzunehmen. Es wird somit auf eine Studie von 66 Monaten hinauslaufen, der eine Studie von 132 Monaten folgt, woraufhin eine Studie von 264 Monaten durchgeführt werden wird, deren Ergebnisse mithilfe einer 528 Monate langen Studie überprüft werden. Die Studie von 1056 Monaten wird beinahe ein endgültiges Ergebnis bringen, jedoch noch die Studie von 2112 Monaten notwendig machen. Deren Ergebnis wird zeigen, dass Patienten die homöopathisch behandelt werden, zwar mehr Kosten verursachen, was aber im Grunde egal ist, weil wir am Ende ohnehin alle sterben.

You know, you come from nothing, you’re going back to nothing. What have you lost? Nothing!

Das Leben des Brian

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Blick nach Vorn – Skepkon 2015

Eine Frage, die nach meinem Vortrag gestellt wurde, habe ich mir in den Vorbereitungen dazu ebenfalls gestellt: Wenn es, wie ich behaupte, für das Individuum einen Nutzen haben kann, irrationalen Glaubenssystemen anzuhängen, ist es dann überhaupt sinnvoll, dagegen zu argumentieren?

Ich denke ja. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein sehr hartnäckiger Diskussionspartner bin, wenn es um diese Fragen geht. Allerdings ist es wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, was „wir“ wollen. Da ich nicht für den Verein sprechen kann, versuche ich an dieser Stelle einmal, besser herauszuarbeiten, worum es mir geht. Ich nehme als Beispiel die Homöopathie, weil „mein Bereich“ die Alternativmedizin und die Homöopathie die Mutter aller pseudomedizinischen Verfahren ist.

In der heutigen Medizin hat die Autonomie der Menschen einen sehr hohen Stellenwert. Es wird immer Beispiele aus dem Alltag geben, die dem widersprechen, weil Individuen diese Autonomie nicht achten. Im System wird aber ein möglichst hohes Maß an Autonomie des Individuums angestrebt. Pseudomedizinische Verfahren, wie die Homöopathie, untergraben die Autonomie des Menschen, u.a. weil sei intransparent sind. Sie funktionieren nur, wenn bestimmte Informationen den Anwendern von Beginn an vorenthalten werden. Diese Intransparenz selbst ist ein weiteres zentrales Problem pseudomedizinischer Verfahren. Fragen von Patienten können nicht transparent beantwortet werden, weil die Grundannahmen nicht belegbar sind. Bei der Homöopathie sind sie sogar widerlegt. Die Methoden sind nur für Eingeweihte nachvollziehbar und damit kommen wir zu einem weiteren Aspekt der Transparenz. Da in der Homöopathie jeder alles behaupten kann, gibt es keine Maßstäbe, anhand derer diese Methode überprüft werden könnte. Wenn wir Homöopathie zulassen, können wir alles zulassen. Erwähnt sei hier die „Slapping-Therapy“ (Schlag-Therapie), der kürzlich ein Siebenjähriger Junge in Australien zum Opfer fiel (Man könnte sagen, alle Anwender fallen ihr zum Opfer, aber der Junge ist daran gestorben). Dieses extreme Beispiel nehme ich, weil die Mechanismen, mit denen die Therapien begründet werden, überall dieselben sind: „Ich sehe doch, dass es hilft.“ „Wer heilt, hat Recht“ usw usf.

Ein weiterer Faktor, den ich problematisch finde, ist die Ideologie, die vielen pseudomedizinischen Verfahren innewohnt. Ein mehr oder weniger pseudodarwinistischer Ansatz findet sich fast überall: Wer stirbt, ist auf die eine oder andere Weise selbst Schuld. Schuld spielt gerade in der Homöopathie eine nicht unerhebliche Rolle, wird doch das Grundleiden, die Ur-Ursache aller Störungen der Lebenskraft, mit dem Sündenfall im Paradies begründet. Damit haftet der Homöopathie nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Theorie etwas Religiöses an. Darum sollten wir uns auch überlegen, konsequent von ideologischer Medizin zu sprechen.

In seinem Vortrag zum Thema Coaching sprach Professor Kanning, dass Ziele möglichst Konkret und messbar (auch „abrechenbar“) formuliert sein sollten. Darum werden ich als nächstes versuchen, diese Ziele für die Homöopathie zu formulieren:

  1.  Aufhebung des Binnenkonsens
  2.  Abschaffen aller durch die Ärztekammern legitimierten Zusatzbezeichnungen
  3.  Abschaffung der Apothekenpflicht (sowohl, dass Apotheken verpflichtet sind, H. zu führen, als auch, das H. nur in Apotheken geführt werden darf).

Diese drei Ziele würden zum einen dafür sorgen, dass das Thema Homöopathie mehr in die Öffentlichkeit gezogen wird. Homöopathen müssten sich erklären, warum sie anderen Maßstäben unterliegen als Pharmakonzeren. Das erreichen der Ziele würde der Homöopathie einen Tiel ihres Nimbus nehmen.

Als allgemeines Ziel wäre zu überlegen, ob das Unmöglichkeitsprinzip dazu genutzt werden kann, die Therapiefreiheit von ÄrztInnen auf ein sinnvolles Maß zu beschränken. Das ist aber sicher ein Problem mit welchem sich Juristen beschäftigen sollten.

Wir werden jedoch nicht die Bedürfnisse der Menschen aus der Welt schaffen, die dafür sorgen, dass Menschen ideologische Medizin für sich als sinnvoll betrachten. Wenn wir wirklich wollen, dass Medizin transparent und evidenzbasiert ist, müssen wir fragen, was Menschen von dieser Art von Medizin erwarten. Erst wenn wir diese Antwort kennen, haben wir eine Chance am Kernproblem etwas zu ändern.

Ich war im Fernsehen – Journalismus hautnah

[Dieser Bericht beruht fast ausschließlich auf meiner Erinnerung, wie sie sich fast drei Monate nach dem Interview darstellt. Mit allen Fallstricken, die dem menschlichen Erinnerungsvermögen so innewohnen*. Das Video findet sich am Ende des Textes]

Das Fernsehen war bei mir, damit ich mich im Rahmen eines Berichtes zum Thema Homöopathie und Ebola äußere. Mittlerweile ist der Bericht veröffentlicht und ich konnte am eigenen Leib erfahren, wie Journalismus funktioniert (oder funktionieren kann). Doch von Anfang an.

Vermittelt durch die GWUP, traten ein Journalist vom MDR und ich in Kontakt. Er hatte einen Bericht geplant, in dem es um die Behandlung von an Ebola erkrankten Patienten durch eine Gruppe von Homöopathen gehen sollte. Der Journalist fand das nicht gut, ich fand das nicht gut. Wir machten einen Termin und ich wurde interviewt. Oder besser, eine gepimpte Version von mir.

Im Vorfeld wurde mir freundlich aber unmissverständlich nahegelegt, ein Sakko zu tragen. Ich trage nie ein Sakko. Außer ich will einen Job oder es nicht zu tun, würde Menschen vor den Kopf stoßen (Hochzeiten, Beerdigungen und so Sachen). In diesem Fall sollte das Sakko, so der Interviewer, dazu dienen, meinem Auftreten  (mehr?) Seriosität zu verleihen. Mein Einwand, dass die Seriosität durch meine Aussagen belegt werden sollte, wurde mit einer postulierten Erwartungshaltung der Zuschauer abgewiesen. So jemand wie ich, Dr. med., Arzt und Experte für Quatschmedizin trägt halt Sakko. Nach dem Motto: ‚Wer ein Sakko trägt, dem wird alles geglaubt‘. Da fühlt sich das Publikum sicher ernst genommen. Das Interview gab ich im Sakko und (!), auch auf expliziten Wunsch, blauem Hemd. Ich war so seriös, ich hätte mir selbst einen Bausparvertrag abgekauft. Und ich will gar keine Bausparvertrag. Die Homöopathin durfte bunte Tücher tragen 🙂 

Die meiste Zeit ging es in dem Interview um Homöopathen, Homöopathie, Infektionskrankheiten und Ebola. Alles Themen zu denen ich mir, im Kontext „Alternativmedizin“, qualifizierte (und seriöse) Aussagen zutraue. Ich habe durchaus ein paar knackige Aussagen zu gemacht, die hübsche Interviewsequenzen ergeben hätten (schreibt der Journalismuslaie). Zum Ende des Interviews wurde mir die Frage nach der Berechtigung der Gemeinnützigkeit des Vereins gestellt (Ich denke, es ging um „Homöopathen ohne Grenzen“, dem Veranstalter der Scherzaktion, Homöopathen nach Liberia zu schicken). Meine Antwort lautete ungefähr, dass Vereinsrecht nicht mein Fachgebiet sei und es Vereine gäbe, bei denen ich eine Gemeinnützigkeit weniger angemessen fände. Ob es nicht problematisch sei, dass Steuergelder dafür verbraucht würden? Auch hier gab ich an, dass das für mich nicht das primäre Problem sei und es relevantere Problemfelder der Steuerverschwendung gäbe. Trotz meiner Stellungnahme wurde ich jedoch einer (journalistischen?) Technik unterzogen, die mich dazu brachte, irgendwann eine Antwort zu geben, die den Herren zufriedenstellte. Mir wurde wiederholt die fast gleiche Frage stellen.

Dass er bereits eine Geschichte im Kopf hatte, die weniger von den wissenschaftlichen und medizinischen Schwierigkeiten rund um Homöopathie handeln sollte, hätte ich zu dem Zeitpunkt bereits ahnen können. Interessant war in der Situation auch, mich selbst zu beobachten. Denn meine letztendliche Antwort war ein Kompromiss zwischen meiner Einstellung  und dem Wunsch, dem Interviewer gegenüber nicht unhöflich zu sein. Im Vorfeld hatte er geschickt (?) eine Beziehung aufgebaut. Diese war zu dem Zeitpunkt stabil genug, damit ich ihm nicht gesagt habe, wenn ihm meine Antwort nicht gefällt, soll er jemanden anderen fragen. Ich habe mich letztlich dazu hinreißen lassen, zu sagen, dass ich eine Gemeinnützigkeit für gerechtfertigt halten würde, wenn der Zweck des Vereins eine medizinhistorische Betrachtung der Homöopathie sei, jedoch nicht, wenn es um die Verbreitung der Homöopathie als medizinische Behandlung gehe. Der allerletzte Teil hat es dann ins Video geschafft. Also die Aussage zu der ich am wenigsten qualifiziert war.

Mir ist klar, dass ein Journalist auch immer eine Geschichte erzählt, frage mich jedoch, ob hier dem Narrativ die Glaubwürdigkeit (vielleicht sogar meine?) geopfert wurde. Hätte man mir im Vorfeld gesagt, dass es um die Frage der Gemeinnützigkeit ginge, hätte ich an jemanden anders verwiesen. Im Bericht werde ich genutzt, etwas zu einem Thema zu sagen, zu dem jeder andere auf der Straße ebenso seriös eine Aussage hätte treffen können. Wahrscheinlich sollte ich deswegen ein Sakko tragen.

Der Bericht

*Irgendwo muss es Filmmaterial geben, das meine Erinnerung validieren oder widerlegen kann
Weiterlesen:

Für eine Hand voll Globuli: Im Rahmen des „Science-Cafe“ zum Thema Homöopathie durfte ich den Honorarkonsul von Liberia kennenlernen. Dieser hatte den homöopathischen Ausflug vermittelt.

Nichts wirkt so gut wie Homöopathie*

In der Sächsischen Zeitung läuft gerade unter dem Titel „Anders heilen“ eine Serie zum Thema Alternativmedizin. Ich durfte dort auch ein paar Zeilen zum Thema schreiben. Unter den einzelnen Themen ist ebenfalls der eine oder andere Kommentar von mir zu finden. Im Rahmen der Irisdiagnostik hatte ich das bereits thematisiert. Auch der Text zur Homöopathie bedarf einiger Erläuterungen.

Homöopathie ist ein pseudomedizinisches Verfahren, dass auf diversen magischen Annahmen beruht. Ich werde mir eine Einführung an dieser Stelle sparen, Interessierte seien auf den Wikipedia-Artikel verwiesen.

Im Artikel wird Frau Dr. Tost, eine homöopathische tätige Kollegin, mit dem Satz zitiert: „Es (anm.:Homöopathie) ist keine Religion, und ich kann es nicht erklären – aber nicht nehme es dankend an.“ Ob Homöopathie sich für die Bezeichnung „Religion“ qualifiziert, mögen andere bewerten. Es handelt sich jedoch mit Sicherheit um einen Glauben. Beispielhaft dafür steht die Aussage der 1. Vorsitzenden der homöopathischen Ärzte in Deutschland, Cornelia Bajic, ihr sei egal, welches Ergebnis Studien hätten, sie sehe jeden Tag, dass Homöopathie funktioniere. Das heißt, keine Belege werden genügen, um ihre Einstellung zu ändern. Damit handelt es sich um einen Glauben.

Die Tatsache, dass Homöopathie trotz fehlendem Wirkstoff wirke, erklärte Frau Dr. Tost mit einer „Energieübertragung“ im Rahmen der Potenzierung. Energie bezeichnet die Fähigkeit eines Systems Arbeit zu verrichten. Da in der Homöopathie Wasser und Zucker (früher Lactose, heute Sacharrose) die heilende Wirkung transportieren sollen, muss die Energie irgendwie auf die Wasser- und Zuckermoleküle übertragen und dort gespeichert werden. Nicht nur das, mit jedem Potenzierungsschritt (also mit jeder Verdünnung), wird der Effekt stärker, wenn es nach den Homöopathen geht. In welcher Form die Energie gespeichert wird, hat bisher niemand erklären können. Insgesamt scheint es, als hätten Vertreter der Homöopathie ein anderes Verständnis von „Energie“ als der Rest der Welt. Abgesehen davon, dass Energie an sich noch keine heilende Wirkung hat.

Ich musste mir etwas die Augen reiben aber die Kollegin wird sogar mit der Aussage zitiert, mit Homöopathie könne man Krebs heilen. Das ist nicht nur falsch, sondern auch mutig, um nicht zu sagen, fahrlässig. Allerdings ist diese Aussage, innerhalb der Homöopathie eine logische Schlussfolgerung.

Machtlos sei Homöopathie bei „strukturellen“ Schäden, so steht es in dem Artikel. Beispielhaft werden Narben und Typ I Diabetes (bestimmte Zellen der Bauchspeicheldrüse gehen zugrunde) genannt. Interessanterweise zwei Phänomene, die sich kaum durch Placebo-Effekte beeinflussen lassen, und bei denen es auch nicht zu einer Spontanheilung kommt. Komischerweise lese ich an anderer Stelle, für Knochenbrüche sei Homöopathie ganz hervorragend geeignet. Wenn dass kein struktureller Schaden ist, dann weiß ich auch nicht.

Als letztes finde ich die Äußerung erwähnenswert, es gebe keine Placebowirkung bei kleinen Kindern und Tieren. Mit diesem Argument „wischen Fachleute“ wie sie das Argument weg, bei Homöopathie handele es sich um Placebomedizin. Seit langem gibt es jedoch Belege für Placebo-Effekte bei Tieren und Kindern. Man müsste sie nur suchen.

*Den Text aus dem Titel habe ich irgendwo auf Twitter gelesen, er ist also nicht von mir…leider. Ich weiß aber auch nicht wo die Quelle ist :-/

Für eine Hand voll Globuli

Nachdem ich zum Thema „Impfmythen“ bereits als „Experte“ beim Science-Cafe anwesend war, durfte ich nun auch zum Thema Homöopathie die Fahne des kritischen Denkens hochhalten. Die Veranstaltung hätte natürlich „Pseudoscience-Cafe“ heißen müssen aber dann wäre wohl niemand gekommen.

Ich hatte mich gut vorbereitet und eine Woche vorher begonnen, drei mal täglich fünf Globuli Coffea C30 zu nehmen. In Anlehnung an die 10^23 Aktionen, bei denen eine „Überdosis“ Homöopathie genommen wird, machte ich dies als homöopathischen Selbstversuch. Nach homöopathischem Verständnis handelte es sich dabei um eine Arzneimittelprüfung. Gesunde Personen nehmen Globuli, stellen fest, welche Symptome sie bekommen und sammeln diese. Daraus wird das Arzneimittelbild erstellt. Meine mutigen Vorgängerinnen und Vorgänger haben für Coffea C30 unter anderem „migräneartigen Kopfschmerz“, „Schlaflosigkeit“ und „Ohnmacht bei großer Freude“ herausgearbeitet. Es gibt aber auch Symptome wie „wird um 3 Uhr morgens Wach“, „trägt einen Hut“, „hat Angst vor dem nach Hause kommenden Ehemann“. Allerdings war von vornherein klar, dass bei mir nichts passieren würde, denn Hahnemann selbst forderte eine Offenheit der Methode gegenüber, um „Prüfling“ sein zu können. Ich war so offen, wie ich konnte aber nicht offen genug, wie es scheint. Denn obwohl ich nach vier Tagen die Dosis steigerte, auf drei mal drei Globuli und am letzten Tag gar auf drei mal ein Globuli, blieb jeglicher Effekt aus. Abgesehen davon, und hier sollten Homöopathen hellhörig werden, dass ich die letzten fünf Tage einen Ohrwurm hatte.

Im „Cafe“ selbst herrschte eine angenehme Atmosphäre. Nach dem Einführungsfilm sammelten sich schnell Menschen an meinem Tisch und diskutierten engagiert. Dabei hatte ich ein meiner Ansicht eher zugeneigtes Publikum, was für einen GWUPi wohl eher ungewöhnlich ist. Ein Herr zeigte sich jedoch sehr skeptisch ob meiner Skepsis (um nicht zu sagen, Ablehnung) und versuchte, seine Punkte loszuwerden. Wichtig war ihm, dass Homöopathie nur von Ärzten durchgeführt werden dürfe, da nur diese verantwortlich damit umgehen könnten. Das hieß für ihn auch, keine schweren Erkrankungen zu behandeln. Viele Fragen, zum Beispiel die Frage, wo eine „schwere Erkrankung“ anfängt, konnten in diesem Rahmen nicht ausreichend geklärt werden, weil sonst andere Gäste zu kurz gekommen wären.

Trotzdem habe ich gefragt, ob zum Beispiel Ebola eine schwere Erkrankung sei, was er bejahte, jedoch anfügte, Ebola sei auch „schulmedizinisch“ (von ihm ohne Anführungszeichen genutzt) nicht zu behandeln. Ich musste widersprechen, denn Ebola ist zwar nicht ursächlich zu behandeln, sehr wohl jedoch symptomatisch (was Homöopathen gar nicht mögen). Durch die „unterstützende Behandlung“ (etwas, was Homöopathen eigentlich für sich in Anspruch nehmen) kann die Sterblichkeit immerhin deutlich gesenkt werden. Ein Argument gegen komplementär zur Medizin eingesetzte Homöopathie bei Ebola sind die knappen Ressourcen vor Ort. Mit dem Geld für die Homöopathen, die kürzlich in Liberia waren, hätte man Besseres anfangen können, als Globuli zu verteilen…oder nicht zu verteilen.

Ich hatte den Herren nicht zufällig nach Ebola gefragt, denn während der Film (s.u.) lief, las ich den Namen der Ärztin, die als Expertin für Homöopathie eingeladen war. Denselben Namen hatte ich in einem Spiegel-Artikel gelesen, in dem es um die vier Homöopathen ging, die in Liberia waren, um Ebola-Patienten zu behandeln und denen dies von der Regierung verweigert wurde. Dabei handelte sich um die Frau des Honorarkonsuls von Liberia, der den Tripp organisiert und zu finanzieren geholfen hatte. Beide waren nun im Science-Cafe anwesend..

Ich denke, der Herr und ich führten ein, bedenkt man unsere Einstellungen, konstruktives Gespräch mit einigen Gemeinsamkeiten und vielen Differenzen. Nach der Veranstaltung trafen auch seine Frau und ich aufeinander und auch zwischen ihr und mir war ein Gespräch nicht nur möglich, sondern sogar erfreulich. Wobei wir die ganz heißen Eisen liegen ließen 🙂 An einer Vertiefung wäre ich dennoch einmal interessiert. Und sei der um der Erfahrung willen. Es wäre natürlich einfacher, Homöopathie zu kritisieren, wenn ihre Vertreter unsympathische Gesellen wären, aber man kann nicht alles haben im Leben.

Skurril empfand ich die Frage, ob „Skeptiker“ denn wirklich von der Pharmaindustrie finanziell unterstützt würden. Falls das so ist, dann nur in homöopathischen Dosen. Ich denke, ich konnte vermitteln, dass, dem kritischen Denken verpflichten Menschen egal ist, wer schlechte Wissenschaft macht. Durchgehen lassen wir das niemandem. Aber Pharmakritik ist nicht unser Kerngeschäft.

In dem Video mache ich einen Schnitzer, wer ihn findet, darf ihn behalten.

Jubel der Globulisten

Der GWUP-Blog berichtet über die Umfrage, die im Ärzteblatt veröffentlich wurde, wonach „Homöopathie immer beliebter“ werde. Wen die Zahlen interessieren, folge dem Link, wirklich wichtig sind sie nicht. Wissenschaftliche Belege liefert man nicht mit einem Beliebtheitswettbewerb. Das Ärzteblatt verlinkt lustigerweise zu einem Artikel aus dem Juni, mit der Überschrift:

Homöopathie: Patienten schätzen ärztliche Zuwendung mehr als Globuli

Das ist eine Aussage, die ebenfalls aus einer Umfrage stammt, sich jedoch auch durch die Daten einer Studie belegen lässt. Der Titel lautet

„Homeopathy has clinical benefits in rheumatoid arthritis patients that are attributable to the consultation process but not the homeopathic remedy“

Homöopathie hat klinische Vorteile für Patienten mit rheumatoider Arthritis, die dem Gespräch, jedoch nicht der homöopathischen Arznei zuzuordnen sind.

Nachdem es den Homöopathen nicht gelingt, ihre Magie in Studien zu verifizieren, scheint eines unvermeidbar:

„Homöopathieumfragen immer beliebter“

Weiterlesen:

Ärztezeitung präsentiert Quatschmedizin

Spagyrik – Das flüssige Horoskop

DZVhÄ über Fragen zum Nichts

Die Barmer und die Bertelsmannstiftung haben sich, wieder einmal, die Mühe gemacht und gefragt, ob sich Menschen durch homöopathische Behandlung besser fühlen. Tun sie. So weit, so bekannt. Dass es sich dabei um eine selbstselektierende Gruppe handelt lassen wir mal beiseite. Wer durch den von Homöopathie vermittelten Placebo-Effekt keine Besserung erfährt, wird sie nicht mehr nutzen.

Besonders spaßig ist die Aussagen, Patienten würden homöopathisch „tätigen“ ÄrztInnen mehr Vertrauen entgegenbringen als „rein schulmedizinisch tätigen Ärzten“. Im einen Fall sind es 90% die großes oder sehr großes Vertrauen haben,  im anderen 75-80%. Spaßig ist das ganze, wenn man sich vor Augen führt, dass homöopathisch tätige ÄrztInnen nur einen Wirkfaktor besitzen, nämlich das Vertrauen der Patienten. Ohne dieses Vertrauen wird der Placeboeffekt wenig ausgeprägt und die homöopathische „Behandlung“ wirkungslos sein.

Das Blatt könnte sich natürlich schnell drehen, wenn die Patienten erst merken, dass ihr Vertrauen, in allerbester Absicht natürlich, missbraucht wurde. Homöopathie ist Vertrauen im Off-Label-Use.

Globuli gegen Krebs?

Natürlich würden vernünftig arbeitende ÄrztInnen Homöopathie niemals gegen Krebs einsetzen. Ich würde ja sagen, sie würden Homöopathie gegen Nichts einsetzen aber das ist ein anderes Thema. Und wie wäre es mit ein paar Globuli gegen ein Virus, dass das Krebsrisiko deutlich erhöht? So wie das Humane Papilloma Virus (HPV) zum Beispiel? Eine Infektion damit erhöht das Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Dazu sagt die Autorin einer Seite, die sich „Homöopathie Online – honatur“ nennt:

“Generell gibt es bisher noch keine wirksame Therapie gegen den Papillomavirus. Das betrifft sämtliche mögliche Behandlungsmethoden. Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten von der Allopathie bis zur Naturmedizin und der Homöopathie, welche die negativen Auswirkungen dieser Infektion lindern können”

Interessant. Unser Virologie-Professor sagte uns, wir sollten niemals dem fachlichen Urteil von Menschen trauen, die „der Virus“ sagen. Zumindest wenn es um biologische Viren geht. Suche ich nach der Autorin Clara Garcia werde ich denn auch nicht enttäuscht. Sie scheint einzig auf Honatur zu veröffentlichen. Sie schreibt im weiteren Text wenig qualifiziert über HP-Viren und schwärmt von diversen Methoden, die den Infektionsverlauf positiv beeinflussen sollen.

Nur über die einzige Methode, mit der man eine Infektion mit (Hochrisikotypen von) HPV verhindern kann, nennt sie nicht. Die Impfung. Dabei verlinkt sie sogar auf eine Seite, die ausführlich Studien zitiert, welche die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfung belegen.

Die Impfung verschweigt sie, nennt dafür jedoch den Shiitake-Pilz als möglichen Heilsbringer. Zu dem und seinen Inhaltsstoffen gibt es zwar ein paar Studien, belastbare Ergebnisse gibt es jedoch noch nicht. Dafür gibt es aber Produkte! Pulver, Pillen und die ganze Frucht. Und der Pilz hilft eigentlich gegen alles. Vor dem Shiitake-Pilz hat das Bundesamt für Risikobewertung empfindlich gewarnt. In Einzelfällen (genaueres ließ sich nicht sagen) kommt es zu allergischen Hautreaktionen nach dem Verzehr. Das ist bei Nahrungsmitteln natürlich weder ungewöhnlich, noch an sich skandalös. Auf der Seite wird das jedoch mit keinem Wort erwähnt.

Dass auf einer anderen, von der Autorin verlinkten, Seite die HPV-Impfung skandalisiert wird, muss ich sicher nicht erwähnen? Falls sich jemand darüber aufregen sollte, dass solche Halbwahrheiten und Falschinformationen verbreitet werden, gibt es dazu jedoch keinen Grund! Denn auf der Seite findet sich dieser (Pflicht-)Hinweis.

„Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von honatur.com kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.“

Na, dann ist ja gut. Fehlt nur noch der Satz:

„Die Kompetenz unserer Autoren darf in keinem Falle als gegeben angenommen werden! Dies ist eine reine Werbeplattform.“

Das nennt man „conflict of interest“.

 

[Übrigens, schon für eine bessere Medizin unterschrieben?]

Homöopathie ist Placebo: Now We're Talking

Wenn ich sage, Homöopathie wirke nicht über den Placebo-Effekt hinaus, wird dem mit dem logischen Fehlschluss begegnet, mir mangele es einfach an (positiver) Erfahrung damit. Wenn Edzard Ernst, emeritierter Professor für Alternativmedizin in Exeter selbiges sagt, wird ihm mit den logischen Fehlschlüssen begegnet, er habe keine Ausbildung in Homöopathie und er sei von der „Pharmaindustrie“ gekauft. Nun bin ich gespannt, wie man den Äußerungen von Anthony Campbell begegnet. Der hat geschrieben, Homöopathie wirke (höchstwahrscheinlich) nicht über den Placebo-Effekt hinaus. Er nennt es „nicht spezifische Wirkung“ was aber im Grunde dasselbe ist. Herr Campbell ist Homöopath. Und zwar nicht irgendeiner. Das wichtigste zuerst, er ist, zumindest formell, nicht vom Glauben abgefallen und hält Homöopathie weiterhin für eine tolle Medizin. Er war Leiter des Homöopathischen Krankenhauses ist London (das wegen schlechter Presse seinen Namen änderte). Außerdem war er Editor der Fachzeitschrift „Homeopathy“ in der über homöopathische Forschung (Hihi) berichtet wurde.

Campbell hat ein Buch geschrieben und darin eben jene Aussage getätigt. Ich bin gespannt, wie „die Szene“ insbesondere die Standesvertretung der homöopathischen Ärzte in Deutschland, der DZVhÄ, mit dieser Aussage umgeht. Vermutlich wird man sie ignorieren oder als „Einzelmeinung“ abqualifizieren. Eine ernsthafte Auseinandersetzung ist nicht zu erwarten, unter anderem weil dann konsequenterweise die Auflösung des Vereins folgen müsste.

Dabei kann man mit dieser Aussage endlich etwas anfangen. Wir können darüber diskutieren, ob wir gewillt sind, Placebomedizin zu praktizieren. Sowohl als MedizinerInnen als auch als PatientInnen. Damit entfernen wir uns endlich von der albernen Wissenschaftsdebatte rund um das Thema Homöopathie und stellen uns den ethischen Implikationen für die Patientenautonomie, die Placebomedizin mit sich bringt.

Autismus: Natürlicher Verlauf als Heilung verkauft.

Über Homöopathie als Therapie bei Autismus hatte ich ja bereits im Rahmen der CEASE-Therapie geschrieben: sie ist wirkungslos, jedoch nicht ohne Folgen. Nun bin ich über einen Beitrag auf den Seiten des Narayana-Verlags, einem Vertreiber homöopathischer Literatur, gestoßen, der exemplarisch aufzeigt, wie man im Grunde alles zu einer „Heilung“ umdefinieren kann. Beschrieben wird die Geschichte eines Jungen, den der Autor mit vier Jahren das erste mal sieht. Er gibt ihm ein Mittelchen, was auf einige seiner Symptome passt:

„Auf der Grundlage meiner Beobachtungen gab ich Ginuwine Barium muriaticum 200 K, eine Gabe alle 4 Wochen. Dieses Mittel passte zu seiner Entwicklungs- und Sprach-Retardierung sowie zu einigen seiner körperlichen Symptome.“

Interessant an dieser Aussage ist, dass das Mittel, nach allem, was ich von Homöopathie weiß, eigentlich nicht korrekt ausgesucht worden ist. Nach dem Simile Prinzip muss das „ähnlichste Mittel“ gefunden werden. Dabei geht es darum eine Mittel zu finden, dessen Arzneimittelbild (die Symptome, die es beim Gesunden hervorruft) zur Erkrankung des Patienten passt. Dabei muss man das Symptom finden, welches am individuellsten ist. Außerdem werden „geistige“ Symptome höher bewertet, als körperliche. Eine kurze Recherche nach Barium muriaticum zeigt:

„BARIUM CARBONICUM gilt als wichtiges Mittel für Kinder, sowohl konstitutionell als auch situativ. Spätentwickelte oder nicht entwickelte Kinder: lernt spät gehen, späte Zahnung,…
In der Literatur wird besonders der große Nutzen des Arzneimittels bei retardierten und behinderten Kindern, etwa bei Trisomie 21 betont: Stumpfheit bei Kindern“

Kinder mit Autismus und Kinder mit einer Trisomie 21 (ohne Autismus!) zeigen deutliche Unterschiede im Verhalten. Mir erscheint das nicht sehr individuell ausgesucht. Nach dem Motto: „Behinderte, kennste einen, kennste allen.“

Egal, es geht ja um etwas anderes, nämlich den Verlauf. Der Autor schreibt über seien Erfolg mit seinem Mittel:

„Er spricht mehr und seine Sprache ist deutlicher geworden. Sein Essverhalten hat sich verändert: er isst jetzt Dinge, die er vorher nie gegessen hat.

Fünf Monate später: Die Besserung schreitet fort. Er beantwortet Fragen, während er früher er nur mit Echolalie reagierte. Er kann benennen, was er in Büchern sieht.“

Autismus drückt sich nicht durch einen Entwicklungsstillstand, sondern u.a. (!) und z.T. (!) eine Verzögerung in bestimmten Bereichen aus. Es ist durchaus zu erwarten, dass ein Kind sich entwickelt. Von ganz alleine ein bisschen und mit Förderung deutlich mehr.

„Im Januar 2004 verließ er die therapeutische Kinderkrippe und wurde in eine Schule für Lernbehinderte eingeschult, was mehr war, als seine Eltern und Betreuer je von ihm erwartet hatten.

Dann kam eine Zeit, wo er keine weiteren Fortschritte mehr machte, was für mich ein Zeichen war, dass er ein anderes Mittel benötigte. Er bekommt nun Helium 200 K, zwei Globuli einmal monatlich.“

Diese beiden Absätze zeigen sehr eindrücklich, dass der Autor wenig Erfahrung mit Kindern mit Autismus hat. Wechsel fallen Menschen mit Autismus häufig schwer. Es ist häufig zu beobachten, dass Kinder, die einer größeren Veränderung ausgesetzt sind, und der Schuleintritt gehört dazu, nicht nur stagnieren, sondern zeitweise sogar Rückschritte machen. Für die Familien kann das sehr frustrierend sein, wenn die mühsam gemachten Fortschritte dahinschmelzen. In der Regel kommen sie jedoch wieder, sobald das Kind in der neuen Umgebung angekommen ist. Solche Wechsel sollten daher gut begleitet werden.

Springen wir an das Ende des Artikels:

Frage von Alex Leupen an die Eltern: Wie sehen Sie die Zukunft für Ginuwine?

Antwort der Eltern: Er wird wahrscheinlich in einer therapeutischen Lebensgemeinschaft leben. Im Moment lernt er lesen und schreiben. Auch in der Schule konnten sie uns nicht sicher sagen, was für Fortschritte er noch machen kann; so freuen wir uns über jeden kleinen Fortschritt, den er macht.

Die hier beschriebene Entwicklung ist nichts Ungewöhnliches. Globuli benötigt man dazu nicht. Der Autor scheint sich jedoch diesen nicht ungewöhnlichen Verlauf als Erfolg an die Brust pinnen zu wollen. Die „göttliche Homöopathie“ hat es wieder allen gezeigt.

Eine verwertbare Aussage des Autoren findet sich dann doch noch im Text:

Sobald Sie bemerken, dass sich Ihr Kind nicht normal entwickelt, müssen Sie etwas unternehmen. Egal, wie schwer es ist, Sie müssen versuchen zu akzeptieren, dass Ihr Kind anders ist und sich anders verhält. Je früher eine Diagnose gestellt wird, desto besser.

Genau und dann gehen Sie zur nächsten Autismusambulanz, Autismuszentrum, Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulanz oder einem Sozialpädiatrischem Zentrum (je nachdem, was vor Ort zu finden ist), zu Menschen die sich mit Autismus auskennen.