Einführung „Impfen Pro & Contra“

Wenn man mit Menschen spricht, die Impfungen kritisch sehen, dann kommt die Sprache schnell auf das Buch „Impfen Pro & Contra: Das Handbuch für die individuelle Impfentscheidung“ von Dr. Martin Hirte. Hirte ist Kinderarzt und hat dieses Buch mit dem Anspruch geschrieben, umfassend über Impfungen zu informieren, damit man sich individuell für oder gegen Impfungen entscheiden kann. Hirte hat den Anspruch, sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu orientieren. Er tritt mit dem Ziel an, Eltern objektiv zu informieren. Aus seiner Sicht gehen bei der Diskussion ums Impfen die negativen Seiten von Impfungen unter. Er scheint davon auszugehen, dass es eine mächtige Lobby gibt, die Informationen, die gegen Impfungen sprechen, unterdrückt. Er versucht in seinem Buch diese negativen Seiten darzustellen, um ein differenzierteres Bild über Impfungen zu zeichnen. Eltern sollen so in die Lage versetzt werden, für ihre Kinder die beste Entscheidung zu treffen.

Weil Hirte den Eindruck erweckt, sich viele Gedanken zu machen und seine differenzierte Darstellung mit vielen Quellen belegt, wirken seine Schlussfolgerungen überzeugend. Wenn Hirte Recht hat, würden Kinder durch die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), des Centers for Disease Control and Prevention (CDC), der World Health Organization (WHO) und so ziemlich jeder offiziellen Einrichtung, die sich um Gesundheit bemüht, gefährdet. Wenn Hirte Recht hat, sollten wir auf ihn hören und die aktuelle Impfpraxis in Frage stellen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein einsamer Mahner in der Medizin dem Mainstream voraus war und dafür von dessen Vertretern abgewertet wurde, Ignaz Semmelweis war einer der Bekanntesten unter ihnen.

Wenn Hirte sich jedoch irrt und wir ändern die Impfpraxis nach seinen Vorstellungen, wird das allein in Deutschland zehntausende Kinder die Gesundheit und tausende das Leben kosten. Eine kritische Auseinandersetzung mit Hirtes Buch lohnt sich also.

Bevor ich zum Buch selbst komme, stelle ich zum einen einige meiner Grundannahmen vor und stelle dar, welche Grundannahmen aus dem Ausführungen Hirtes folgen.

Ich gehe davon aus, dass die Menschen, die Impfungen erforschen, entwickeln und überprüfen das Ziel haben, Schaden von Menschen abzuwenden. Das heißt nicht, dass nicht Fehler passieren können, das heißt nicht, dass es keine Manipulationen gibt, das heißt nicht, dass Unternehmen nicht versuchen, Gewinne zu machen. All das geschieht. Doch das wird immer wieder aufgeklärt und daraus wird gelernt. Ich gehe davon aus, dass die große Mehrheit von Menschen versucht, einen guten Job im Dienste von uns allen zu machen. Ich gehe nicht davon aus, dass es eine weltweite Verschwörung gibt, die darauf aus ist, um jeden Preis Profite mit Impfungen zu machen.

Martin Hirte geht davon aus, dass an vielen offiziellen Stellen Menschen sitzen, die Entscheidungen treffen, die anderen Menschen schaden. Ganz bewusst. Für Geld. Immer und immer wieder. Gleichzeitig bedeutet jedoch ’schaden‘ für Hirte etwas anderes als für mich. Hirte ist anthroposophischer Kinderarzt und glaubt damit an die von Rudolf Steiner erdachten Zusammenhänge, die unter dem Dach der Anthroposophie vereint wurden. Krankheiten erfüllen für Hirte einen „karmischen“ Sinn. Das bedeutet, medizinische Interventionen (zum Beispiel Impfungen), haben Einfluss auf die nächste Inkarnation eines Menschen. Impfungen in diesem Leben beeinflussen demnach das nächste Leben. Wenn Hirte von „Entwicklung“ und „Reife“ spricht, denkt er diese karmische Ebene immer mit. Das wird im Buch jedoch selten explizit erwähnt. Für Menschen, die nicht an Reinkarnation im anthroposophischen Sinne glauben, entfallen damit viele der Schäden, die Hirte postuliert. Sollte jemand von Ihnen, werte Leserinnern und Leser der anthroposophischen Weltanschauung anhängen, ergibt die Lektüre des weiteren Textes keinen Sinn. Ich werde rein weltlich argumentieren und spirituelle Aspekte von Impfungen nicht berücksichtigen.

Noch ein paar Worte zum Prinzip meiner Kritik. Wenn Hirte für eine Aussage keine Quelle angibt, sehe ich dies als seine persönliche Meinung an. Ganz prinzipiell tritt für Lesende ein Problem auf. Da Hirte die Legitimität der Aussagen von Institutionen wie WHO und RKI anzweifelt, ich diese jedoch prinzipiell anerkenne, könnten einige meiner Gegenargumente abgetan werden. Stützen sie sich doch auf dieselben Daten oder stammen direkt von diesen Organisationen. Ich versuche trotzdem, die Argumentation nachvollziehbar zu machen. Letztlich geht es jedoch um Vertrauen (nicht ‚Glaube‘, nicht blinden Gehorsam) in die Institutionen, die unsere Demokratie in die Lage versetzen sollen, rationale Entscheidungen zu treffen.

Da ich diese Einführung schreibe, als ich die zentralen Teile des Buches bereits gelesen habe, kann ich bereits jetzt sagen, das mich Hirtes Argumente nicht überzeugt haben. Ich bin gespannt auf mögliche Rückmeldungen und Hinweise. Wenn ich meine Arbeit gut mache, wird am Ende ein umfassende Einordnung von Hirtes Haltung möglich sein und eine individuelle Entscheidung, ob die LeserInnen dieser folgen wollen. Ich tue es, wie gesagt, nicht.

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11 Gedanken zu “Einführung „Impfen Pro & Contra“

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