Autismus und Pseudomedizin

[Dieser Text ist ursprünglich in der Zeitschrift „Der Skeptiker“ in der Ausgabe 3/2013 erschienen. Er beruht auf einem Vortrag, den ich auf der Skepkon in Köln 2013 gehalten habe.]

Einleitung

Symptome

Entstehung

Diagnostik

Therapie

KISS-Syndrom

CEASE-Therapie

Antibiotika gegen Autismus

Schluss

Literatur und Qellen

Einleitung

Wenige Menschen kennen sich mit Autismus aus, sehr wenige gut. Die Darstellung von Menschen mit Autismus in den Medien zeigt oft ein verzerrtes Bild, weil sie sich auf Betroffene mit durchschnittlicher oder überdurchschnittlicher Intelligenz, sogenannte „hochfunktionale Autisten“, konzentriert. Bisweilen drängt sich sogar der falsche Eindruck auf, Autismus sei eine „Edelbehinderung”. Bei Autismus handelt es sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, wobei der Anteil der „hochfunktionalen Autisten“ relativ gering ist. Weil die Bandbreite von leichten, subklinischen Formen bis zu schweren Beeinträchtigungen reicht, ist es richtiger, von Autismusspektrumsstörung (ASS) zu sprechen.

Symptome

ASS zeichnen sich durch qualitative Unterschiede in der Kommunikation, und der sozialen Interaktion sowie durch die Neigung zu wiederholten und stereotypem Verhalten aus. Achtet man einmal darauf, wie vielschichtig die Bedeutung von Worten ist, die wir benutzen, und wie unscharf wir zum Teil mit Sprache umgehen, ist es fast ein Wunder, dass wir uns überhaupt verstehen. Menschen mit ASS haben mit dieser Unschärfe Probleme. Sie denken oft konkretistisch und haften an der wörtlichen Bedeutung von Worten, können den übertragenen Sinn dahinter nicht erkennen. Besonders fällt das bei Sprichwörtern und Redewendungen auf, wie zum Beispiel „jemanden auf den Arm nehmen“.

Soziale Interaktion, so leicht sie uns oft fällt, ist eine komplexe Tätigkeit, die viel implizites Wissen und intuitives Handeln erfordert. So begreifen wir zum Beispiel schon früh im Leben, dass, wenn jemand mit dem Finger auf ein Objekt zeigt, das entfernte Objekt von Interesse ist, und nicht die Fingerspitze. Dafür müssen wir nicht nur die Bedeutung dieser Geste kennen, wir müssen uns auch in den anderen hineinversetzen und die Intention hinter der Geste erkennen. Dieses Hineinversetzen ist Kernbestandteil der „Theory of Mind“ (ToM) und bildet sich in den ersten Lebensjahren eines Menschen aus. Kinder unter vier Jahren können sich noch nicht vorstellen, dass eine andere Person einen anderen Wunsch haben könnte als sie selbst. Auch Menschen mit ASS haben Probleme mit der ToM. Es fällt ihnen schwer, zwischen sich und anderen zu trennen. Besonders auffällig ist oft die Weigerung von betroffenen Kindern Blickkontakt zu halten, also anderen Menschen in die Augen zu sehen. Häufig zeigen sie auch kein erkennbares Interesse an Mama und Papa; wie belastend solch eine Situation ist, können sich vermutlich nicht nur Eltern vorstellen.

Viele Kinder mit einer ASS neigen zu stundenlanger Beschäftigung mit sich wiederholenden Tätigkeiten. Sie drehen beispielsweise das Rad eines Spielzeugautos oder bewegen die Finger direkt vor den Augen und schauen sie intensiv an. Viele Kinder haben auch ein Sonderinteresse: etwas, mit dem sie sich sehr gut auskennen, mit dem sie sich am liebsten ausschließlich beschäftigen wollen, und worüber sie ausgiebig reden. Nicht selten entwickeln sie auf diesem Gebiet Fähigkeiten, die ihnen in anderen Bereichen fehlen. So können zum Beispiel einige Kinder ganze Nahverkehrsfahrpläne auswendig lernen, sind jedoch nur schwer dazu zu bringen, Vokabeln zu lernen. Den letzten Punkt können wahrscheinlich Eltern am besten nachvollziehen, man muss sich nur vorstellen, das ganze Jahr wäre wie die Woche nach Weih-nachten, in der man mehr mit dem neuen Spielzeug spielt als im Rest des Jahres. Alles andere verblasst daneben. Auch ist die Fähigkeit weniger ausgeprägt, in der einen Situation Gelerntes auf eine andere zu übertragen. Für Eltern kann das bedeuten, dass ihr Kind sich zu Hause die Jacke alleine anziehen kann, im Kindergarten jedoch nicht. Das Kind bittet dann jedoch nicht um Hilfe, denn auch dieses Konzept muss erst mühevoll erlernt werden. Solche Situationen werden für Eltern oft zur Geduldsprobe.

Entstehung

Die genaue Entstehung von Autismus ist heute noch nicht bekannt. Doch seit der Erstbeschreibung sind viele Hinweise auf eine starke genetische Komponente zusammengekommen (Freitag 2012). Umweltfaktoren spielen ebenfalls eine Rolle, jedoch wahrscheinlich in geringerem Maße. Die frühe Entwicklung des Kindes erscheint häufig relativ „normal“. Auffälligkeiten zeigen sich sehr dezent, erstes Anzeichen ist oft eine mangelnde Sprachentwicklung. Das vermeintlich „plötzliche“ Auftreten der Symptome kann dazu führen, dass diese mit einem besonderen Ereignis in Verbindung gebracht werden, welches in der Vergangenheit stattgefunden hat. Das ist wahrscheinlich ein Grund, warum sich der Mythos vom Zusammenhang zwischen Autismus und Impfen so hartnäckig hält, obwohl er seit Jahren widerlegt ist (Offit 2008). Von Anhängern der „Impfthese“ wird die steigende Prävalenz von ASS als Argument gegen eine genetische Beteiligung vorgebracht.

Dieser Anstieg lässt sich jedoch teilweise durch eine Änderung von Diagnosekriterien erklären, nach der Patienten mit „Asperger-Syndrom“ den ASS zugerechnet werden (Freitag 2012). Außerdem waren ASS in der Vergangenheit wahrscheinlich unterdiagnostiziert, während Ärzte heute bei entsprechenden Symptomen eher an eine ASS denken. In Gegenden mit steigender ASS-Prävalenz sinkt im gleichen Maße die Häufigkeit anderer (diagnostizierter) Behinderungen (King 2009). Belastung Da eine ASS in der Kindheit beginnt, kommt es in sehr vielen Fällen im Laufe der Entwicklung zu einer, teils von der Förderung abhängigen, Besserung der Symptome. Viele Kinder, die bis ins Kleinkindalter keine Lautsprache zeigen, beginnen später doch zu sprechen. Auch hier zeigt sich ein Spektrum in der Ausprägung, vom Ausbleiben der Sprache bis zu kaum merklichen, nur noch mit Erfahrung erkennbaren Unterschieden in der Kommunikation. Wenn ein Kind plötzlich beginnt zu sprechen, ist das natürlich eine große Freude für die Eltern, doch leider bedeutet es nicht, dass das Kind geheilt wäre.

Diagnostik

Der Begriff „Spektrum“ macht deutlich, dass nicht alle Symptome bei jedem Menschen mit Autismus in gleichem Maße vorkommen. Er zeigt auch, dass die Grenze zwischen gesund und krank nicht immer ganz einfach zu ziehen ist. Gerade bei der Beurteilung von Menschen mit guten kognitiven Fähigkeiten (hochfunktionaler Autismus) ist dies der Fall. Dies ist einer der Gründe, warum die Diagnosestellung bei Autismus alles andere als trivial ist. An der Autismusambulanz Dresden sind zwischen 5 und 8 Termine á 1–2 Stunden nötig, in unklaren Fällen gefolgt von einer Hospitation in Schule und Kindergarten oder der langfristigen Teilnahme an Gruppenangeboten, um das Kind in einer weniger künstlichen Umgebung zu erleben. Wenn behauptet wird, ein Kind mit Autismus sei geheilt worden, sollte man die Möglichkeit einer falsch positiven Diagnose mindestens in Betracht ziehen.

Therapie

Eine Heilung gibt es bis heute nicht. Dennoch bestehen Möglichkeiten, Kindern und Eltern das Leben zu erleichtern und gemeinsam viel zu erreichen. Ziel ist dabei immer das höchstmögliche Maß an Selbständigkeit zu erreichen, wozu in der Regel Methoden der Verhaltenstherapie und externe Strukturierung dienen. Die intensivste Methode ist Applied Behaviour Analysis (ABA), bei der erwünschte (kommunikative) Handlungen der Kinder verstärkt werden. Die Vorgehensweise ist sehr kleinschrittig mit vielen Wiederholungen, der Umfang kann bis zu 40 Stunden wöchentlich betragen. Weiterhin gibt es Methoden der unterstützten Kommunikation (nicht zu verwechseln mit gestützter Kommunikation ). Dabei liegt ein Schwerpunkt darauf, den Kindern eine Möglichkeit zu geben, mit der Umwelt zu kommunizieren. Um auf die verschiedenen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder einzugehen, wurden zahlreiche Techniken entwickelt, beispielsweise das Picture Exchange Communication System (PECS), welches ohne gesprochene Sprache funktioniert, jedoch auf deren Entwicklung nicht bremsend wirkt. Obgleich Autismus nicht heilbar ist, existieren dennoch Hinweise darauf, dass eine Untergruppe Betroffener mit guten kognitiven Fähigkeiten aus dem Autismusspektrum „herauswachsen“ kann (Fein et al. 2013). Wahrscheinlich sind in diesen Fällen die Symptome so gut kompensiert, dass die Betroffenen keine Auffälligkeiten mehr zeigen. Die evidenzbasierte Autismustherapie ist ein mühevoller und wenig glamouröser Weg, doch seine Wirksamkeit ist belegt. Ganz im Gegensatz zu den im Folgenden diskutierten Methoden.

Im deutschsprachigen Raum gibt es wenig Forschung zur Verbreitung von „Alternativ“-Medizin im Allgemeinen und bei Autismus im Speziellen. Da die Ansätze und Methoden so vielfältig sind wie die Anbieter fantasievoll, kann im begrenzten Rahmen dieses Artikels nur auf die folgende Auswahl eingegangen werden: Das Kiss-Syndrom ist eine beliebte Diagnose von osteopathisch orientierten Therapeuten, die Behandlung erfolgt u.a. mittels craniosakraler Therapie. Ein Homöopath hat sich ebenfalls des Autismus angenommen und eine komplette Therapieform entwickelt, die CEASE-Therapie: sanft, ganzheitlich und ohne Fundament in der Realität. Auch ein Nobelpreisträger für Physiologie und Medizin spielt in der Szene eine prominente und unrühmliche Rolle, seine Idee für eine Therapie hat das Potential, direkten Schaden anzurichten.

KISS-Syndrom

Als Beispiel für Disease Mongering (Krankheitserfindung) eignet sich die Kopfgelenkinduzierte Symmetrie-Störung oder das KISS-Syndrom, die erste Krankheit, die nicht weiß ob sie eine Störung oder ein Syndrom ist. Eine Störung beschreibt eine erhebliche Abweichung im Erleben oder Verhalten, während bei einem Syndrom gleichzeitig verschiedene Krankheitszeichen vorliegen, deren ursächlicher Zusammenhang, die Entstehung und Entwicklung der Krankheit, jedoch nicht bekannt sind. Das KISS – Syndrom wurde von Gutmann 1953 als „Säuglingsskoliose“ beschrieben1 (Hülse 2005). Beim KISS-Syndrom sollen die ersten Wirbel der Halswirbelsäule irgendwie nicht an der richtigen Stelle oder in der richtigen Stellung sein. „Blockiert“ nennen das die „Experten“. Als Leser des Skeptikers weiß man, was alles blockiert sein kann: Gelenke, Energien, Reinkarnation, eigentlich alles. Zwar kann kaum jemand plausibel erklären, worum genau es sich bei diesen Blockaden handelt; sie zu therapieren ist jedoch kein Problem. Wenn man liest, welche Folgen das

„KISS-Syndrom“ angeblich haben kann2, scheint die Behandlung für verantwortungsvolle Eltern Pflicht. Es heißt, dass viele „Schreibabys“ unter dem KISS-Syndrom litten, daraus könnten Probleme beim Stillen (inklusive Brustentzündung), ein platter Hinterkopf und motorische Entwicklungsstörungen entstehen. Doch damit nicht genug. Aus einem unbehandelten KISS-Syndrom entwickle sich das KIDD-Syndrom, die „Kopfgelenk induzierte Dysgnosie und Dyspraxie“, und die Folgen lassen staunen: „ADS, ADHS, ADHDS (sic!), Lern- und Konzentrationsstörungen, Dyslexie, Dyskalkulie, Kopfschmerzen, Migräne, Rücken- und Knieschmerzen, Störungen der Feinmotorik und Grobmotorik, Emotionsstörungen, Hyperkinesie, Hyperaktivität (Zappelphilipp), Hypoaktivität (Träumsuse), Schlafstörungen, Bettnässen“. Anatomisch und physiologisch ist es wenig plausibel, all dies auf eine „Blockade“ der oberen Halswirbel zurückzuführen. Wenn sich Wirbel gegeneinander physisch verschieben (einige Eltern berichteten von Verschiebungen um 1 cm) dürfte es statt zu Hyperaktivität zu Lähmungen und Tod kommen.

Die Gesellschaft für Neuropädiatrie e.V. hat in einer Stellungnahme das Konzept von KISS und KIDD angezweifelt.3 Darin wird unter anderem dargelegt, dass die als Beweis für die Existenz und Behandlungswürdigkeit des KISS-Syndroms angeführte „Fehlhaltung“, welche sich bei einem Drittel aller Säuglinge zeigte, bei allen Kindern nach dem 18. Lebensmonat (wenn die allermeisten laufen können) deutlich besserte – ohne Therapie. Bis heute konnten KISS/KIDD nicht nachgewiesen werden, geschweige denn ein Zusammenhang zwischen KISS/KIDD und Entwicklungsstörungen. Wenn Eltern ihrem Kinderarzt besorgt berichten, dass ihr Kind viel schreie, hören sie oft, es gebe eben Kinder die viel schreien, das sei normal und würde bald aufhören. In dieser Situation fühlen sich viele Eltern mit ihren Sorgen nicht ernst genommen (immerhin muss der Kinderarzt nicht alle 30 Minuten in der Nacht aufstehen um ein schreiendes Kind zu beruhigen). Einige von ihnen landen irgendwann bei einem Experten und der hat die Diagnose: KISS-Syndrom, ganz klar! Eine Blockade im Halswirbel kann man röntgen und behandeln, chiropraktisch oder craniosacral, kommt ganz darauf an. Bisher habe ich noch niemanden getroffen, der sich gewundert hätte, dass ein Kind trotz behandeltem KISS-Syndrom Symptome einer ASS zeigt. Die Eltern haben je- doch eine unmittelbare Erklärung für das Schreien ihres Kindes, mag es auch eine falsche sein; eine Behandlung, sei sie auch unplausibel, und vor allem einen verständnisvollen Therapeuten. Den Rest erledigen Placebo-Effekte, die Regression zur Mitte und die normale Entwicklung des Kindes.

CEASE

Mit CEASE hat uns der Homöopath und Arzt Tinus Smits die in ihrer komplexen Schlichtheit eleganteste Pseudotherapie für Autismus entwickelt. CEASE steht für „Complete Elimination of Autism Spectrum Effects“ ein ziemlich mutiger Name, denn hier wird Heilung versprochen, wo es keine gibt. Smits gibt in seinem Buch „Beyond Autism“ an, er habe bereits mehr als 300 Fälle von Autismus geheilt. Und das, obwohl er hohe Maßstäbe an sich setzt. In „Autism Beyond Despair“ (Smits 2010) erwähnt er an vielen Stellen, die Heilung eines Kindes sei ihm noch nicht vollständig gelungen, und er beschreibt, wie er auch noch die letzte Verhaltensauffälligkeit wegtherapiert.

Im Falle von CEASE dient Homöopathie nicht nur der Therapie, sondern auch der Diagnostik. Nach einer Anamnese von beliebigem Umfang beginnt Smits mit der „Entgiftung“ der von ihm für den größten Schaden verantwortlich gemachten Noxe (Schadstoff im weiteren Sinn).

Der Schaden besteht, wenig überraschend, in blockierter Energie. Smits hält ASS für das Resultat von Energieblockaden, welche auch aus einem Mangel an Inkarnation (!) resultieren können. Meist sind eine oder mehrere Impfungen verantwortlich, der Impfstoff wird homöopathisch potenziert und in steigender Potenz verabreicht. Dieses Verfahren nennt sich Isopathie, weil als Heilmittel der „Schadstoff“ selbst genommen wird. Stellt sich nach Wochen oder Monaten keine Besserung ein, war die potenzierte Noxe nicht der Auslöser, und der Therapeut nimmt sich der nächsten möglicherweise verantwortlichen Noxe an. Da es auch Fälle von ungeimpften Kindern gibt, geht Smits davon aus, dass Autismus durch mehrere Faktoren hervorgerufen wird. Stellt sich keine Besserung ein, war diese Noxe nicht der Auslöser und es wird das nächste Mittel probiert. An dieser Stelle spielen dem Therapeuten zwei Dinge in die Hand: Zum einen die Zeit. Viele Eltern gehen Monate und Jahre von Anlaufstelle zu Anlaufstelle, bevor die Diagnose gestellt wird. Je später man beim CEASE-Therapeuten landet, desto höher die Chance einer Besserung in der Zeit der Therapie. Kommt es nicht gleich zur Besserung, bleiben viele Noxen übrig, an denen man jahrelang herumprobieren kann. Smits hat mit dieser Methode u.a. folgende Stoffe ausgemacht, die Autismus (mit-)verursachen können:

  • Impfstoffe,
  • Antibiotika in der Schwangerschaft (eigentlich jedes Medikament in der Schwangerschaft),
  • Narkosemittel unter der Geburt,
  • Lokalanästhesie,
  • Nasentropfen,
  • Milch (in Plastikflaschen in der Mikrowelle erwärmt).

Wie mögen Eltern sich fühlen, wenn ihnen im Rahmen von CEASE eröffnet wird, durch welche Dinge sie ihrem Kind geschadet haben sollen?

Sollten nach der Isotherapie noch Symptome bleiben, die der CEASE-Therapeut für behandlungswürdig hält, geht er zur „Inspirational Homeopathy“ über. Auch diese Methode ist eine Erfindung von Smits. Der Mensch wird dabei gesehen wie eine Zwiebel, mit einzelnen Symptom-Schichten, die von bestimmten Homöopathika abgetragen werden, bis man an den Kern gelangt.Die Reihenfolge ist immer gleich. Nur die äußerste Symptomschicht ist der klassischen Homöopathie nach Hahnemann mit ihrer individuellen Mittelwahl zugänglich. Während der gesamten Therapie werden Vitamine und andere Substanzen der orthomolekularen Medizin, sogenannte Vitalstoffe (Vitamine, Mineralien und Omega-Fettsäuren), in recht hoher Dosierung angewendet, um die Heilung und Detoxifikation zu unterstützen. Kernthese der orthomolekularen Medizin ist die Schädlichkeit freier Radikaler, welche durch Radikalfänger (Antioxidantien) neutralisiert werden. Mittlerweile ist die Sicht auf freie Radikale jedoch deutlich differenzierter, als Vertreter der Methode es darstellen.4

Es gäbe durchaus einen Mechanismus, über den die CEASE-Therapie einen positiven Effekt für die Kinder haben könnte. Durch die regelmäßige Einnahme von verschiedenen Mittelchen könnten die Familien den Tagesablauf gut strukturieren. Menschen mit Autismus werden durch regelmäßig und verlässlich geschehende Dinge in einem Maße beruhigt, wie es für neurotypische Menschen schwer vorstellbar ist; jede Form von Ritual ist besser als Unsicherheit. Deshalb könnte allein schon die Tagesstruktur zu einer Besserung führen.

Smits arbeitet mit Potenzen weit jenseits von C30. Auch C1000 wird regelmäßig eingesetzt, eines seiner liebsten Mittel war seine eigene Idee: Saccharum officinale. Das ist nichts anderes als Haushaltszucker (Saccharose), der Grundstoff, aus dem heute die meisten Globuli hergestellt werden.

Antibiotika gegen Autismus

Die mögliche Verbindung zwischen Autismus und dem kindlichen Verdauungstrakt wurde Ende der 90er von Andrew Wake- field einem breiten Publikum vermittelt. Bekanntheit erlangte Wakefield mit der Behauptung, die Masern-Mumps-Röteln- Impfung sei für viele Fälle von ASS verantwortlich. Diese Aussage stützte er auf einer Studie, in der er bei mehreren Kindern mit ASS während einer Darmspiegelung Proben aus dem Darm entnommen und dort entzündete Lymphknoten gefunden hatte.5 Oder dies zumindest behauptet, denn in einem Gerichtsprozess in den USA sagte ein ehemaliger Labormitarbeiter Wakefields aus, er habe bei allen untersuchten Proben keine Auffälligkeiten gesehen und dieses Wakefield auch mitgeteilt.

Nicht nur aus diesem Grund ist Wakefields Reputation erheblich angekratzt. So erhielt er 800000 $ vom Anwalt einer Elterngruppe, die versuchte, die ASS ihrer Kinder als Impfschaden anerkennen zu lassen. Das Geld stammte aus Prozesskostenhilfe. Ferner verschwieg Wakefield bei der Veröffentlichung seiner Ergebnisse, dass er ein Patent für einen Maserneinzelimpfstoff besaß. Als diese und andere Fakten ans Tageslicht kamen, distanzierten sich die Mitautoren des Papers von der Publikation. Das Paper wurde zurückgezogen und Wakefield verlor seine Zulassung als Arzt. In der Gemeinde der Impfgegner gilt er bis heute als Held. Doch die Idee, der Darm könnte etwas mit ASS zu tun haben, wurde auch von anderer Seite verfolgt. Nachdem einem Kleinkind mit ASS im Rahmen einer Untersuchung der Bauchspeicheldrüsenfunktion das Hormon Sekretin gespritzt worden war, bemerkte die Mutter, dass sich die Symptome des Autismus verbesserten. Die Mutter und der Arzt waren von einem Zusammenhang zwischen Sekretin und Besserung überzeugt, und machten dies öffentlich. Ärzte begannen die Behandlung durchzuführen, und die Nachricht, Sekretin könne Autismus heilen, verbreitete Hoffnung in der Welt. Doch als die vermeintliche Heilung systematisch untersucht wurde, blieb nichts von der Behauptung übrig.6 Dennoch wollten viele Eltern, die an der Studie teilgenommen hatten, die Behandlung weiter durchführen, weil sie vom Effekt überzeugt waren (Offit 2008). Und es dauerte Jahre, bis die Therapie wieder weitestgehend verschwand.

Ähnlich war es bei den casein- und glutenfreien Diäten, die auch heute noch eine gewisse Rolle spielen. Hier gab es auch einen postulierten Mechanismus. Substanzen aus dem Darm sollten über die, durch Gluten und Casein geschädigte, Darmwand in das Blut und von dort ins Hirn gelangen, wo sie einen Beitrag zum Autismus leisten. Auch hier gibt es nur eine geringe Plausibilität und wenige Hinweise auf einen Zusammenhang.7 Ähnlich wie bei der umfassenden Behandlung im Rahmen des CEASE-Programms könnte eine strenge Diät und die damit verbundene bessere Strukturierung im Tagesablauf für die Verbesserung gesorgt haben.

Einen weiteren Schub für die Hypothese der „Darm-Hirn-Achse“ brachte eine Pilotstudie von 2001, bei der Veränderungen der Symptomatik durch das Antibiotikum Vancomycin bei elf Kindern mit ASS untersucht wurden (Sandler et al. 2000). Vancomycin hat den Vorteil, dass es nicht vom Darm resorbiert wird und seine Wirkung nur dort zeigt. Allerdings gehört es zu den wenigen Antibiotika, welche gegen Multiresistente Staphylokokken (MRSA) eingesetzt werden können, harmlos ist es nicht. Um zu verstehen, wie man auf die Idee kommt, ein Reserve-Antibiotikum an Kinder ohne Zeichen für eine entsprechende Infektion zu verabreichen, muss man einen Schritt zurückgehen.

Mit der Aufnahme von Autismus ins Klassifikationssystem DSM-III im Jahr 1984 wurde über dessen Ursachen spekuliert. Dabei wurde immer wieder der Einfluss des Immunsystems diskutiert. Einige betroffene Eltern glaubten, ihre Kinder hätten aufgrund ihres „schwachen“ Immunsystems häufiger Mittelohrentzündungen als Kinder ohne ASS. Mittelohrentzündungen wurden oft mit Antibiotika behandelt, dadurch soll die Darmflora geschädigt worden sein. Solch eine Schädigung ist durchaus vorstellbar, doch die darauf aufbauenden Behauptungen verlieren sich in bloßer Spekulation.

So sollen sich aufgrund der Schädigung dauerhaft „schlechte“ Bakterien den Darm angesiedelt haben. Speziell der Keim Clostridium difficile wurde verdächtigt, mittellange Fettsäuren, insbesondere „Propionsäure“, zu produzieren, die über das Blut ins Hirn gelangen und dort für Veränderungen sorgen sollten, die den Autismus auslösten. Diese Argumentationskette hat so viele schwache Glieder, dass sie ihr eigenes Gewicht nicht hält. Weder leiden Kinder mit Autismus häufiger unter Mittelohrentzündungen, noch verändern Antibiotika die Darmflora dauerhaft.

Die Clostridien produzieren keineswegs solche Mengen Propionsäure, dass die Konzentration relevant hoch wird, und der Stoff durchdringt auch nicht die Blut-Hirn-Schranke. Natürlich kann keine Rede davon sein, all dies würde Autismussymptome hervorrufen. In der Pilotstudie fanden die Autoren signifikante Verbesserungen in der Symptomatik der behandelten Kinder. Doch es gab weder eine Kontrollgruppe noch eine Verblindung der Behandler oder der Eltern. Die Eltern waren selektiert, weil sie von vornherein der Ansicht waren, ihre Kinder hätten eine „zerstörte“ Darmflora. Die verblindete Bewertung des Verhaltens der Kinder durch einen Kinderpsychiater anhand von 30 Minuten Videomaterial vor und während der Behandlung spielt in dem Paper kaum eine Rolle. Es wird nur erwähnt, dass hier ein weniger deutlicher Effekt zu sehen gewesen sei (Sandler et al. 2000).

In einem Konsensuspapier wurde 2010 dargelegt, dass es keine Hinweise für eine kausale Beteiligung des Darms an der Entstehung von ASS gibt und dass die bisher vorgelegten Ergebnisse bei weitem nicht ausreichen, um darauf eine Therapie zu basieren.8 Der Nobelpreisträger für Medizin von 2008 Luc Montagnier hat es dennoch getan. Er hat eine Methode zum Nachweis von abgelaufenen Infektionen entwickelt, die an Sensitivität alles in den Schatten stellt, was man heute in Labors findet. Wenn die Methode replizierbar wird, können dem Nobelpreis in Medizin einer in Physik folgen.

Wahrscheinlicher ist, dass Montagnier unter der „Nobel Disease“9 leidet, einem Phänomen, dem auch die Reputation von Linus Pauling zum Opfer gefallen ist. Montagnier behauptete in einem Paper 2009 die „elektromagnetischen Schwingungen“ von Bakterien-DNA noch nachweisen zu können, wenn diese soweit verdünnt war, dass in der Lösung kein Molekül mehr vorhanden sein dürfte. Das klingt irgendwie vertraut. Daher dürfte es nicht verwundern, dass das Gerät, welches zum „Messen“ der Schwingungen genutzt wurde, ursprünglich dazu diente, die Informationen homöopathischer Mittelchen zu digitalisieren und per E-Mail zu verschicken.10 Montagnier nutzt seine diagnostische Methode, um bei Kindern mit ASS Hinweise auf abgelaufene bakterielle Infektionen zu finden und sie langfristig (über Wochen bis Monate) mit Antibiotika zu behandeln. In einem Interview im Rahmen einer ARTE-Sendung zu dem Thema gibt er an, mit dieser Methode gute Ergebnisse zu erzielen.11 Als Alternative würde ich die zwar wirkungslose, aber zumindest ungefährliche psychoanalytische Therapie des Autismus vorziehen, die in Frankreich immer noch einen gewissen Stellenwert haben soll.

Schluss

Für die Behandlung von Menschen mit Autismus benötigt man eine der knappsten Ressourcen im heutigen Gesundheitssystem: Zeit. Zeitmangel und gehetztes Personal werden als häufigste Gründe angegeben, warum pseudomedizinische Methoden in anderen Bereichen so beliebt sind. Beim Thema Autismus greift dieses Argument in der Regel nicht. Eltern wollen alles unternehmen, was ihrem Kind nutzen könnte. Und wenn es Anbieter für Therapien gibt, die einen Nutzen versprechen, werden diese angenommen. Das ist nicht nur das Recht der Eltern, es ist, in gewissem Maße, ihre Pflicht. In unserer Welt kann ein Einzelner nicht mehr alles wissen und vollständig verstehen, sondern ist auf Informationen anderer angewiesen. So vertrauen Anwender, in diesem Fall die Eltern von Kindern mit Autismus, auf das Wissen, die Ausbildung und die Erfahrung von Anbietern. Diese glauben in der Regel an ihre Methoden und sind auch durch widersprechende Fakten nicht davon abzubringen sind. Dennoch sind sie es, die in den Fokus der Kritik gehören.

Den Anwendern sollten wir, als Skeptiker und Skeptikerinnen, im Rahmen unserer Möglichkeiten zur Seite stehen. Dazu gehört, kritisch über die Methoden der Anbieter zu berichten ohne die Anwender zu ver- und ihre Entscheidung zu beurteilen. Denn wenn wir die Realität der Betroffenen, ihre Wünsche und Bedürfnisse ignorieren, wird aus einem offenen ein autistischer Skeptizismus.

Craniosacrale-Therapie
Vorwissenschaftliche Methode der Osteopathie. Schädelnähte erinnerten den Osteopathen Sutherland Anfang des 20. Jahrhunderts an Fischkie- men und er postulierte, sie dienten der Atmung. Dieses als „craniosacraler Rhythmus“ bezeichnete Phänomen wollen Therapeuten anhand von Bewegungen der Schädelknochen gegeneinander spüren. Diese sind möglich, jedoch so gering, dass menschliche Sinneszellen sie nicht „auflösen“ können. Bei einem Test 1994 waren die von Therapeuten getroffenen Aussagen nicht replizierbar, nicht einmal vom selben Therapeuten, beim selben Patienten.

Gestützte Kommunikation
Auch Faciliated Communication (FC) genannt. Ein Stützer versucht Impulse des Gestützten zu interpretieren und die vom Gestützten intendierte Bewegung auszuführen. Grundgedanke ist die höchstspekulative Annahme, dass die gestützte Person ihre Äußerungen zwar denken, aber nicht ausführen kann. In systematischen Untersuchungen konnte bisher nur gezeigt werden, dass die gemachten Äußerungen von Stützer stammten (Offit 2008). In Deutschland bietet das „FC-Netz“ Ausbildungen in FC an und erhebt wissenschaftlichen Anspruch.

Literatur

  • Fein et al. (2013): Optimal outcome in individuals with a history of autism. Journal of child psychology and psychiatry. 54, 2 195–205.
  • Freitag, C. M (2012): Autistische Störungen – State-of- the-Art und neuere Entwicklungen. In. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie, 40, 3/2012, S. 139–149.
  • Hülse, M. (2005): Die obere Halswirbelsäule: Pathophysiologie und Klinik. Springer, Heidelberg.
  • King, M. et al. (2009): Diagnostic change and the increased prevalence of autism. Int J Epidemiol. 2009 October; 38(5): 1224–1234.
  • Offit, P. (2008): Autism’s False Prophets: Bad Science, Risky Medicine, and the Search for a Cure. Columbia University Press, New York City.
  • Sandler, R. H. et al. (2000): Short-term Benefit From Oral Vancomycin Treatment of Regressive-Onset Autism. J Child Neurol July 2000, vol. 15, 7, 429–435.
  • Smits, T. (2010): Autism Beyond Despair. Hoemopathy Has the Answers. Emryss Publishers, Haarlem.

Quellen:

  1. http://www.neuropaediatrie.com/uploads/ media/Kiss_und_Arlen_neu._01.pdf, Zugriff am 29.07.2013
  2. http://kiss-therapie.de/kiss.php, Zugriff am 28.07.2013.
  3. http://www.neuropaediatrie.com/uploads/ media/Kiss_und_Arlen_neu._01.pdf, Zugriff am 29.07.2013.
  4. http://www.arznei-telegramm.de/html/sonder/1301015_02.html, Zugriff am 28.07.2013.
  5. http://briandeer.com/wakefield-deer.htm, Zugriff am 29.07.2013.
  6. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD003495.pub3/abstract, Zugriff am 29.07.2013.
  7. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD003498.pub3/abstract, Zugriff am 29.07.2013.
  8. Evaluation, Diagnosis, and Treatment of Gastrointestinal Disorders in Individuals With ASDS: A Consensus Report. http://pediatrics. aappublications.org/content/125/Supplement_1/S1.short, Zugriff am 29.07.2013.
  9. http://rationalwiki.org/wiki/Nobel_disease, Zugriff am 29.07.2013.
  10. http://www.quackometer.net/blog/2009/10/ why-i-am-nominating-luc-montagnier-for. html, Zugriff am 28.07.2013.
  11. Siehe dazu auch Luc Montangiers Vortrag „The Microbial Track“, http://www.autismone.org/content/microbial-trac, Zugriff am 15.08.2013.
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Autismus: Natürlicher Verlauf als Heilung verkauft.

Über Homöopathie als Therapie bei Autismus hatte ich ja bereits im Rahmen der CEASE-Therapie geschrieben: sie ist wirkungslos, jedoch nicht ohne Folgen. Nun bin ich über einen Beitrag auf den Seiten des Narayana-Verlags, einem Vertreiber homöopathischer Literatur, gestoßen, der exemplarisch aufzeigt, wie man im Grunde alles zu einer „Heilung“ umdefinieren kann. Beschrieben wird die Geschichte eines Jungen, den der Autor mit vier Jahren das erste mal sieht. Er gibt ihm ein Mittelchen, was auf einige seiner Symptome passt:

„Auf der Grundlage meiner Beobachtungen gab ich Ginuwine Barium muriaticum 200 K, eine Gabe alle 4 Wochen. Dieses Mittel passte zu seiner Entwicklungs- und Sprach-Retardierung sowie zu einigen seiner körperlichen Symptome.“

Interessant an dieser Aussage ist, dass das Mittel, nach allem, was ich von Homöopathie weiß, eigentlich nicht korrekt ausgesucht worden ist. Nach dem Simile Prinzip muss das „ähnlichste Mittel“ gefunden werden. Dabei geht es darum eine Mittel zu finden, dessen Arzneimittelbild (die Symptome, die es beim Gesunden hervorruft) zur Erkrankung des Patienten passt. Dabei muss man das Symptom finden, welches am individuellsten ist. Außerdem werden „geistige“ Symptome höher bewertet, als körperliche. Eine kurze Recherche nach Barium muriaticum zeigt:

„BARIUM CARBONICUM gilt als wichtiges Mittel für Kinder, sowohl konstitutionell als auch situativ. Spätentwickelte oder nicht entwickelte Kinder: lernt spät gehen, späte Zahnung,…
In der Literatur wird besonders der große Nutzen des Arzneimittels bei retardierten und behinderten Kindern, etwa bei Trisomie 21 betont: Stumpfheit bei Kindern“

Kinder mit Autismus und Kinder mit einer Trisomie 21 (ohne Autismus!) zeigen deutliche Unterschiede im Verhalten. Mir erscheint das nicht sehr individuell ausgesucht. Nach dem Motto: „Behinderte, kennste einen, kennste allen.“

Egal, es geht ja um etwas anderes, nämlich den Verlauf. Der Autor schreibt über seien Erfolg mit seinem Mittel:

„Er spricht mehr und seine Sprache ist deutlicher geworden. Sein Essverhalten hat sich verändert: er isst jetzt Dinge, die er vorher nie gegessen hat.

Fünf Monate später: Die Besserung schreitet fort. Er beantwortet Fragen, während er früher er nur mit Echolalie reagierte. Er kann benennen, was er in Büchern sieht.“

Autismus drückt sich nicht durch einen Entwicklungsstillstand, sondern u.a. (!) und z.T. (!) eine Verzögerung in bestimmten Bereichen aus. Es ist durchaus zu erwarten, dass ein Kind sich entwickelt. Von ganz alleine ein bisschen und mit Förderung deutlich mehr.

„Im Januar 2004 verließ er die therapeutische Kinderkrippe und wurde in eine Schule für Lernbehinderte eingeschult, was mehr war, als seine Eltern und Betreuer je von ihm erwartet hatten.

Dann kam eine Zeit, wo er keine weiteren Fortschritte mehr machte, was für mich ein Zeichen war, dass er ein anderes Mittel benötigte. Er bekommt nun Helium 200 K, zwei Globuli einmal monatlich.“

Diese beiden Absätze zeigen sehr eindrücklich, dass der Autor wenig Erfahrung mit Kindern mit Autismus hat. Wechsel fallen Menschen mit Autismus häufig schwer. Es ist häufig zu beobachten, dass Kinder, die einer größeren Veränderung ausgesetzt sind, und der Schuleintritt gehört dazu, nicht nur stagnieren, sondern zeitweise sogar Rückschritte machen. Für die Familien kann das sehr frustrierend sein, wenn die mühsam gemachten Fortschritte dahinschmelzen. In der Regel kommen sie jedoch wieder, sobald das Kind in der neuen Umgebung angekommen ist. Solche Wechsel sollten daher gut begleitet werden.

Springen wir an das Ende des Artikels:

Frage von Alex Leupen an die Eltern: Wie sehen Sie die Zukunft für Ginuwine?

Antwort der Eltern: Er wird wahrscheinlich in einer therapeutischen Lebensgemeinschaft leben. Im Moment lernt er lesen und schreiben. Auch in der Schule konnten sie uns nicht sicher sagen, was für Fortschritte er noch machen kann; so freuen wir uns über jeden kleinen Fortschritt, den er macht.

Die hier beschriebene Entwicklung ist nichts Ungewöhnliches. Globuli benötigt man dazu nicht. Der Autor scheint sich jedoch diesen nicht ungewöhnlichen Verlauf als Erfolg an die Brust pinnen zu wollen. Die „göttliche Homöopathie“ hat es wieder allen gezeigt.

Eine verwertbare Aussage des Autoren findet sich dann doch noch im Text:

Sobald Sie bemerken, dass sich Ihr Kind nicht normal entwickelt, müssen Sie etwas unternehmen. Egal, wie schwer es ist, Sie müssen versuchen zu akzeptieren, dass Ihr Kind anders ist und sich anders verhält. Je früher eine Diagnose gestellt wird, desto besser.

Genau und dann gehen Sie zur nächsten Autismusambulanz, Autismuszentrum, Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulanz oder einem Sozialpädiatrischem Zentrum (je nachdem, was vor Ort zu finden ist), zu Menschen die sich mit Autismus auskennen.

Meine Nominierung für das goldene Brett: DZVhÄ

Es ist wieder so weit: In Wien wird am 29.11.13 das Goldene Brett vorm Kopf verliehen.

Ich habe den Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) nominiert. Der DZVhÄ gab einer im September in Mühlheim an der Ruhr abgehaltenen Veranstaltung seinen Segen. Auf dieser Veranstaltung wurden CEASE-Therapeuten ausgebildet. Über die CEASE-Therapie habe ich unter anderem in meinem Vortrag im Rahmen der GWUP-Konferenz in Köln gesprochen und sie im Artikel über Pseudomedizin bei Autismus im Skeptiker thematisiert. Zum schnellen einlesen ist dieser Artikel im Wiki von Psiram.com ausreichend:

CEASE ist ein Akronym für Complete Elimination of Autistic Spectrum Expression[1] und wurde vom niederländischen Homöopathen Tinus Smits (29. Dezember 1946 – 1. April 2010) als Therapie bei tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, insbesondere Autismusspektrumsstörungen, erdacht. Smits behauptete, mit seiner Methode über 300 Kinder von Autismus geheilt zu haben. Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand ist Autismus nicht heilbar, mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen lassen sich jedoch deutliche Besserungen in der Symptomatik erreichen. Seine Methode veröffentlichte Smits 2010 in einem Buch, dessen Vorwort von J.B. Handley stammt, einem Mitbegründer von Generation Rescue, einer von der Impfgegnerin Jenny McCarthy gegründeten Organisation.[2]
CEASE ist aus mehreren pseudomedizinischen Therapieformen zusammengesetzt:

  • Homöopathie
    • Isotherapie
    • Klassische Homöopathie
    • „Inspiring“ Homöopathie

Sieht man einmal von den Ideen ab, die hinter CEASE stehen, hat es ganz praktische Auswirkungen auf das Leben von betroffenen Familien, wenn sie sich in die Hände eines CEASE-Therapeuten begeben. Es ist ziemlich sicher, dass eine möglichst früh beginnende „konventionelle“ Therapie die Prognose der Kinder verbessert. Es gibt für viele Fähigkeiten bestimmte „Entwicklungsfenster“, in denen es deutlich leichter fällt, diese zu erlernen. Wer seine Zeit in die CEASE-Therapie investiert, verpasst andere Möglichkeiten, wirksame Möglichkeiten.

Natürlich hindert eine CEASE-Therapie nicht prinzipiell daran, alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Doch die Ressourcen der betroffenen Kinder und Familien sind begrenzt. Finanzielle Ressourcen. Zeitliche Ressourcen. Motivation: je mehr Therapien ein Kind macht, desto höher die Gefahr, dass es Therapiemüde wird. Eltern und Therapeuten die schon länger dabei sind, wissen, dass es manchmal auch Therapiepausen geben muss. Je mehr Therapie, desto eher eine Therapiepause. Ärgerlich, wenn eine der Therapien wirkungslos ist.

In der Fortbildung in Mühlheim an der Ruhr müssen den angehenden Therapeuten in knapp drei Tagen neben der (Pseudo)Therapie auch die Grundlagen und die Diagnostik von Autismus beigebracht werden. Das ist ein Witz, leider ein schlechter. Allein, um den Goldstandard der Autismusdiagnostik, das Autism Diagnostic Interview-Revised (ADI-R) und das Autism Diagnostic Observation Schedule (ADOS) zu erlernen, muss man einen Kurs besuchen, der 3,5 Tage dauert.

Da gab es also einen Kurs, in dem eine Therapie vermittelt wurde, die bei Autismus unmöglich helfen kann, jedoch eine Heilung verspricht. Eine Therapie welche die Eltern selbst zahlen müssen und die sich an Kinder richtet, die sich nicht dagegen wehren können. Ein Kurs dessen Dauer dem Krankheitsbild Autismus unmöglich gerecht werden kann. Und der DZVhÄ gibt sowohl dem Kurs, wie auch der Therapie sein Qualitätssiegel.

Das verdient die Nominierung für das Goldene Brett.

Stammzellen gegen Autismus? Fuck off!

Manchmal bekomme ich Links geschickt, mit der Frage, ob diese oder jene Therapie etwas gegen Autismus sei. Meist sind es Diäten oder Vitaminpillen, nutzloses aber eher harmloses Zeug. Aber manchmal fällt mir auch einfach die Kinnlade runter:

Seit dem Jahr 2005 hat Beike Biotech über 150 Autismus Patienten mit Stammzellen behandelt.

Genau, eine Methode, die wenig erforscht ist, aber das Potential hat, Tumore wachsen zu lassen, wird an Kindern mit Autismus ausprobiert. Zur Behandlung muss man nach China reisen:

Neben der nachgewiesen Sicherheit der Behandlung sind wir auch von den Behandlungserfolgen überzeugt. Leider ist aus unterschiedlichsten Gründen diese Behandlung zur Zeit nicht in Europa oder in den USA möglich. Wer nicht darauf warten kann oder will, dass auch diese Länder das Potenzial einer Stammzellbehandlung erkennen, muss zu Beike Biotech nach China reisen.

Na, wenn Ihr überzeugt seit, muss sich die Reise nach China ja lohnen. Die Fallgeschichten sprechen ja für sich. Ein ziemlich sicheres Zeichen für Scharlatane im medizinischen Bereich sind Fallgeschichten um die Wirksamkeit einer Therapie zu belegen.

Die Menschen von Beike kennen sich so gut mit Autismus aus, dass sie sogar „bisherige“ Therapiemöglichkeiten nennen:

Die aktuellen Behandlungsformen lassen sich in entwicklungs- und ernährungsbezogene sowie medizinische Ansätze differenzieren, aber alle genannten Therapieformen sind limitiert. Gleichzeitig werden zahlreiche klinische Studien durchgeführt, die von hyperbaren Sauerstofftherapien über die Verabreichung von Zink und der Gabe von Medikamenten mit entzündungshemmenden Eigenschaften reichen. Da aber bedauerlicherweise die Krankheitsursache bis heute nicht gefunden werden konnte, werden die angesprochenen Behandlungsansätze mit unterschiedlichem Erfolg durchgeführt.

Kein Wort von Verhaltenstherapie und Strukturierung, dafür viele unseriöse Methoden. Die Botschaft lautet somit: „Wenn sie von bisherigen unseriösen Methoden enttäuscht sind, probieren Sie doch mal unsere unseriöse Methode. Wir spritzen ihrem Kind dafür ein Mischung unbekannter Substanzen mit unbekannter Wirkung ins Blut und ins Rückenmark. Wenn das nicht hilft, wissen wir auch nicht weiter.“

Gut auch, dass bis heute keine Ursache gefunden wurde, wir aber fröhlich drauflos injizieren. Immerhin, im Preis ist sogar der Flughafentransfer (nicht der Flug) enthalten:

Die Kosten für eine Behandlung liegen bei $17,500 bis zu $30,000. Die meisten Behandlungen kosten zwischen $18,000 und $26,000. Der Preis schließt neben der Injektion der Stammzellen auch den Flughafentransfer, alle bei Ankunft im Krankenhaus vorzunehmenden Tests und Untersuchungen, ein Krankenhauszimmer mit einem zusätzlichen Bett für den Betreuer des Patienten (…).

Alles was ich zu Stammzellen und Autismus finden konnte, ist Grundlagenforschung, die noch nicht den Sprung aus der Petrischale ins Tiermodell geschafft hat. Wer möchte, dass etwas für 20 000 Euro an seinem Kind ausprobiert wird, was seriöse ForscherInnen noch nicht mal Ratten zumuten, für den ist China das Land der Träume.

[Da Verlinkungen das Google-Ranking einer Seite verbessern, habe ich darauf verzichtet. Wer die Seite sehen will, nehme einfach eines der Zitate und kopiere sie in einer Suchmaschine seiner oder ihrer Wahl]

Autisten an die Rechner

Wenn ich mir anschaue, wie viele Medien in den letzten 48 Stunden über den Plan von SAP berichtet haben, muss ich leider als Erstes an eine PR-Aktion denken. Das Thema quillt aus allen Newstickern. Es wäre natürlich toll, in erster Linie für Menschen mit einer Autismusspektrumsstörung, wenn SAP tatsächlich 650 von ihnen einstellen würde. Trotzdem lässt mich diese Ankündigung ein wenig skeptisch zurück.

Ob sich SAP der Verantwortung bewusst, ist, die ein solcher Schritt bedeutet? Kai Vogeley gibt im Ärzteblatt 5 Antworten zum Thema Autismus und SAP.

Die Patienten brauchen in meiner Einschätzung eine persönliche Betreuung auf zwei Ebenen: Nötig sind einmal Jobcoaches oder Arbeitstrainer, die in der Lage sind, konkrete Schwierigkeiten im Arbeitsalltag konkret aufzulösen. Das können auch Psycho­logen oder Sozialarbeiter sein. Außerdem brauchen die Patienten eine psychiatrische Betreuung, um die möglichen Belastungssituationen am Arbeitsplatz zu begleiten und um Begleiterkrankungen zu erkennen und zu behandeln. Viele Autisten leiden zum Beispiel zusätzlich unter Depressionen.

Natürlich sind die SAP-Spezialisten dann in erster Linie Arbeitnehmer und nicht Patienten. Doch es sind Arbeitnehmer mit besonderen Bedürfnissen, die besondere Rahmenbedingungen benötigen. Ist SAP bereit diese Rahmenbedingungen zu schaffen und, was entscheidend ist, dafür zu zahlen?

In der Berichterstattung zu dem Thema und auch in der Pressemitteilung fällt auf, dass mit Klischees nur so um sich geworfen wird. SAP schreibt von „einzigartigen Talenten von Menschen mit Autismus“ als seien die „ein Prozent der Weltbevölkerung“ mit Autismus damit ausreichend beschrieben. Folgt man Simon Baron Cohen, haben Menschen mit Autismus ein besonderes Talent zu systematisieren. Also müssen (!) sie einfach ideal für Informatik und Zahlen sein. Doch ob man es glaubt oder nicht, es gibt Menschen mit Autismus, die haben keine Interesse an und keinen Sinn für Zahlen. Viele können nicht einmal rechnen*…das heißt natürlich nicht, dass sie nicht trotzdem besondere Fähigkeiten hätten, nur ist SAP an denen wahrscheinlich nicht interessiert.

Wenn von einem Prozent an Menschen mit Autismus gesprochen wird, erfüllt davon nur der geringste Teil überhaupt die Grundvorraussetzungen für eine Tätigkeit bei einem Unternehmen. Meine Befürchtung ist, dass SAP hier einen PR-Coup landet und vielen Menschen Hoffnungen macht, die nicht erfüllt werden.

Was ist, wenn SAP mit diesen „besonderen Fähigkeiten“ einem Mythos aufsitzt. Dem Mythos vom genialen Autisten, dessen Talent nur nicht in richtige Bahnen gelenkt wurde. Das vermittelt ein sehr einfaches Bild von Autismus und Menschen die eine Autismusspektrumsstörung haben. So als wäre das einzige Problem, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, die Besonderen Fähigkeiten von Menschen mit Autismus zu nutzen.

Und beim „nutzen“ bekomme ich auch ein wenig Bauchschmerzen. Natürlich nutzt jeder Arbeitgeber die Fähigkeiten seiner Angestellten. Nur kann es bei Menschen mit einer ASS dazu führen, dass andere Bereiche darunter leiden. Natürlich kann sich SAP nur Angestellte wünschen, die sich 16 Stunden am Tag in ihre Arbeit vertiefen und nichts anderes machen**. Ob das für die langfristige Entwicklung der Autonomie seiner Angestellten hilfreich ist, sei einmal dahingestellt.

[Edit: 26.05.2013 12 Uhr]

Vielleicht bin ich doch zu pessimistisch? Bei RP-online ist gestern eine Meldung veröffentlicht worden. Darin wird über Menschen mit einer ASS berichtet, die bei Vodafone arbeiten. Besonders der letzte Absatz ist sehr positiv:

Das erste Fazit hat alle Beteiligten verblüfft. Marc Ruckebier beobachtet, wie sich das soziale Klima in den Abteilungen, in denen Autisten eingesetzt werden, verbessert hat. Fabian Hoff berichtet, seine Zukunftsängste hätten sich in Luft aufgelöst. Nina Dohle war letztes Wochenende mit Kollegen auf der Jazz-Rallye – mit einigen tausend anderen Gästen. Allein der Gedanke wäre ihr vor ein paar Monaten unerträglich gewesen. Die Kooperationspartner von Vodafone und Auticon möchten die Erkenntnis weiter geben, „dass nur ein bisschen Umdenken notwendig ist, um eine Situation grundlegend zu verbessern“. Nach ihrer Einschätzung stehen alle Zeichen dafür, dass dies eine Erfolgsgeschichte „made in Düsseldorf“ wird.

Ein schaler Beigeschmack bleibt, denn das Timing erweckt bei mir den Eindruck einer Werbeaktion „Wir haben auch Autisten“. Es bleibt zu hoffen, dass bei all der Berichterstattung über Menschen mit hochfunktionalem Autismus die anderen nicht vergessen werden.

*Zwischen 25 und 50% von Menschen mit einer ASS weisen eine geistige Behinderung auf, also einen IQ unter 70.

** Klischees kann ich auch.

Mehr Autismus aus dem Darm

Es ist gerade mal eine Woche her, dass ich auf der GWUP-Konferenz über Pseudomedizin und Autismus gesprochen habe. Den Schwerpunkt habe ich dabei auf eine postulierte „Darm-Hirn-Achse“ gelegt. Und gestern lese ich bei sciencebasedmedicine von der „GAPS Diet„. GAPS steht für „Gut and Psychology Syndrome“ und ist damit ein noch weitreichenderes Konzept als Prof. Montagnier und andere postulieren. Aber es schließt Autismus mit ein, was die Quarks sicher beruhigen wird. Die „Therapie“ besteht, in groben Zügen aus hungern, Eigelb (roh) und Entgiftung. Entgiftet wird u.a. mit Saft, Bädern und Pro-Biotika.

Das Konzept passt zu einem Thema, welches mir in letzter Zeit immer öfter auffällt. Neue Erkenntnisse zeigen, dass wir die Rolle der Darmflora auf unsere Gesundheit in der Vergangenheit unterschätzt haben und die Riege der Pseudotherapeuten fängt an, sie zu überschätzen. Immerhin können sie sich auf Hippokrates berufen, der hat auch schon gesagt, alle Krankheit komme aus dem Bauch, na dann!

Wenn ich mir vorstelle, wie ein Kind mit Autismus auf so eine Hunger-Kur reagiert, wird mir ganz anders. Perfekt ist natürlich, dass eine Verhaltensverschlechterung (die ziemlich sicher eintreten wird) zeigt, dass die Therapie wirkt. Das schlechte muss eben erst raus und richtet dabei allerlei Schaden an. Hört sich an wie Säftelehre mit iPhone-App (kein Link!)

Und soeben sehe ich, dass der Kram auch in Deutschland schon Fuß gefasst hat (ebenfalls kein Link). Argh!

Autismus und Pseudomedizin – Notizen und Links

Schön, dass Sie hergefunden haben. Unten finden Sie die Notizen und Links zu meinem Vortrag auf der GWUP-Konferenz am 11.5.13. Da im nächsten „Skeptiker“ ein Text zum Thema erscheinen soll, erscheint hier vorerst nur eine grobe und unbearbeitete Version. Den „Skeptiker“ gibt es hier.

Die CEASE-Therapie wird bei Psiram ganz gut beschrieben:

CEASE ist ein Akronym für Complete Elimination of Autistic Spectrum Expression[1] und wurde vom niederländischen Homöopathen Tinus Smits (29. Dezember 1946 – 1. April 2010) als Therapie bei tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, insbesondere Autismusspektrumsstörungen, erdacht. Smits behauptete, mit seiner Methode über 300 Kinder von Autismus geheilt zu haben. Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand ist Autismus nicht heilbar, mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen lassen sich jedoch deutliche Besserungen in der Symptomatik erreichen. Seine Methode veröffentlichte Smits 2010 in einem Buch, dessen Vorwort von J.B. Handley stammt, einem Mitbegründer von Generation Rescue, einer von der Impfgegnerin Jenny McCarthy gegründeten Organisation.[2]

Zu Andrew Wakefield gibt es natürlich auch etwas bei die Psiramern. Der Journalis Brian Deer hat sich intensiv mit Wakefield auseinander gesetzt und zu dessen „Fall“ sicher beigetragen. Unter anderem im British Medical Journal hat er ausführlich über den Fall berichtet.

Ausführliche Informationen zur Wirkungslosigkeit von Sekretin bei Autismus gibt es bei quackwatch. Die Geschichte ist auch zu finden in Autism’s false Prophets.

Die Arte Sendung die mich auf das Thema aufmerksam gemacht hat ist auf der Website von ARTE zu finden. Der Film ist bereits früher im englischsprachigen TV gelaufen und es gab einige Reaktionen darauf. Ausführlich wird auf die Probleme der Wissenschaft dahinter bei „Cracking the Enigma“ eingegangen (inkl. Links zu Youtube Videos!).

Die Studie zum Vancomycin bei Autismus ist hier zu finden. Die Studie mit den Ratten, denen Propionsäure ins Hirn  gespritzt wurde hier.

Wie die Wikipedia-Seite zu Luc Montagnier zu finden ist, weiß sicher jeder. Ein Brief an Kinder mit Autismus von Herrn Montagnier steht auf seiner Site. Auf dem Blog von „Orac“ (Erfinder von „The One Quackery To Rule Them All“ –> Homöopathie) findet man viel zu den Tätigkeiten von Herrn Montagnier. Den Vortrag bei AutismOne findet man dort. Dort erwähnt er auch seine Studienergebnisse und erläutert seine Methodik. Hier sei auch „JennyMcCarthyBodyCount“ erwähnt, wo die Folgen von Impfverweigerung dokumentiert werden.

Einen Bericht zu dem tollen Apparat mit dem er den Abdruck von Bakterien-DNA findet sich auf dem Blog vom quackometer.net.

Das Konsensuspapier zu Magen-Darm-Erkrankungen findet sich zum Abschluss hier.

Hier noch das übersetzte Zitat aus dem Buch (s.o.) von Paul Offit:

Brief der Mutter eines Kindes mit einer Autismusspektrumsstörung an den Autoren. Sie erzählt von der jährlichen Routineunterusuchung bei der Kinderärztin („Lisa“): Robert kommt mit seiner Mutter in das Büro seiner Kinderärztin: „Hallo Dr. Lisa. Wie geht es ihnen? Wie war Ihr Sommer bisher?“ Dr Lisa schaut mich kurz an und grinst über beide Ohren, begeistert, weil die Begrüßung so natürlich wirkte. Spontane Sprache wie diese ist nicht entstanden, weil wir Robert irgendeiner Gluten/Casein-freien Diät unterzogen oder Impfungen abgelehnt hätten. Oder weil wir eine Schwermetallentgiftung durchgeführt oder ihn in eine Überdruck-Sauerstoff-Kammer gesetzt hätten. Robert hat unglaubliche Fortschritte gemacht, durch sehr harte Arbeit und Ausdauer von ihm und uns als Familie. Obwohl ein Leben mit Autismus nicht leicht ist, hatten wir nie die Einstellung, es wäre eine Art Todesurteil für unseren Sohn.“

In der nächsten Zeit werde ich hier ein paar mehr Beiträge zu pseudomedizinischen Verfahren veröffentlichen, die nicht in den Beitrag im Skeptiker gekommen sind. Und das sind die meisten.