Therapie durch Gewalt

Donald Trump liebt den Präsidenten der Philippinen, Rodrigo Duterte. Und PEGIDA liebt Donald Trump. Putin liebt sie alle und sich selbst. Die starken Männer von Heute sind begeistert voneinander. Bis sie sich in die Quere kommen, dann ist das Geheule wieder groß. Starke Männer machen alles mit Druck. Sie nutzen Durchsetzungskraft, Erziehung durch Härte, Verbote, Strafen. Alles was sie wollen, erwarten sie zu erhalten, wenn sie nur genug Gewalt anwenden. Verbale Gewalt, physische Gewalt, institutionelle Gewalt oder wirtschaftliche Gewalt. Hauptsache stark.

Irgendwann, als ich auf dem Theaterplatz in Dresden angerührt den exklusiven „Wir sin’ das Volk“-Rufen lauschte, habe ich mich gefragt was wohl passieren würde, wenn die AfD und PEGIDA die Macht erhalten würden, die sie anstreben. Zum Beispiel mit mir? Ich denke, in einem Staat der nach den Vorstellungen der neurechten Bewegungen organisiert wäre, gäbe es keinen Platz für Psychotherapie. Psychotherapie ist nichts für die starken Männer. Psychotherapie, beziehungsweise eine Veränderung in der Psychotherapie, kann man nicht herbeidrücken. Manchmal erreichen Menschen nicht einmal die gewünschte Veränderung, wenn sie wollen wollen. Schlimmer wäre für sie jedoch der Gedanke, dass in der Psychotherapie Dinge gesagt würden, von denen sie, die starken Männer, nichts wüssten.

Daran musste ich denken, als ich von den Philippinen las, wo Menschen mit einer Suchterkrankung die Wahl haben, eine Therapie zu machen oder umgebracht zu werden. Das, so würden die starken Männer meinen, sind hervorragende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie! Jemand, dem der Tod droht, wird sehr motiviert sein, mitzumachen, würden sie denken. Gewaltiger Druck für eine gewaltige Heilung. Dabei geht es bei einer Psychotherapie nicht nur darum, „mitzumachen“. Es geht darum, mitmachen zu wollen, um mitmachen zu können. Es geht darum, etwas Neues über sich zu lernen, sich zu verstehen, sich neu zu sehen, anders mit sich umzugehen. Dafür muss man sich mit sich beschäftigen mit sich und seinen oder ihren Emotionen.

Die Erwartung bei Nichterfolg unter Umständen sterben zu müssen, dürfte Angst hervorrufen. Wenn man Angst hat, ist es schwer, sich auf eine Therapie einzulassen. Angst ist ein dominantes Gefühl, mit der Tendenz, den Rest des emotionalen Erlebens in den Schatten zu stellen oder in ihrem Licht anzustrahlen. Wenn im außen der Tod droht, wird das Innen zur Nebensache. Das verstehen natürlich die starken Männer nicht, weil die denken man braucht nur genug Druck.

“Morde sind nicht die Lösung”, sagt Sikini Labastilla. Auf Facebook schreibt er: “Ich verstehe langsam, dass in jedem Süchtigen ein Schmerz festsitzt.” Beide Sätze klingen selbstverständlich. Auf den Philippinen sind sie in diesen Tagen revolutionär.

Was auf den Philippinen passiert, ist eine Erinnerung daran, wie dünn der Stoff ist, den wir Zivilisation nennen. Der Stoff, der uns von der Barbarei trennt, die die starken Männer so lieben, weil sie von der eigenen inneren Ödnis ablenkt.

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Sachsen hat einen Vogel

Früher dachte ich, die bei Demonstrationen für Sicherheit sorgenden BereitschaftspolizistInnen sähen martialisch aus. Und dann kam G20 in Hamburg. Von dort wurden, irgendwann am späten Abend, Bilder gesendet, die Spezialeinheiten zeigten. Mitten unter Demonstranten, Schaulustigen und Partyvolk. Daneben wirkten die behelmten KollegInnen der Bereitschaftspolizei harmlos, beinahe flauschig. In einigen Berichten wurde der Effekt des Auftretens deutlich: Niemand stellte sich einem der Herren (gibt es da auch Damen) mit den Gewehren in den Weg. Alle wussten, der „Spaß“ ist vorbei und ergaben sich. Spezialeinheiten schüchtern ein.

Am letzten Wochenende rief eine antifaschistische Initiative zu einer Demonstration in Wurzen auf. Ziel war es, die rassistischen Strukturen in Sachsen aufzuzeigen, für die exemplarisch die Situation in diesem Ort in Sachsen stehe. Es war eine Demonstration gegen die sächsischen Verhältnisse. Das mag man in Sachsen nicht, man möchte hier seine Ruhe haben. Darum blieben die ca. 400 Demonstrierenden auch weitgehend unter sich. Darum und weil Menschen die sich vor Ort gegen Rechtsextremismus engagieren Angst hatten, bei der Demo gesehen zu werden. Keine Angst hatten Rechtsradikale, die die Demonstration mit vulgären und antisemitischen Botschaften begleiten.

Begleitet wurde die Demonstration auch von der Polizei. Wenn antifaschistische Menschen in die sächsische Provinz reisen, ist nachvollziehbar, dass ausreichend Bereitschaftspolizei vor Ort sein muss. Dafür muss man den Demonstrierenden nicht unbedingt Gewaltbereitschaft unterstellen. Politische Lager trennen zu wollen, reicht als Erklärung aus. Die sächsische Polizeiführung entschied sich jedoch auch, die Menschen, die zur antifaschistischen Demo anreisten, vom sächsischen SEK begrüßen zu lassen. Die fadenscheinige Begründung des Pressesprechers dazu lautete:

„Dass das SEK im Einsatz ist, soll keine Provokation sein. Es ist eine Spezialeinheit, wie sie bei größeren Demos immer im Hintergrund im Einsatz sind – für den Fall, dass es eskaliert. Die Polizei geht von einem friedlichen Verlauf der Demonstration aus.“

Wenn etwas keine Provokation sein soll, sollte man auch vermeiden, dass es wie eine Provokation wirkt. Es ist ein Unterschied, ob eine Spezialeinheit im Hintergrund im Einsatz ist oder machtpornografisch zwischen zwei Wasserwerfern drapiert wird. Es macht auch einen Unterschied, ob jemand zum eigenen Schutz CS-Gas in der Tasche hat oder durch die Straße läuft, es jedem Menschen entgegenhält und ruft „Ich habe Reizgas, um mich zu schützen!“. Mir kann niemand erzählen, dass diese Spezialeinheit nicht der Einschüchterung dienen sollte. Der Einschüchterung von Menschen, die sich antifaschistisch engagieren.

Es ist ja nicht so, dass es sich hier um eine Ausnahme handelte. Die psychologische und juristische Repression demokratischen Engagements gehören in Sachsen zum guten Ton. In Dresden ist das seit den ersten Versammlungen von PEGIDA zu sehen. Das Verhalten der Versammlungsbehörde lässt vermuten, dass dort Sympathisanten für die besorgten Bürger hinter den Schreibtischen sitzen. Erinnert sei hier nochmal an das „Vollzugsdefizit“ gegenüber TeilnehmerInnen von PEGIDA. Damit ist zum Beispiel gemeint, dass in den Auflagen der Versammlung zwar Stangen über 1,5m länge nicht gestattet sind, die Teilnehmer jedoch zu dutzenden mit Teleskopstangen Dresden spazieren, unbehelligt von der Polizei. In Wurzen hingegen wurde die Mindestlänge (!) von 1,5m durchgesetzt. Die Demonstration durfte erst losgehen, als alle kürzeren Transparentbefestigungen weg waren. Man könnte von Schildbürgerstreichen ausgehen, wenn es sich nicht um sächsische Verhältnisse handeln würde.

In der Woche nach diesem erneuten Offenbarungseid der sächsischen Politik in Wurzen, wollte die Justiz in Dresden nicht nachstehen und stellte einen Prozeß zu einem rechtsextremen Übergriff im Jahr 2013 ein. Diesen hatte sie vorher wohl in guter Tradition verschleppt. Vermutlich hatte man einfach keine Zeit, weil der Versuch Tim H. doch noch zu verknacken zu viele Ressourcen benötigte?

Und wenn die Landesregierung (CDU/SPD) dafür sorgt, dass demokratisches Engagement im Keim erstickt und kriminalisiert wird, möchte die kommunale CDU, im Schulterschluss mit AfD und NPD, natürlich nicht nachstehen. Deswegen spricht sie sich gegen eine Initiative namens „Wir entfalten Demokratie.“ aus. Die Begründung der CDU lautete, die Initiative „ fokussiere nur gegen Rechtsextremismus.“ Es gibt Ortsverbände in Deutschland da würde das nicht nur ausreichen, sondern wäre Grund für Zustimmung. Dort handelt es sich um den demokratischen Arm der CDU.

Als kleine rassistisch-völkische Fingerübung durfte sich Sigmar Gabriel von AfD- und PEGIDA-Anhängern beschimpfen lassen, als er zu einem Termin im Ballhaus Watzke unterwegs war. Wem der Veranstaltungsort bekannt vorkommt, erinnert sich vielleicht an Höckes Reinszenierung der Sportpalastrede am selben Ort im Januar. Da waren die Pöbler allerdings drinnen.

Diese völkisch rassistische Kackscheiße macht mich mürbe. Und ich frage mich immer wieder: liegt es einfach an meiner Wahrnehmung? Verhält sich die Polizei Sachsen eigentlich neutral und ist nicht auf dem rechten Auge blind? Macht die Versammlungsbehörde Dresden Gegenprotest gegen PEGIDA nicht das Leben schwerer? Werden rechtsmotivierte Straftaten nicht weniger verfolgt und verurteilt als, vermeintlich, linksmotivierte Straftaten? Das frage ich mich und dann zeigt mir jemand einen Vogel. Plötzlich bin ich mir wieder sicherer, dass es stimmt.

Der Vogel war auf einem Aufnäher zu sehen, den einer der SEK-Beamten trug, die am Wochenende in Wurzen AntifaschistInnen einschüchtern sollten. Offenbar war dieser Aufnäher dem Träger so wichtig, dass er bereit war, gegen Vorschriften zu verstoßen. Private Aufnäher auf der Uniform sind nicht gestattet. Sonst wäre es ja eine Multiform. Odins Raben, einer davon war auf dem Aufnäher abgebildet, werden in der rechten Mythologie genutzt, und sind bei Neonazis beliebt. Sie haben vermutlich noch andere Bedeutungen, doch ich halte es für plausibel, dass der Beamte eben auf diese Bedeutung setzte. Sonst ergebe der Aufnäher keinen Sinn. Für ein wenig Schmuck ohne Ideologie dahinter verstößt niemand in dieser Form gegen Vorschriften. Dieser Beamte der sächsischen Polizei hat sich also sicher genug gefühlt, auf einer antifaschistischen Demonstration, für die er mit einer scharfen Waffe als Abschreckung diente, ein rechtsextremes Symbol an seiner Uniform anzubringen, womit er gegen Vorschriften verstieß. Er muss sich sicher genug gewesen sein, dass ihm von seinen Vorgesetzten der Polizei in Sachsen keine relevanten Konsequenzen drohen werden. Und so sicher wie er sich da ist, bin ich mir auch, denn wir beide kennen die sächsischen Verhältnisse.

PEGIDA und die schützende Hand

Obwohl ich seit einige Monaten selbst nicht mehr auf der Gegendemo war, verfolge ich das Geschehen medial regelmäßig mit. Über den routiniert ablaufenden Marsch der Besorgten in Dresden lohnt es sich nicht wirklich, Worte zu verlieren. Abgesehen von bewährter verbaler Eskalation und erneutem Streit im PEGIDA Führungsteam (diesmal mit Frau Festreling – der Lutz und seine Damen, was läuft da nur falsch?), handelt es sich um rassistische Routine in Dresden.

Aber manchmal gibt es schon Vorkommnisse, die schön vor Augen führen, wie dünn der demokratische Putz ist, in den sich Institutionen in Sachsen hüllen. Am Montag war wieder die Polizei Sachsen an der Reihe das zu zeigen.

Dem Marsch der Besorgten stellten sich auf der Prager Straße (eine breite Einkaufsstraße) 26 Personen entgegen und hielten ein Plakat hoch auf dem „Rassismus tötet“ zu lesen war. Die Polizei war sofort zur Stelle und setzte die Störer fest. Dabei gingen die Beamten gewohnt sächsisch, handfest vor.

Nun könnte man einwenden, auch die Besorgten hätten ein Recht auf Versammlung und Demonstration und die Aufgabe der Polizei bestünde darin, dieses Recht durchzusetzen. Und diesem Einwand würde ich, zähneknirschend, nicht widersprechen.
Nur ist es, man sieht es auf den Videos, nicht so, als hätten die 26 Menschen an dieser Stelle, in dieser Formation, den Marsch der PEGDIA aufhalten können. Die Demo wäre gut an den Menschen vorbei gekommen. Ob es also notwendig war, die Gegendemonstranten derart anzugehen, bezweifle ich stark.

Allerdings begnügete sich die Einsatzleitung nicht damit, die Protestierenden rabiat aus dem Weg räumen zu lassen. Sie hielt es auch für notwendig, sie „erkennungsdienstlich“ zu behandeln.

So wird jungen Menschen klar gemacht, dass ihr Protest nicht nur nicht erwünscht ist, sie werden aktiv eingeschüchtert. Die Polizei Sachsen macht sich durch ihr Verhalten zum Büttel der PEGIDA, zum Erfüllungsgehilfen einer faschistisch, völkischen Protestbewegung. Die Polizei Sachsen schützt nicht unserer Demokratie, sie schaufelt ihr Grab.

Ich übertreibe? Ja, das würde ich selbst auch denken, wenn ich diesen Text bis hierhin gelesen hätte. Das Verhalten der Einsatzkräfte, beschränkt auf diesen Fall mag meine Bewertung nicht rechtfertigen. Der Vergleich des Verhaltens der Kommunal- und Landesbehörden gegenüber den PEGIDA und dem bürgerlichen Gegenprotest hingegen schon.

Da ist zum Beispiel der Herr, der versucht, den 26 Protestierenden ihr Plakat zu entreißen. Dieser Herr konnte in aller Seelenruhe an den Polizeibeamten, die die Demonstranten festgesetzt hatten, vorbeimarschieren und nach dem Plakat greifen. Als das misslang, ging er ungehindert wieder zurück, träge beobachtet von den Ordnungshütern. Stellen wir uns einmal vor, ähnliches wäre durch jüngere Menschen aus „dem linken Spektrum“ passiert. In Dresden wurden junge Menschen wegen geringerer Vergehen schikaniert. Wir können die Reaktionen mit der Reaktion in diesem Video vergleichen (zugegeben, es handelt sich nich um die Polizei Sachsen und die beiden jungen Herren gehen energischer vor und sind erfolgreich…zumindest kurz).

Die Beispiele für das unterschiedliche Verhalten von Polizei Sachsen gegenüber den PEGIDA und deren Gegendemonstranten sind zahlreich. Im Herbst letzten Jahres gab die Stadt ein „Vollzugsdefizit“ bei PEGIDA zu. Lakonisch wurde das mit der hohen Teilnehmerzahl begründet. Ein Zustand an dem sich bis heute nichts geändert hat. Ich selbst stand neben Menschen auf der PEGIDA-Demo, die, nachdem sie keine 10m von Polizisten entfernt waren, Teleskopfahnenstangen von 3m und mehr auszogen, während die Auflagen verlesen wurden, nach denen nur 1,5m erlaubt waren. Den Alkoholkonsum muss ich sicher nicht erwähnen. Das Bündnis Herz statt Hetze hat dutzende Vorfälle vom PEGIDA-Geburtstag dokumentiert und veröffentlicht.

Passiert ist nichts. Die kleine Gegenbewegung die sich in Dresden gegen PEGIDA auflehnt, wird von behördlicher Seite aktiv behindert und kriminalisiert, während bei den PEGIDA die Augen zugedrückt werden. So baut man eine Bewegung auf, die die eigene Abschaffung fordert. Das lässt den Eindruck zurück als verhülle der demokratische Putz der sächsischen Behörden ein Fundament, in dem der Rost den Stahlbeton langsam braun färbt. Doch die DresdnerInnen haben andere Probleme, sie sorgen sich um ihr Image. Die Stadt nutzt lieber Putz als am Fundament zu arbeiten, Hauptsache das sieht keiner.

Dresdner Frust

 

Blick von der Augustusbrücke auf das Terrassenufer

 
13 000 Menschen waren am 13.02.2016 bei der Menschenkette, welche die Dresdner Altstadt symbolisch schützen soll. 13 000 meiner MitbürgerInnen, die sonst jeden Montag zentrale Plätze ihrer Altstadt einem rassistischen Mob überlassen, haben sich an einem Samstag Abend im Februar an den Händen gehalten und durften sich dem warmen Gefühl hingeben…? Tja das weiß ich auch nicht, welches Gefühl da transportiert werden sollte. Im besten Fall eines, die offene Gesellschaft vor denen zu schützen, die sie bedrohen (in Sachsen wohl am ehesten „Linksfaschisten“). Im schlechtesten Fall ein Gefühl von, in lokaler Tradition verbundener, Gemeinschaft. Ein Gefühl, dass im sächsischen Alltag ohnehin schon aus jeder Pore trieft. Der Lokalpatriotismus in diesem Bundesland ist schwer zu ertragen, vor allem im Hinblick auf den Preis, den er mit sich bringt.

Ich weiß gar nicht, was mich seit Oktober 2014 mehr zermürbt hat. Zu demonstrieren, ohne einen relevanten Effekt zu sehen, mal davon abgesehen, dass viele der Forderungen von PEGIDA im politischen Mainstream angekommen sind. Oder von Gesellschaft und Politik in Dresden und Sachsen das Gefühl vermittelt zu bekommen, mit dem Protest gegen eine faschistische Bewegung, zu den eigentlichen Störern zu gehören.

Ich weiß nicht mehr, wie oft ich hörte oder las, dass demokratischer Gegenprotest in Sachsen mit Gewalt und Aggression gleichgesetzt wurde. Wie oft ich mich fragte, wieso die Dresdnerinnen und Dresdner solche Abneigung gegen die pflegen, die für Demokratie und humanistische Werte eintreten?

Mich hat das zermürbt und müde gemacht. Ich verlor die Lust am Schreiben und den Glauben an Dresden. Darum mache ich jetzt Pause. Der Täterspuren Mahngang wird für die nächste Zeit meine letzte Demo gewesen sein. Ich habe Lust, mich wieder mehr dem eigentlichen Thema dieses Blogs zu widmen. Mal schauen, ob das klappt 🙂

Es ist ein bisschen so, als würden die Emotionen, die besorgte Bürger bei PEGIDA vereint, aus mir herausgesaugt. Als am 06.02.16 PEGIDA am Königsufer brüllte und der beschämend kleine Rest der Dresdner Zivilgesellschaft demonstrierte, war ich vor allem resigniert. Das liegt auch daran, dass Gegenprotest in dieser Stadt einfach nicht willkommen ist, das sind alles Unruhestifter. Ich kann jetzt verstehen, wie man in dieser Stadt phlegmatisch wird und lange auch Horden von Nazis mit einem Schulterzucken hinnahm.

Es ist fast, als wäre der Lebenswille, Mut dieser Stadt am 13.02.1945, in den letzten Tagen des faschistischen Terrorregimes, verbrannt. Doch man hat nicht verstanden, dass man große Teile des Weges, der zur Katastrophe vom 13.2. geführt hat, mitgegagengen war. Das man, so wie man Opfer wurde auch Täter war. Anstatt aus der Asche zu steigen, geht man in ihr und begnügt sich darin, Opfer zu sein. Opfer der Stasi, Opfer der Wessis, Opfer der PEGIDA. Armes Dresden.

Besorgte für die 'Freie Gesellschaft'

Gerade wollen viele eine freie Gesellschaftsordnung schützen, indem sie sie unfreier machen. Insbesondere durch Gesetzverschärfungen. Die besorgten Bürger mögen sich darüber freuen, dass „die Ausländer“ – wahlweise „die Flüchtlinge“ – jetzt härter angepackt werden sollen. Dabei vergessen Sie, dass viele dieser Menschen nur zeitweise in Deutschland bleiben werden. Ausbaden müssen die Gesetzverschärfungen die, die bleiben. Dazu dürfte die Mehrzahl derer gehören, die jetzt den populistischen Vorschlägen applaudieren. So wird uns aus Angst vor dem rechten Michel Law and Order Politik untergejubelt. Freiheit stirbt mit Sicherheit.

Dabei ist das was in Köln passiert ist, gerade eine Zeichen dafür, dass wir in einer freien Gesellschaft leben. Denn deren Mitglieder gestalten ihr Leben weitgehend selbständig, ohne ständiger Kontrolle zu bedürfen. Dabei können Dinge schief gehen. Und wenn die Umstände passen, können sie sogar gewaltig schief gehen. So wie in Köln.

Schärfere Gesetze werden uns nicht vor einer Wiederholung schützen. Denn „verboten“ war das alles bereits in der Silvesternacht 2015. Schützen könnte uns ein solidarisches Verständnis von Zivilcourage. Eines, das Menschen dazu ermutigt, einander zu helfen, wenn sie in Not sind. Spontane Solidarität. Wir können darüber sprechen, ob die Ereignisse mit „dem Islam“ oder sonst einer „importierten Kultur“ (gähn) zu tun haben. Oder wir sprechen darüber, wieso die Mitglieder unserer „freien, liberalen, zivilisierten Gesellschaft“ einander an diesem Abend nicht solidarisch zu Hilfe gekommen sind.

In ersterem Fall müssten „die anderen“ sich verändern im zweiten wir alle.

Die 'Besorgten' wollen's wissen

Nun legen sie es darauf an. Die Teilnehmerzahlen stagnieren und so langsam wird es, ‚Hymne‘ hin oder her, allmontäglichen etwas zäh auf dem Theaterplatz: Plärren, Fähnchen schwenken, schimpfen, nach Hause fahren. Darum besinnen sich die MacherInnen der neofaschistischen PEGIDABewegung auf das, was sie können und begeben sich auf den Weg in die Opferrolle. Das will gut vorbereitet sein. Erst der „vernünftige“ Verzicht auf den Theaterplatz. Dann die Anmeldung in der Neustadt, die, erwartbar, Widerstand hervorruft und nun das herbeireden „linker Gewalt“, damit man hinterher sagen kann: Wir haben es ja schon immer gesagt, alle wollen uns unterdrücken.

Nach den Erfahrungen der vergangenen und aktuellen PEGIDA-Saison wird sowohl das Verhalten der Stadt als auch der Polizei der „Bewegung“ in die Hände spielen. Die völkischen Freunde der verschiedenen Ebenen reichen sich die Hände und inszenieren gemeinsam ein vorhersehbares Schauspiel. Die  Stadt genehmigt den PEGIDA-Aufmarsch auf dem Schlesischen Platz. Die Polizei wird Protest in Hör- und Sichtweite mit massivem Aufgebot verhindern und so für Frust bei den GegendemonstrantInnen sorgen. Dann fehlt nur ein kleiner Funke zur Eskalation und der wird sich finden lassen.

Hinterher können sich die PEGIDA-Anhänger und die Dresdner Bürgerschaft über die „Linken Chaoten“ die „auch nicht besser sind als die Rechten“ aufregen und sich weiterhin vom Protest gegen PEGIDA fernhalten. Die Empörten aus dem gesamten Bundesgebiet werden sich den „linksgrünen Terror“ nicht gefallen lassen und wieder vermehrt nach Dresden reisen. Die Zahlen bei PEGIDA werden wieder steigen und Bachmann & Co freuen sich.

PEGIDA führt die Stadt am Nasenring durch die Manege und die zuckt dabei mit den Schultern. Das sind sächsische Verhältnisse.

PEGIDA – Back to the roots

Seit über einem Jahr besetzen die PEGIDA beinahe jeden Montag-Abend die Stadt. Nachdem ich im letzten Jahr einiges dazu geschrieben hatte, fällt mir in letzter Zeit nicht viel Neues ein. Das wundert mich insofern, als dass mich die PEGIDA weiterhin beschäftigen. Immerhin bestimmen sie oft meine Abendgestaltung am Montag. Doch auf den Demonstrationen passiert nichts neues. Es gibt mittlerweile eine gefühlte Protestroutine. Die Positionen sind klar, die PEGIDA radikalisieren sich zunehmend und weisen diese Radikalisierung immer vehementer von sich.

Diese Scheindistanzierung von Rechtsextremismus und Gewalt dient einzig und allein dazu, den Menschen mit gefühlter politisch gemässigter Einstellung die Teilnahme unter Gesichtswahrung zu ermöglichen. Denn ohne die Mitläufer, Opportunisten und besorgten BürgerInnen, wäre das Häuflein jeden Montag sehr klein.

Ich selbst habe ein eher naives Naturell und neige deswegen immer erstmal dazu, Menschen das zu glauben, was sie sagen. So auch Herrn Bachmann. Und Herr Bachmann jammert jeden Montag über das verzerrte Bild, welches in den Medien (aka „Lügenpresse“) von den PEGIDA gezeichnet werde. Als PEGIDA noch ein neues Phänomen war, habe ich ihn selbst sagen hören, man habe nichts gegen „Moslems“ an sich. Gut Integrierte seien willkommen bei den PEGIDA. PEGIDA habe nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun, äußerte Bachmann wiederholt. Ob der Bachmann Lutz einfach nicht merkt, dass er damit Bullshit erzählt oder uns bewusst hinters Licht führen will, weiß ich nicht. Aber, dass es Bullshit ist, weiß ich. Denn, um meine Ansicht zu überprüfen bin ich zu den Wurzeln der PEGIDA zurückgekehrt; der Facebookgruppe. Dort wurde ein TV-Beitrag über einen Dresdner Bürger mit Migrationshintergrund verlinkt und differenziert* besprochen. In diesem beschreibt er, wie sich die Stimmung verändert habe, seit PEGIDA sich der Stadt aufgedrängt hat und dass er sie als feindselig erlebt. In den Kommentaren geben die Anhänger diverse rassistische Entgleisungen von sich.

Klar ist vielen: Das hat der für Geld gemacht. Wer es sich so weit in seinem Opferstatus und seiner Verschwörungsideologie zurückgezogen hat, denkt, er sei umgeben von Feinden. Und wenn man auf dem Theaterplatz in völkischen Gesängen schwelgte, kann man sich nicht vorstellen, dass jemand eine andere Meinung hat als man selbst.

BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.04.26 BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.05.21

BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.05.39

Ärgerlich, in diesem Staat werden nur Moslemschauspieler und die Antifa ordentlich bezahlt.

BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.14.28 BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.15.01 BezahltPEGIDA 2015-11-28 um 20.15.08SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.05.05

Es sind allerdings nicht alle im Folg so gemein und haben „den Migranten“ im Verdacht bösartig zu handeln. Vielen ist klar, dass die Systempresse nichts unversucht lassen wird um den PEGIDA zu schaden. Denn deren Schreiberlinge werden gesteuert von der NWO und warten nur auf den Bevölkerungsaustausch.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.01.55

Bestechende Logik: Wenn ich es nicht gesehen, gelesen oder gehört habe, ist es auch nicht passiert. Das ist die Weltsicht einer Dreijährigen.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 19.56.22

Glücklicherweise ist der subtile Hinweis zum Ausländerbeirat diesem Herren aufgefallen. So konnte er den Beitrag entlarven. Gute Arbeit Folgsgenosse.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.02.32

Nicht das Individuum entscheidet, wo seine Heimat ist, sondern die Volksgemeinschaft.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.08.34

Ob der Autorin die Ironie ihres Kommentars bewusst ist? Sie war selbst nicht da, glaubt aber den Informationsquellen die über Übergriffe durch PEGIDA berichten nicht (wg. Lügenpresse), darum kann der Bericht von jemandem, der in Dresden lebt nicht stimmen.

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.15.26

Tja…wer könnte in Ostdeutschland relativ sicher davor sein, „Gewalt gegen Ausländer auf offener Straße“ zu erleben?

LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.02.08 LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.07.55 LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.12.51 LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.15.41 LügendpressePEGIDA 2015-11-28 um 20.16.08

Was sich durchzieht ist eine Art subjektiver Objektivismus. Ähnliches sieht man bei Esoterikgläubigen. Nur ist es dort umgekehrt. Die Interpretation der eigenen Erfahrung ist durch nichts zu widerlegen. Wenn die PEGIDA etwas nicht selbst erfahren haben, ist es nicht zu belegen. Außer es passt zu der bereits vorher gefassten Meinung. Dann empören sie sich bis hin zu Gewaltphantasien.

Ein ebenfalls oft gehörtes Lied der PEGIDA ist, „Wir sind keine Rassisten aber…“ (als Rassisten im Sinne dieses Textes gelten Menschen, die offensichtlich rassistische Aussagen machen). Bachmann und andere Redner betonen immer wieder, sie hätten nichts gegen „Moslems“, nur gegen „Islamisten“. Wenn das so wäre, müsste sich diese Meinung in den Kommentaren widerspiegeln. Zum Beispiel indem Menschen, die diesen Konsens verlassen widersprochen wird.

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.02.21

Wer aussieht (!) wie jemand, der einen „Kinderficker“ anbetet, dem steht man feindlich gegenüber. Hipster zieht Euch warm an. Aber kein Rassismus!!!

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.11.23

Wer Ideen anhängt, die nicht mit dem GG vereinbar sind, darf kein öffentliches Amt bekleiden! Wenn das mal nicht zum Bumerang wird…

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.05.33

Wahrscheinlich weil alle anderen Kandidaten beim Ehrenamtsdshihad geköpft werden (Sharia!!!11elf!!).

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.03.17

Die Möglichkeit zur Differenzierung der PEGIDA ist ausbaufähig.

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.06.13

Die Anschlagswelle muslimischer Inder in Sachsen hat mich auch geschockt!

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.10.13

Wieso ist denn das klar, die PEGIDA haben doch nichts gegen Muslime. Ich bin verwirrt

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.13.27

Denn bevor nicht alle Menschen akzentfrei Deutsch sprechen, ist Deutschland nicht frei. Gut, dass man „die Sachsen“ immer so gut versteht.

RassismusPEGIDA 2015-11-29 um 13.26.02

Alle Menschen muslimischen Glaubens kommen aus dem Nahen Osten und sind Ratten. Und wir sind keine Nazis, denn Nazis haben Glatzen.

RassismusPEGIDA 2015-11-28 um 20.02.59

What does the Fox say?

OK, wir dürfen nicht vergessen, die PEGIDA haben nichts gegen gut integrierte „Ausländer“, wenn sie sich an unsere Regeln halten und unsere Sprache sprechen. Dieser „Migrant“ stellt sich ganz klar gegen die Folgsgemeinschaft und kann nicht ausreichend gut Deutsch für die Zeit, die er in Dresden verbracht hat. Das haben die PEGIDA klar herausargumentiert. Und was soll man nun mit einem Menschen machen, der das Recht auf freie Meinungsäußerung für sich in Anspruch nimmt? Ein Recht, das den PEGIDA ja sehr wichtig ist.

RausPEGIDA 2015-11-28 um 19.54.17

Der Altruismus ist die Motivation vieler PEGIDA.

RausPEGIDA 2015-11-28 um 19.54.50 RausPEGIDA 2015-11-28 um 19.57.42 RausPEGIDA 2015-11-28 um 19.58.54 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.04.14RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.00.56RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.03.40RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.04.14 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.06.20 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.09.50 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.11.51 RausPEGIDA 2015-11-28 um 20.14.10SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.11.41

Warum setzen sich eigentlich immer (!) alle (!) für die „Ausländer“ ein? Wirklich arm dran in diesem Land sind doch die Deutschen! Die verhungern vor ihren Flachbildschirmen. Werden unterdrückt und vom „Ethnozid“ bedroht.

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 19.57.21

Echt mal. Wir werden doch wohl in unserem EIGENEN Land so einem „Moslem“ mit einem zünftigen Genozid drohen dürfen!

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 20.00.46

Die „eigenen Leute“. Ich hoffe ich bin aus dieser Gruppe ausgenommen.

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 20.09.12

Tja, und jetzt lachen wir Dich aus. Haha!

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 20.11.12

Stimmt, was soll man auch machen, wenn so ein „Moslem“ in die Bahn einsteigt. Eine Drohung ist die einzig mögliche Reaktion. Wird schon den Richtigen treffen.

ArmeDeutschPEGIDA 2015-11-28 um 20.15.58

WTF? „1000ende Jahre“? Der Verfasser muss tatsächlich der Ansicht sein, seit 1000en Jahren habe es keine Migrationsbewegungen nach und aus Deutschland gegeben. Nach „Neu Köln“ würde ich allerdings gerne mal fahren. Ist bestimmt schön da…in Berlin war ich ja schon mal.

Was sonst noch? Vielleicht diese Schmuckstücke:

DieseARtI

No one is save! Wer nicht ordentlich ranschafft, fliegt raus! Wie man das mit einer offenen Gesellschaft vereint (die die PEGIDA ja ganz toll finden), ist mir ein Rätsel. Vielleicht wird das auch „falsch rübergebracht“.

DieseArtII

Wahrscheinlich ist diese, immerhin 23 Stunden unmoderierte, Antwort auf den gemäßigten Kommentar auch „falsch rübergebracht“.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 19.59.50

Was soll uns das sagen? Alle krank?

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.03.29

Nö, „die Linken“ in Dresden rufen: „PEGIDA verpisst Euch! Keiner vermisst Euch!“ (u. a.)

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.03.59

Demonstrierst Du noch oder drohst Du schon?

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.04.55

Wow! Echt? Voll krass! Noch nie von gehört.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.05.55

Unheimlich? Na dann! Unheimliche wollen wir hier nicht.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.07.30

Meinungsfreiheit gilt bei PEGIDA für die, die zahlen. Je mehr man zahlt, desto mehr Meinung hat man. Voll demokratisch!

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.08.57

Popcorn!

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.09.27

Der Einzige, der interviewt wird? Der Einzige, der beschimpft wird? Der Einzige der Angst hat? Hauptsache „!!!“

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.09.39

Klassische christlich abendländische Werte, vermittelt durch die PEGIDA-Akademie.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.10.46

Das Problem haben auch einige, die hier geboren wurden. Habschghört! Nu!

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.12.32

Wow! Einfach Wow! Wer kennt sie nicht, die vielen Berichte über Rassisten, die nur „Ausländer“ verprügeln, die Arschlöcher sind.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.13.40

Weil er gut ausgebildet ist und mit einem Vokabular widerspricht, dass vielen PEGIDA fremd ist?

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.13.53

Hübsch. Im selben Satz Unmut über den Beitrag äußern und seine Berechtigung belegen. Nicht schlecht.

SonstigePEGIDA 2015-11-29 um 13.26.42

Zwei Worten würde ich zustimmen.

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.09.58

Eine Phobie wäre es nur, wenn es unberechtigte Ängste wären…

SonstigePEGIDA 2015-11-28 um 20.12.02

Super! Meins auch, sagen wir doch einfach „Mensch“.

Ein mässigende Stimme gab es dann doch noch:

Mäßigung

Hoffnung macht mir das aber auch irgendwie nicht.

Zu guter Letzt noch etwas aufrichtige Empörung:

LügnerPegida 2015-11-29 um 19.49.37

Leider Nein! Dazu zwei Tweets. Als ich am 9.11.15 auf dem Weg zur Gegendemo den Theaterplatz überquerte hört ich ein Gespräch:

Schaut man sich also dort um, wo PEGIDA seine Wurzeln hat, auf Facebook und dem Theaterplatz in Dresden, wird klar, dass die Distanzierung von Rassismus und Gewalt, von Faschismus und „Nazis“ nur Lippenbekenntnisse sind. Eine Marketingstrategie um die „besorgten Bürger“ nicht zu vertreiben. Und im Moment läuft es gut, leider.

*kleiner Scherz

 

Mehr Texte zu den PEGIDA auf „Diaphanoskopie“.

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Kein Löschen! Kein Vergessen!

Politiker und Personen des öffentlichen Lebens fordern in den letzten Wochen vermehrt die Löschung menschenfeindlicher Kommentare bei Facebook. Ich halte das für falsch. Wenn die Kommentare gelöscht sind, bestehen die Einstellungen, die sie hervorgebracht haben weiter. Die Kommentare sind nur das Symptom.

Wer jetzt mit großem Aufwand versucht, hässliche Kommentare zu löschen, ist weniger daran interessiert, das Problem zu lösen. Es geht darum, dass wieder Ruhe im Karton ist. Man möchte sich wieder der Illusion hingeben, alles sei in Ordnung. Es ist aber nicht alles in Ordnung.

Wenn die PEGIDA etwas Positives bewirkt haben, dann, dass sich all die Menschen mit hässlichen Meinungen jetzt zeigen. Jetzt wissen wir endlich, wie groß das Problem ist. Das mag uns nicht schmecken und uns erschrecken. Doch es ist die Realität. Teile der deutschen Bevölkerung haben sich zur Kenntlichkeit entstellt. Lasst sie stehen all die verstörenden Gewaltfantasien und ekeligen Tiervergleiche. Jeder soll nachvollziehen können, wer sie von sich gibt.

Jetzt geht es darum, zu zeigen, dass sie nicht die Mehrheit darstellen. Es geht darum, dagegen zu halten. Es geht auch darum, zu versuchen sie zu überzeugen. Das mag nur selten glücken, doch indem wir sie verteidigen, müssen wir unsere eigene Position immer wieder hinterfragen und schärfen damit unsere Argumente.

Gefährlich sind auch nicht die offensichtlich abwertenden Kommentare. Gefährlich sind die als gemäßigt daherkommenden Äußerungen:“Man wird doch noch mal sagen dürfen…“ „Ich …. aber….“. Hier sickert das braune Gedankenschlecht langsam in unsere Mitte und verändert unseren Blick auf die Welt, ohne dass wir es merken. Wir sollten uns alle fragen: Wo ist meine Meinung schon anschlussfähig?

Sächsische Verhältnisse in Dresden

„Was ist denn da los bei Euch in Dresden?“

Ich war auf dem Heimweg von der Arbeit, fuhr an der Elbe entlang und Sebastian stellte mir diese Frage am Telefon. Das war vor ein paar Wochen. Wir sprachen über Freital. Und damit weiß nun jeder, dass wir über Rassismus sprachen. Freital in Sachsen, mittlerweile ist das nicht nur eine topographische sondern auch eine politische Positionsbeschreibung. Diese Frage interessierte mich, selbst erst wenige Jahre Dresdner, auch. Seit ich das erste Mal von den sächsischen Verhältnissen gehört hatte. Drängend wurde die Frage, nachdem ich die sächsischen Verhältnisse am eigenen Leib erlebt hatte. „Was ist denn los bei uns in Dresden?“

Die PEGIDA konnten unter anderem soviel Wucht entwickeln, weil die Politik in Sachsen und Dresden alles falsch gemacht hat. Im Umgang mit Extremisten im Allgemeinen und mit sich dem Bürgertum anbiedernden Extremisten im Speziellen.

Der erste Gegenprotest gegen die PEGIDA formierte sich bereits im Herbst 2014, umbemerkt von der Bundesöffentlichkeit und weitgehend ignoriert von der sächsischen Zivilgesellschaft. Am Goldenen Reiter, einem der Wahrzeichen Dresdens, bekam ich, ebenfalls auf dem Weg von der Arbeit, einen Flyer in die Hand gedrückt. Ich erfuhr, in Dresden sammeln sich Menschen, die keine Nazis sind, aber rechts soweit offen, dass diese Kameraden fröhlich mit marschieren konnten. Die Dynamik der „Bewegung“ hatte zu dem Zeitpunkt vielleicht nicht mal das kleine Häufchen Aufrechter im kulturbesoffenen Touristenmagneten des Ostens geahnt.

Als ich vom Zuschauer zum Teilnehmer geworden war, durfte ich erleben, wie man in Sachsen mit antifaschistischem Engagement umgeht. Man verhindert es soweit wie Möglich. Die Idylle des Elbflorenz soll erhalten werden. Konflikte, die über die Neubesetzung von Intendanten hinaus gehen, stören. Alles was über Symbolpolitik a la Menschenkette hinausgeht ist unerwünscht.

Protest in Hör- und Sichtweite der PEGIDA wurde so oft und so gut wie möglich verhindert. Das ging soweit, dass der Zugang zu PEGIDA-Märschen für deren Teilnehmer bequem möglich waren, während die Gegenveranstaltung jedoch, durch hermetische Polizeisperren, für deren Teilnehmer kaum zu erreichen war.

Die Kommunal- und Landespolitik reagierte auf die PEGIDA Anfangs Dröge und später kontraproduktiv. Gegenprotest wurde abgewertet als linksextremistische Veranstaltungen der „Antifa“. Damit war die CDU-Führung das erste Mal auf einer Linie mit Bachmann und seiner Truppe. Das passte zur Linie der Stadt, Gespräche mit Dresden Nazifrei über Jahre abzulehnen und damit diejenigen auszuladen, die effektiv dafür gesorgt hatten, den größten Naziaufmarsch der Nachkriegszeit in Europa das Wasser abzugraben.

Was Bundesweit kaum jemand mitbekommen hat, war das Timing von Bemerkungen des sächsischen Innenministers Markus Ulbig zu einer Art schnellen Eingreiftruppe gegen „straffällige Asylanten“. Die PEGIDA waren zu dem Zeitpunkt bereits groß genug um vor Ort bemerkt zu werden. Bundesweit waren sie aber noch unter dem Radar der Medien. Eine kritische Äußerung des sächsischen Landesvaters Tillich zu PEGIDA und ihren Forderungen, die über Allgemeinplätze hinausging, hatte es noch nicht gegeben. Mit der Bildung einer speziellen Polizeitruppe für straffällige Asylbewerber blies die Landesregierung ins Horn der islamophoben Rassisten und legitimierte deren Veranstaltung.
Während wir mit ein paar 100 Menschen auf dem Postplatz standen und auf den Zug 1000en Rassisten warteten, kam mir hilflos vor, ob des fehlenden Rückgrats „meiner“ Regierung. Das panische agieren hatte den Gegenprotest nicht nur nicht unterstützt, sondern torpediert. In der Staatskanzlei herrschte Panik vor einem weiteren Wählerverlust. NPD und AFD hatten bei den Landtagswahlen zusammen 15% geholt. Diese Wähler wollte Tillich zurück. Er entschied sich gegen die Rolle des aufrechten Demokraten, gegen den Aufstand der Anständigen und für die Rolle des servilen Demagogen.

Ob es zuerst die Hoteliers oder die Professoren der TU-Dresden waren, die öffentlich hörbar Alarm schlugen weiß ich nicht mehr. Doch zu diesem Zeitpunkt versuchte auch die sächsische Landesregierung tapsig, sich zu positionieren. Für Tillich hieß das, zu sagen, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Für seine verlorenen Wähler war das zu spät und zu wenig, die keiften bereits seit Wochen „Volksverräter“.

Mitleid mit diesem älteren Herren mit einem Gesichtsausdruck der Bräsigkeit und Ekel mischt, bekam ich auf der Veranstaltung für ein weltoffenes Dresden. Fast. Ob er sich beim Anblick des Transparents „Schön, dass Ihr auch schon da seid“ schämte, ist nicht überliefert. Dem Saboteur der sächsischen Zivilgesellschaft schallten Sprechchöre entgegen: „Winterabschiebestopp!!!“. Er vermied jedes Risiko, sein Gesicht zu verlieren und hielt sich an seinem Manuskript fest. Es war die Inszenierung von Interesse an der Sache, um den Imageschaden gering zu halten.
Den hätte er allerdings selbst im Vorfeld fast vergrößert. Die Veranstaltung weltoffenes Dresden war im letzten Moment umbenannt worden. Der ursprüngliche Titel „Eine Stadt, Ein Land, Ein Volk“ war von mehreren Seiten harsch kritisiert worden. Tillich überlies dieses, proklamierte, Volk kampflos den völkischen Verführern.

Die von der Politik hinterlassene Lücke in der Dresdner Zivilgesellschaft versuchten Privatleute zu füllen. Zur Veranstaltung „Dresden für alle“ kamen ca. 30 000 Menschen, FlüchtlingsvertreterInnen, KünstlerInnen und Herbert Grönemeyer. Für alle, die sich in den Wochen davor die Montagabende um die Ohren gehauen haben, die an Polizeisperren gescheitert waren, die von der Straße getragen worden waren und Dienstags vom Schreien heiser gewesen waren, war das eine Veranstaltung der gemischten Gefühle.

Am Montag danach hieß es auf der Straße wieder „Business as usual“. Ein paar hundert DresdnerInnen zeigten ihr Gesicht gegen die braune Masse.

Durch das Medieninteresse und die Kritik aus dem Rest des Landes und der Welt, äußerten sich vermehrt mehr oder weniger wichtige DresdnerInnen zum Thema. Viele Äußerungen die sich gegen PEGIDA und ihre Forderungen richteten krankten an der Motivation. Politiker mahnten, Deutschland müsse Einwanderer willkommen heißen, weil es einen Mangel an Fachkräften gebe. Die Professoren machten sich Sorgen um Doktoranden und Forscher aus dem Ausland. Der Wissenschaftsstandort Dresden sei in Gefahr. Die Hoteliers sorgten sich um das Geschäft mit den Touristen und der Bürgermeister um den Ruf Dresdens. Was sollen die Investoren denken? Selten wurde angeführt, dass es ein Menschenrecht auf Asyl gibt. Dass dieses jedem Menschen ohne Hinblick auf seinen Nutzen für uns zusteht. Dass der Kampf gegen die PEGIDA ein Kampf für Menschenrechte ist, das war kaum jemand zu hören und zu lesen.

Seit Anfang des Jahres wurde der Protest weniger. Die Gruppen vor Ort beschlossen, ihre Kräfte für sinnvollere Aufgaben zu nutzen. Unter anderem die Blockade des Naziaufmarsches am 13. Februar, der Dresden jedes Jahr heimsucht. Am 13. Februar wurde dieser von der Polizei gewohnt routiniert durchgesetzt. Die Teilnehmerzahl der PEGIDA sank und das Interesse der Medien ebenfalls. Doch das Feld war bestellt.

Mit der Einladung von Geerd Wilders erhofften sich die PEGIDA im Frühjahr wohl den langsamen Rückgang der Teilnehmerzahlen aufhalten zu können. Die Veranstaltung wurde abseits der Innenstadt durchgeführt, von den 30 000 angekündigten, erschienen 10 000. Durch das Vorgehen der Ordnungskräfte war auch hier kein Protest in Hör- und Sichtweite möglich. So entstanden Fernsehbilder von deutschen Rassisten, die einem bekannten Rechtspopulisten zujubeln. Während Gegendemonstranten am effektiven Protest gehindert wurden, geleitete die Polizei Gruppen der PEGIDA durch die Reihen der Gegendemonstranten. In Sachsen ist man seinen Rechten eben näher als seinen Pflichten.

Eine konkrete Veränderung in Dresden seit dem Erscheinen der PEGIDA war der gestiegene Mut, rassistische Meinungen in der Öffentlichkeit zu vertreten. Der Rausch der 10 000 gab das Gefühl, einer Mehrheit anzugehören. Die Wut der Anderen, nährte den Glauben daran, auf der richtigen Seite zu stehen.

Und dann kam Freital. Die Fernsehbilder, des brüllenden Nazimobs, der in einer Gruppe besorgter Bürger aufgeht, sind die Aufführung des allmontäglichen Dresdner Schauspiels im Kleinen. Rechtsextreme und Rechtskonservative bilden eine gefährliche Melange des Hasses.

Tillich will die Sorgen dieser Melange ernst genommen wissen und schickt seinen blassen Innenminister Ulbig, nach seiner verlorenen Bürgermeisterwahl in Dresden, in eine Bürgerversammlung. Die Sorgen der Bürger entpuppen sich dort als selbstgerecht vorgetragene, rassistsche Ressentiments und Verschwörungstheorien. Letztere Aufgeschnappt bei den Chefideologen der Querfrontbewegung um Jebsen und Elsässer. Ulbig geht unter. Einem Volksverräter traut man in Freital nicht. Man diskutiert nicht mit ihm, man richtet ihn symbolisch hin.

Kaum etwas jedoch kann die sächsischen Verhältnisse besser illustrieren als die Geschehnisse im ehemaligen Hotel Leonardo. Dort sollen nicht nur Menschen ein und ausgehen, die Verbindungen zu PEGIDA und den Freitaler „Bürgerbewegung“ haben. Sie sollen auch Spenden für die Flüchtlinge verwalten. Dass Menschen die in Deutschland Hilfe suchen der Willkür von Rassisten aussetzen müssen, ohne dass politisch eingeschritten wird, ist ein Skandal. Ein Skandal der in Sachsen bis auf wenige einsame Facebookseiten kaum thematisiert wird.

Als in der Nacht zum Freitag Flüchtlinge in einem kurz zuvor hochgezogenen Zeltlager ankamen, waren die Nazis schon da. Eine überraschte Polizei versuchte 200 Rechte von Attacken auf 350 Gegendemonstranten abzuhalten. Gegendemonstranten, die nicht nur zum Protest gekommen waren, sondern auch zum Schutz der geflüchteten Menschen. Auch in der Nacht zum Montag waren vor dem Zeltlager Menschen verblieben, um es vor Angriffen durch Nazis zu schützen. Die fühlen sich offensichtlich Stark genug, um Asyleinrichtungen in Ganz Dresden heimzusuchen.

Das lieber Sebastian ist in Dresden los. Das sind sächsische Verhältnisse.

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