Premium-Verschwörung Exklusiv

Verschwörungstheorien haben in den letzten Jahren zunehmend mehr Aufmerksamkeit in den Medien erhalten. Während vor einigen Jahren die Fragezeichen in Gesichtern von Menschen noch groß waren, wenn man Chemtrails erwähnte, wissen heute schon deutlich mehr Leute Bescheid.

Eine neue Studie bringt jetzt Hinweise darauf, welche Bedürfnisse diejenigen Menschen haben, die daran glauben, dass es Chemtrails gibt. In drei Experimenten haben die ForscherInnen Belege dafür gefunden, dass Menschen die an Verschwörungstheorien glauben, sich von anderen Menschen abheben wollen. Sie wollen besonders sein.

Das passt auch zur Rhetorik in Veröffentlichungen des neurechten Spektrums. Wird dort doch allen Menschen, die der Ansicht sind, in einer Demokratie zu leben, unterstellt, sie würden nicht merken, dass sie in einer Diktatur leben. Daher vielleicht auch die inflationäre Nutzung des Begriffs „Mainstream“, von dem man sich abgrenzen will.

Die ForscherInnen hatten im letzen Teil des Experiments eine Verschwörungstheorie erfunden, die in Deutschland zirkulieren soll. Dabei ging es um Feuermelder und dass diese schädliche akustische Signale aussenden würden. Der einen Hälfte wurde gesagt, 81% der Deutschen glaubten an diese Aussage. Der anderen Hälfte wurde gesagt, 81% der Deutschen glaubten nicht daran. Wenn die ProbandInnen vorher angegeben hatten, das Bedürfnis zu haben, besonders zu sein (durch Fragebögen, nicht durch die Beantwortung einer direkten Frage), war die Chance höher, dass sie an die Verschwörung glaubten, wenn sie in der Gruppe waren, in der 81% der Deutschen die Verschwörung nicht glauben.

Über ein interessantes (und deprimierendes) Ergebnis stolperten die ForscherInnen zufällig. Als die Teilnehmer am Ende der Studie erfuhren, dass die Verschwörung ausgedacht war, hielten 25% der Teilnehmer trotzdem daran fest! Auch hier waren das diejenigen, die das höhere Bedürfnis hatten, besonders zu sein.

Für mich ergeben sich aus diesen Ergebnissen sehr gute Lösungsansätze für die Verbreitung von Fakenews und Rechte Verschwörungstheorien.

  1. Zum einen müssen wir alle jeder Verschwörungstheorie, die uns begegnet zustimmen und sagen, dass wir es schon immer gewusst haben. 1
  2. Wir müssen viele sehr besondere aber sehr ungefährliche Verschwörungen verbreiten, so dass sich Menschen besonders fühlen können, ohne die Demokratie zu gefährden2

Allerdings weiß ich nicht, ob die Ergebnisse der Studie eigentlich für Verschwörungstheorien gelten. Es wurden Verschwörungen vorgestellt. Verschwörungstheorien werden erst daraus, wenn Menschen sich nicht mehr vom Gegenteil überzeugen lassen. Wenn alles, was die Informationen widerlegt zum Teil der Verschwörung wird.

  1. Blöd nur, dass es Hinweise darauf gibt, dass Menschen auch beginnen auch an Dinge zu glauben, von denen sie WISSEN, dass sie falsch sind, wenn sie nur oft genug wiederholt werden. Es könnte also sein, dass WIR irgendwann daran glauben. Ups!
  2. Hauskatzen sind eigentlich eine Hundeart, die sich nicht dressieren lässt.
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Science Slams PEGIDA

[Die Polizei hat für morgen in Dresden alle Veranstaltungen unter freiem Himmel untersagt. Damit fallen sowohl die Versammlung der PEGIDA als auch jeglicher Gegenprotest ins Wasser. Geplant war auch ein Science Slam, zu dem ich einen Beitrag vorbereitet hatte. Da ich nicht weiß ob und wann die Veranstaltung nachgeholt wird, veröffentliche ich den Text an dieser Stelle. Falls die Veranstaltung nachgeholt wird, ist die Gefahr relativ gering, dass allzu viele Zuschauer ihn bereits kennen 🙂 ]

Die ersten Flüchtlinge waren wahrscheinlich das, was PEGIDA heute als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen würde. Sie machten sich vor ca. 160 000 Jahren auf den Weg, den afrikanischen Kontinent zu verlassen. Ohne ihren Mut und ihre Entbehrungen wären wir vielleicht heute nicht hier in Dresden. Nicht nur niemand von uns, auch keine Artgenossen, kein Homo sapiens. Diese ersten Wirtschaftsflüchtlinge sind also Schuld an PEGIDA. Hätten sie sich ihrem Schicksal ergeben und wären einfach verhungert als sich das Klima ihrer Umwelt veränderte, wäre Dresden einiges erspart geblieben.

Vor circa 80 000 Jahren gab es einen gigantischen Vulkanausbruch. Dessen Folgen löschten einen Großteil der auf der Erde lebenden Menschen aus und brachte unsere Art an den Rand der Ausrottung. Auch in Pompeji vernichtete ein Vulkan Teile der „abendländischen“ Kultur und vor einigen Jahren legte ein Vulkan Teile des Flugverkehrs auf der nördlichen Hemisphäre lahm. Vulkane sind gefährlich! Dafür haben wir Belege. Für die Islamisierung des Abendlandes gibt es keine ernsthaften Belege. Warum demonstrieren die PEGIDA nicht gegen Vulkane?! Patriotische Europäer gegen die Vulkanisierung des Abendlandes.

Das schöne an Wissenschaft ist, dass man sich irren darf. Irren gehört zum System. Wer sich nicht irrt, macht nicht etwa Alles richtig, sondern irgendetwas falsch.

Als Menschen der Wissenschaft, der Kunst und als Menschen, die sich den Werten der Aufklärung verpflichtet fühlen, haben wir nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht, alles zu hinterfragen. Darum haben AnhängerInnen dogmatischer Weltanschauungen oft auch so ein Problem mit Wissenschaft, freier Kunst, kritischem Denken und dem beharrlichen Hinterfragen der eigenen Annahmen. So wie Kreationisten. Diese lehnen Evolution ab, weil deren Annahmen den Aussagen der Bibel widersprechen. Egal wieviele Belege man diesen Menschen zeigt, wie genau man es ihnen erklärt, sie werden ihre Meinung nicht ändern. Es ist ein Glaube. Glaube ist äußerst faktenresistent. Das ist nicht schlimm, solange man nicht von anderen Menschen verlangt, dem eigenen Glauben nach zu handeln. Doch genau das wollen die PEGIDA!

Kritisches Denken ist dem Homo sapiens nicht in die Wiege gelegt, wir müssen es lernen. Dummerweise haben Menschen die eine bescheuerte Theorie glauben, ein erhöhtes Risiko weitere bescheuerte Theorien zu glauben. Ein prominentes Beispiel ist der Reichskanzler von 1933-1945. Adolf Hitler war zum Beispiel Anhänger der Welteislehre.

Diese besagt, vor Millionen von Jahren sei ein „riesiger Planet“ aus Eis und Metall in einen „gigantischen Stern mit der millionenfachen Masse unserer Sonne“ eingedrungen. Eine „Schmutzschicht“ verhinderte das Verdampfen des Wassers. Sein Inneres heizte sich auf und überhitzter Wasserdampf wurde erzeugt. Schließlich „zerbarst der Planet in einer gewaltigen Explosion“. Seine Bestandteile wurden aus der Sonne in den Weltraum gestoßen. Die leichtesten Bruchstücke bildeten eine „Glutmilchstraße“. Aus dem Rest und gefrierendem Wasserdampf wurde unser Sonnensystem sowie eine „Eismilchstraße“ in „dreifacher Entfernung des Planeten Neptun gebildet“.

Was heute skurril wirkt, stand auch schon damals bekanntem Wissen entgegen. Trotzdem stürmten Anhänger der Lehre sogar astronomische Vorlesungen und forderten die Absetzung der klassischen Astronomie.

Da u.a. Hitler so ein Fan war, sollte im Zweig Wetterkunde der SS-Forschungsgemeinschaft Ahnenerbe eine Wirkung des ewigen Welteises auf das Germanentum nachgewiesen werden.

Früher hieß es Germanentum, heute heißt es Abendland.

Außerdem glaubte Hitler, die Erde sei entweder hohl und wir lebten auf deren Innenseite oder sie sei eine Art Halbkugel auf deren Innenseite wir alle kopfüber herumspazieren. Darum ließ er Werner von Braun Raketen im 45°Grad Winkel in den Himmel schießen, um zu sehen, ob man Australien trifft. Man traf nicht. Werner von Braun, darauf bedacht, Hitlers Glauben nicht zu beleidigen, erklärte das damit, dass die Raketen einfach nicht genug Reichweite hätten.

Die Nationalsozialisten und Hitler wären vor allem empört gewesen, zu erfahren, dass sie von den zu Beginn erwähnten „Wirtschaftsflüchtlingen aus Afrika“ abstammen sollten. Man war der Ansicht, Nachfahre von Übermenschen zu sein: den Ariern. Die Nazis glaubten, der Atlantismythos sei real. Sie glaubten, die Arier hätten sich von Atlantis retten können. Sie waren der Meinung, deren direkte Nachfahren würden noch in Tibet leben. Eine von Hitler und Himmler dorthin geschickte Expedition fand jedoch nichts. Himmler sagte daraufhin zum Expeditionsleiter: „Dann haben sie wohl nicht richtig geguckt“. Der Mythos von den Germanen als Nachfahren der Arier, vom Deutschen als Übermenschen, war Teil des Fundaments des Nationalsozialismus und seiner Folgen.

Die Islamisierung des Abendlandes findet nicht statt. Trotz Zahlen die das zeigen und die Behauptungen der PEGIDA widerlegen, halten diese daran fest. Man hat, nicht erst seit PEGIDA, einen Mythos geschaffen. Den Mythos von der Islamisierung des Abendlandes. Mithilfe dieses Mythos gelingt es, sehr unterschiedliche Menschen zusammenzubringen, die normalerweise nie etwas miteinander zu hätten. Die Angst verbindet. Der Mythos ist der Kit, der die Bewegung zusammenhält. Heute ist es die Islamisierung. Zu einer anderen Zeit, war es der Mythos einer überlegenen Rasse. Dieser Mythos hat Menschen dazu bewegt, andere Menschen als minderwertig zu sehen und in einen Krieg, den Endkampf, zu ziehen. Dieser Mythos hat getötet. Und vielleicht hat der Mythos von der Islamisierung des Abendlandes auch schon sein erstes Opfer gefordert. Lasst uns dafür sorgen, dass es sein letztes bleibt.

Ich bin kein Teil eines Volkes. Ich bin Teil einer Spezies nackter Affen, die Schuhe tragen. Ich heiße alle meine Artgenossen willkommen!

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Mehr Texte über PEGIDA (es sind schon viel zu viele).